Flavia Sutter, das Ratspräsidium ist für viele der Höhepunkt ihrer politischen Karriere. Doch Ihr Jahr als höchste Dübendorferin war von der Corona-Pandemie überschattet. Waren Sie vom Ausmass der zweiten Welle überrascht?
Flavia Sutter: In meiner Antrittsrede im Juli 2020 hatte ich noch Mitleid mit meinem Vorgänger geäussert, der von der ersten Corona-Welle betroffen war. Damals bin ich wie wohl die meisten davon ausgegangen, dass die Pandemie vorbei ist. Dass es dann zu einer dermassen einschneidenden zweiten Welle kommen würde, hätte ich nie gedacht.
Repräsentative Aufgaben wie die Teilnahme an gesellschaftlichen Ereignissen prägen das Amtsjahr. Viele dürften nicht stattgefunden haben. Wie schlimm war das für Sie?
Immerhin ein paar wenige Veranstaltungen wurden durchgeführt, die habe ich dann umso mehr genossen. Die meisten aber mussten abgesagt werden, was ich sehr schade fand, weil ich gerne neue Menschen kennenlerne und mich deshalb sehr darauf gefreut habe. Ein Höhepunkt war aber sicher, dass ich die Verwaltung und die städtischen Betriebe besuchen und dort hinter die Kulissen schauen konnte. Spannend war das etwa bei der Integrationsstelle, weil ich das Angebot vor Jahren mit aufgebaut habe und nun sehen konnte, was daraus geworden ist. Den neuen Dübendorfer Polizeikommandanten habe ich auch getroffen.
Wurde es Ihnen allenfalls gar etwas langweilig, weil ein wichtiger Teil Ihrer Aufgaben wegfiel?
Nein, es war aus politischer Sicht ein intensives Jahr mit vielen Vorstössen und Rekursen, die auch für das Büro des Gemeinderats viel Arbeit bedeuteten. Dazu kamen wichtige Themen wie zum Beispiel die Schuleinheit in der Überbauung Three Point und natürlich Tempo 30 mit den dazugehörigen lauten Nebengeräuschen. Auch die Bildung der Spezialkommissionen für die Begleitung der externen Untersuchung der Vorfälle rund um das Sozialamt sowie für die Revision der Gemeindeordnung waren alles andere als Courant normal.
Sie gehören im Gemeinderat zu den aktiveren Politikerinnen mit regelmässigen Wortmeldungen und Vorstössen. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, dass Sie in dieser Hinsicht ein Jahr lang zum Schweigen verdammt waren?
Es gab schon einige Situationen im Rat, da hätte ich gerne etwas gesagt. Sehr gerne sogar. Aber es ist nun einmal ein Jahr, in dem man nicht inhaltlich arbeitet. Und darauf kann man sich auch einstellen, wenn man weiss, dass man danach wieder Stellung nehmen kann.
Ich nahm meine neutrale Position als Präsidentin ein, persönliche Angriffe gab es im ganzen Jahr keine.

