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«Die Maskenpflicht im Rat fanden einige gar nicht lässig»

Ausgerechnet im Corona-Jahr war Flavia Sutter die höchste Dübendorferin. Die meisten gesellschaftlichen Anlässe fielen weg, dafür galt es ungewöhnliche Entscheide zu fällen. Im Interview verrät die grüne Politikerin, wie es ist, während einer Pandemie den Gemeinderat zu präsidieren.

Auch ohne repräsentative Aufgaben hatte Flavia Sutter in ihrem Amtsjahr einiges zu tun.

Christian Merz

«Die Maskenpflicht im Rat fanden einige gar nicht lässig»

Flavia Sutter, das Ratspräsidium ist für viele der Höhepunkt ihrer politischen Karriere. Doch Ihr Jahr als höchste Dübendorferin war von der Corona-Pandemie überschattet. Waren Sie vom Ausmass der zweiten Welle überrascht?
Flavia Sutter: In meiner Antrittsrede im Juli 2020 hatte ich noch Mitleid mit meinem Vorgänger geäussert, der von der ersten Corona-Welle betroffen war. Damals bin ich wie wohl die meisten davon ausgegangen, dass die Pandemie vorbei ist. Dass es dann zu einer dermassen einschneidenden zweiten Welle kommen würde, hätte ich nie gedacht.

Repräsentative Aufgaben wie die Teilnahme an gesellschaftlichen Ereignissen prägen das Amtsjahr. Viele dürften nicht stattgefunden haben. Wie schlimm war das für Sie?
Immerhin ein paar wenige Veranstaltungen wurden durchgeführt, die habe ich dann umso mehr genossen. Die meisten aber mussten abgesagt werden, was ich sehr schade fand, weil ich gerne neue Menschen kennenlerne und mich deshalb sehr darauf gefreut habe. Ein Höhepunkt war aber sicher, dass ich die Verwaltung und die städtischen Betriebe besuchen und dort hinter die Kulissen schauen konnte. Spannend war das etwa bei der Integrationsstelle, weil ich das Angebot vor Jahren mit aufgebaut habe und nun sehen konnte, was daraus geworden ist. Den neuen Dübendorfer Polizeikommandanten habe ich auch getroffen.

Wurde es Ihnen allenfalls gar etwas langweilig, weil ein wichtiger Teil Ihrer Aufgaben wegfiel?
Nein, es war aus politischer Sicht ein intensives Jahr mit vielen Vorstössen und Rekursen, die auch für das Büro des Gemeinderats viel Arbeit bedeuteten. Dazu kamen wichtige Themen wie zum Beispiel die Schuleinheit in der Überbauung Three Point und natürlich Tempo 30 mit den dazugehörigen lauten Nebengeräuschen. Auch die Bildung der Spezialkommissionen für die Begleitung der externen Untersuchung der Vorfälle rund um das Sozialamt sowie für die Revision der Gemeindeordnung waren alles andere als Courant normal.

Sie gehören im Gemeinderat zu den aktiveren Politikerinnen mit regelmässigen Wortmeldungen und Vorstössen. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, dass Sie in dieser Hinsicht ein Jahr lang zum Schweigen verdammt waren?
Es gab schon einige Situationen im Rat, da hätte ich gerne etwas gesagt. Sehr gerne sogar. Aber es ist nun einmal ein Jahr, in dem man nicht inhaltlich arbeitet. Und darauf kann man sich auch einstellen, wenn man weiss, dass man danach wieder Stellung nehmen kann.

Ich nahm meine neutrale Position als Präsidentin ein, persönliche Angriffe gab es im ganzen Jahr keine.

Immerhin durften Sie ein Mal den Stichentscheid fällen – das dürfte Sie bei diesem Thema besonders gefreut haben.
(lacht) Ja genau, bei der Frage nach der Einbürgerungskompetenz in der revidierten Gemeindeordnung. Das war spannend, auch wenn es letztlich keinen direkten Einfluss hatte, weil das Geschäft ja noch an die Urne kommt.

Gab es auch einen Ablöscher, etwa eine Gemeinderatssitzung, an die Sie sich nicht gerne erinnern?
(überlegt) Nein, da fällt mir gar nichts ein.

Sie mussten in diesem Jahr Entscheide fällen, mit denen keiner Ihrer Vorgänger konfrontiert war – zum Beispiel die Maskenpflicht an der Ratssitzung, als diese noch nicht von übergeordneter Stelle angeordnet war. Die Massnahme wurde als «völlig übertrieben» kritisiert.
Das war ein Entscheid, den das Büro des Gemeinderats gemeinsam gefällt hat. Und ja, das fanden einige gar nicht lässig. Es wurde darüber diskutiert und am Ende sprach sich der Rat dafür aus. Ich stehe nach wie vor dahinter. Wenn ein Teil des Rats sich wegen des Virus Sorgen macht und lieber vorsichtig ist, dann soll man aus Solidarität eine Maske tragen. Auch wenn ich selber nicht ängstlich bin und die Maske lieber ausziehe als anziehe.

Heftige Kritik gab es auch vor Ihrer Wahl ins Präsidium. Die SVP beschuldigte Sie, beim «links-grünen Bashing» von Exponenten im Sozialbereich stets an vorderster Front gewesen zu sein. Auch warf man Ihnen eine «unfaire Attacke» gegen den Leiter der Abteilung Soziales vor, weshalb Sie für das Amt nicht geeignet seien. Wie lange dauerte es, bis sich die Situation wieder beruhigte?
Das alles war nachher kein Thema mehr. Ich nahm meine neutrale Position als Präsidentin ein, persönliche Angriffe gab es im ganzen Jahr keine.

Man kann es immer besser machen. Ich würde mir daher eine 5,3 geben.

In Ihrem Amtsjahr wurde der Livestream aus der Ratssitzung eingeführt. Wird der nach Corona wieder abgeschafft?
Hoffentlich nicht, auch wenn die Übertragung 2000 Franken pro Abend kostet. Ich habe immer wieder von Leuten gehört, die sich die Sitzung zu Hause anschauen, aber nie in den Ratssaal kommen würden. Das finde ich super. Man muss alles unternehmen, damit die Menschen sich für Politik interessieren und sich beteiligen.

Wegen Corona fiel auch der Ratsausflug ins Wasser. Wohin wäre Ihre Reise gegangen?
Ich hätte den Ausflug gerne nach Schwamendingen gemacht, ein spannendes Quartier, zu dem ich einen Bezug habe, weil ich dort arbeite.

Sind Sie nach diesem Jahr an der Spitze des Parlaments auf den Geschmack gekommen und kandidieren als Stadträtin? Hochbauvorstand Dominic Müller hatte 2014 den Schwung aus seinem Präsidialjahr genutzt und erhielt als Neuer gleich am zweitmeisten Stimmen.
Nein, ich kandidiere nicht. Ich wechsle die Stelle, arbeite 80 Prozent und kann es mir nicht vorstellen, zusätzlich noch etwas Neues zu beginnen. Obwohl ich sagen muss, dass mich das Amt schon interessiert und ich mir eine Kandidatur zu einem späteren Zeitpunkt durchaus vorstellen kann, wenn die Umstände passen und ich genügend Zeit dafür habe.

Sie sind Lehrerin, jetzt können Sie sich mal selber benoten. Wie beurteilen Sie Ihre Arbeit im zurückliegenden Amtsjahr?
(zögert lange) Das ist schwierig… Ich bin recht zufrieden, aber selbstverständlich kann man es immer besser machen. Ich würde mir daher eine 5,3 geben.

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