150 demonstrieren gegen Coronamassnahmen
«Friede, Freiheit, Souveränität». Unter diesen drei Stichworten haben einige auf Facebook zu einer Versammlung am Montagabend beim Ustermer Zeughaus aufgerufen. Und zunächst sieht es danach aus, als würde es auch bloss bei einigen Leuten bleiben, die dem Appell gefolgt sind. Jedenfalls bleibt die Zahl um 19 Uhr, eine Viertelstunde vor dem verkündeten Beginn, unter 50. Noch regnet es, die letzten Nachwehen des Unwetters vom Nachmittag. Doch die Demonstranten bleiben trocken, denn das grosse Dach auf dem Areal bietet genug Schutz.
Masken tragen nur die Polizisten
Ein Alphornbläser unterhält die Wartenden. Niemand weiss so recht, was eigentlich los ist. Die Medienvertreter werden von einigen Teilnehmern gefragt, ob sie mehr wüssten. Das tun sie nicht – und auch die Stadtpolizei nicht, wie deren Kommandant Andreas Baumgartner erklärt, der ebenfalls auf Platz ist. Sie ist mit rund zehn Leuten und mehreren Autos präsent. Und hält sich zurück. « Bisher gibt es eigentlich nichts zu beanstanden » , macht Baumgartner klar, auch wenn für die Veranstaltung keine Bewilligung eingeholt worden ist. Die Polizisten fallen nicht nur durch ihre Uniform auf, sie sind auch die einzigen, die eine Maske tragen. Ein Polizist sucht den Kontakt mit den Versammelten, was diese begrüssen: « Es ist gut, dass die Polizei hier auf die Leute zugeht » , meint eine Demonstrantin.
Einige schwenken Fahnen, vor allem jene mit dem Schweizer Kreuz. Eine einzelne ist in einem Plakat eingekleidet. Sonst ist vor allem eines angesagt: Warten. Zwei Damen, die zu wissen scheinen, was noch geschehen soll, geben über die Motivation, warum sie an so einem regnerischen Tag hier in Uster sind, bereitwillig Auskunft. « Wir wollen uns heute mit Menschen treffen. Irgendjemand hat Mut gehabt und einen Aufruf gemacht. Wir wollen uns austauschen über die aktuelle Situation » , meint Valbona Gashi aus Volketswil. « Wir kritisieren vor allem die Coronamassnahmen. Seit Mai letzten Jahres stehe ich jeden Samstag auf der Strasse » , erklärt Christa Urech aus Wetzikon, « und ich stehe für die Grundrechte ein, die wir nicht mehr haben. »
Abmarsch ohne Kommando
Das Versammlungsrecht sei beispielsweise beschnitten, auch die Meinungsfreiheit sei gefährdet. « Sobald man anders denkt als die Politik, wird man in die rechtsradikale Ecke gestellt. Dabei sind wir ganz normale Familienmenschen » , sagt Gashi. « Es gibt keine Veranstalter für diese Demos, denn diesen werden Bussen angedroht. Wir sind ein zusammengewürfelter Haufen » , meint Urech. « Wir wollen immer friedlich bleiben » , ergänzt Gashi und freut sich, dass die Polizei in Uster im Gegensatz zu anderen Orten zurückhaltend auftrete.
Gegen 19.40 Uhr setzt sich die mittlerweile auf rund 100 Personen angewachsene Menge plötzlich in Bewegung, ohne dass von irgendwoher ein Kommando ertönt wäre. Es gehe zum Stadthaus, wo die Freiheitstrychler warteten, heisst es. Diese Gruppe mit ihren grossen Glocken gehört mittlerweile zum Inventar jeder grösseren Demonstration gegen Corona-Massnahmen.
Vereinigung beim Nüsslikreisel
In Fahrt kommt auch die Polizei, die sich verstärkt durch die Feuerwehr vor allem darauf konzentriert, den Verkehr zu lenken und Unfälle zu vermeiden. Der Umzug bewegt sich mehrheitlich auf dem Trottoir. Nach einigen Irrungen treffen die beiden Gruppen beim Nüsslikreisel aufeinander. Der auf 150 Personen angewachsene Tross bewegt sich unter lauten Schellengeläut zur Landihalle.
Dort gibt es eine kurze Pause. Doch wer auf eine Ansprache gewartet hat, wird enttäuscht. Bald darauf setzen sich die Protestierenden unter einzelnen « Liberté » -Rufen und « Schwiiz, wach uf » oder « mach uf » ? – man versteht es nicht so richtig – wieder in Bewegung. Der Stadtpark wird umkreist und zum Schluss geht es durch enge Wege dem Aabach entlang. Fast kommt es dort noch zu Handgreiflichkeiten, als ein Passant den Demonstrierenden den Stinkefinger zeigt und ein anderer einem Teilnehmer die Schweizer Fahne entreissen will.
Doch es bleibt friedlich. Und die teilweise von weiter her angereisten Massnahmenkritiker bestärken sich weiter gegenseitig in ihrem Ruf nach Freiheit, der Kritik am Impfdruck, der zunehmend entstehe, und der Maskenpflicht. Nur ganz am Rande kommt die Abstimmung vom 13. Juni zum Covid-19-Gesetz zur Sprache. Da sind sich die Teilnehmer wohl ohnehin einig.
