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Wildbergerinnen und Wildberger erklären ihre Kirchenfenster

Die abstrakten Motive der Kirchenfenster in Wildberg empfinden viele als nichtssagend. Audio-Dateien von Einwohnern sollen ihnen den Zugang erleichtern.

Kirchenpflegerin Imke Tramm hatte die Idee für die Audio-Ausstellungen mit den QR-Codes.

Foto: Bettina Schnider

Wildbergerinnen und Wildberger erklären ihre Kirchenfenster

Unterhalb der Kirchenfenster in der reformierten Kirche Wildberg stehen seit Pfingsten kleine Täfelchen: Darauf zu finden sind QR-Codes, die mit dem Handy eingelesen werden können. Sie führen auf eine Website, auf der man kurze Audio-Dateien zu den Motiven der Kirchenfenster anhören kann. Aufgenommen wurden diese von Wildbergerinnen und Wildbergern.

Die Idee für diese spezielle Ausstellung hatte Imke Tramm. Sie ist Mitglied der Kirchenpflege und dort zuständig für Musik und Gottesdienst. «Ich habe immer wieder vernommen, dass die relativ abstrakten Bilder des Künstlers José de Nêve für viele Ortsansässige überhaupt nichts aussagen.»

«Von jung bis alt, von kirchennah bis kirchenfern.» 

Imke Tramm, Initiantin der Ausstellung

Für sie war klar, dass sich daran etwas ändern müsse. «Irgendwann kam mir dann der Gedanke, dass wir doch verschiedene Menschen fragen könnten, was sie in den Bildern sehen. Dies wollten wir in einem Tondokument festhalten.»

Deutsch, Englisch, Spanisch 

Ein solches Projekt sei sicher auch mit den Absichten des Künstlers vereinbar, ist Tramm überzeugt. De Nêves Bilder befinden sich seit 1972 in Wildberg. «Er war immer der Auffassung, dass er keine Deutung zu seinen Bildern abgeben wolle, sondern dass die Leute in den Bildern das entdecken, was sie anspricht.»

Also hat sich Tramm auf die Suche gemacht nach Personen, die bereit waren, an ihrem Projekt mitzuwirken. «Mir war es dabei ein Anliegen, eine möglichst grosse und diverse Gruppe beisammen zu haben», betont sie. «Von jung bis alt, von kirchennah bis kirchenfern.» 

«Ebenso muss man verstehen, dass die hellen Stellen auf den Fenstern für Gottes Präsenz stehen.»

Imke Tramm

Auch wenn die Suche teilweise etwas harzig verlief, ist die Kirchenpflegerin fündig geworden. 20 Personen waren bereit, ihre Gedanken zu den Kirchenfenstern festzuhalten. «Und zwar vom Kind bis zu einer Über-80-Jährigen», freut sie sich. Einige Personen wollten ihre Beiträge auf Englisch und Spanisch aufnehmen.

Die hellen Stellen und Gottes Präsenz

Besonders wichtig war für die Kirchenpflegerin, dass es sich bei den Audio-Aufnahmen um keine theologischen Vorträge handelt. «Trotzdem war es nötig, den Personen eine kurze Einführung in die Kirchenfenster zu geben», betont sie. Dazu gehört beispielsweise der Titel, der vom Künstler gewählt wurde. «Ebenso muss man verstehen, dass die hellen Stellen auf den Fenstern für Gottes Präsenz stehen.»

Mit den Aufnahmen begann Tramm im Winter 2019. «Die Interessierten durften sich aussuchen, zu welchem Fenster oder zu welchen Fenstern sie sprechen möchten.» Um es ihnen etwas leichter zu machen, notierte Tramm einige Stichworte aus der Vorbesprechung.

«Für viele hat es etwas Überwindung gekostet.» Trotzdem wurde Tramms grösstes Anliegen erfüllt. «Die Beiträge sollten alle individuell und persönlich sein. Und das sind sie geworden.»

Aufgrund der Corona-Pandemie hat sich der ganze Aufnahmeprozess verzögert. «Aus diesem Grund sind wir erst dieses Frühjahr mit den Aufnahmen fertig geworden», so Tramm. Für die technologische Umsetzung hat sie Hilfe von einer anderen Kirchenpflegerin erhalten. «Elisabeth Lendenmann hat mich hier zum Glück tatkräftig unterstützt.»

«Man sollte sich in der Kirche befinden und die Fenster auf sich wirken lassen.»

Imke Tramm

Eröffnet wurde die Ausstellung an Pfingsten. «Trotz Ferien konnten die meisten Teilnehmenden in den Gottesdienst kommen», freut sich Tramm.

Nur in der Kirche

Und nun befindet sich also unter jedem Kirchenfenster ein QR-Code. Zugriff auf die Audio-Dateien hat man jedoch nur innerhalb der Kirche Wildberg. Zudem muss man sich ins WLAN-Netzwerk der Kirche einwählen. Von aussen geht es nicht. «Das haben wir absichtlich so gewählt», betont Tramm. «Man sollte sich in der Kirche befinden und die Fenster auf sich wirken lassen.»

Sie ist sich bewusst, dass nicht alle Besucherinnen und Besucher die nötigen technischen Fähigkeiten und Geräte besitzen. «Wir planen deshalb, eventuell einige alten Handys oder MP3-Geräte in der Kirche zur Verfügung zu stellen.»

Ein Enddatum habe die Ausstellung nicht. «Eventuell werden wir die Täfelchen mit den QR-Codes irgendwann entfernen, aber die Broschüre mit den Codes werden wir sicher in der Kirche belassen», erklärt Tramm.

Die Resonanz bisher sei positiv. «Ich hoffe, wir können den Besucherinnen und Besuchern so einen besseren Zugang zu den Bildern ermöglichen.» Eine absolute Interpretation sollen und können die Audiobeiträge trotzdem nicht liefern. «Und das ist auch richtig so. Jeder Mensch sieht die Bilder anders.»

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