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Bei der Katholischen Kirche Zell kracht es im Gebälk

Bei der Kirchgemeindeversammlung der Katholischen Kirche Zell vom Freitag kam es zum Knall. Sie endete mit einer abgelehnten Jahresrechnung und zwei Rücktrittserklärungen.

In der Katholischen Kirche St. Antonius hängt der Haussegen schief.

Foto: Bettina Schnider

Bei der Katholischen Kirche Zell kracht es im Gebälk

Am Freitag fand die Kirchgemeindeversammlung der Römisch-Katholischen Kirchgemeinde Zell im Pfarreisaal in Kollbrunn statt. Zur Pfarrei St. Antonius gehören Katholikinnen und Katholiken aus den Dörfern Kollbrunn, Rikon, Schlatt, Weisslingen und Kyburg.

Angemeldet hatten sich nur 17 Personen, gekommen sind doppelt so viele. Es war ein erstes Anzeichen dafür, dass die Versammlung brisanter werden würde, als es die Einladung vermuten liess.

Traktandiert waren unter anderem eine Bauabrechnung, die Genehmigung der Jahresrechnung 2020 sowie eine Kreditbewilligung für umfassende Sanierungsarbeiten und ein Nachtragskredit für eine Bauleitung.

Ein erstes Raunen

Doch nach ihrer Begrüssung informierte Kirchenpflegepräsidentin Esther Kernen, dass die Kirchenpflege die letzten beiden Traktanden zurückgezogen habe. Die Gründe dafür wollte sie erst nach der Versammlung erläutern. Es ging ein erstes Raunen durch den Saal.

Nachdem die Bauabrechnung für den Umbau des Schulungsraums angenommen wurde, kam es zur Vorstellung der Jahresrechnung durch die Finanzverantwortliche Susanna Messina. Die Rechnung schloss mit einem Gewinn von 1698.59 Franken.

Bereits im Vorfeld war klar, dass die Rechnungsprüfungskommission (RPK) die Zurückweisung der Jahresrechnung beantragen würde. Wie aus deren Abschied zu entnehmen war, liegt der Grund darin, dass ausbezahlte Entschädigungen nicht dem gültigen Reglement entsprechen.

Fehler bei den Zahlungen

Kirchenpflegepräsidentin Esther Kernen erläuterte daraufhin die Sicht der Kirchenpflege. Sie gab zu, dass es zu Fehlern bei den Zahlungen gekommen sei. Fürs Jahr 2020 handle es sich jedoch lediglich um einen Betrag von 3410 Franken. «Dafür sind 1850 Franken für die Kirchenpflege, und 1560 Franken für unseren Pfarrer», ergänzte Kernen.

«Im August 2018 wurde ein Entschädigungsreglement durch die Kirchenpflege erlassen, das gar nie der Kirchgemeindeversammlung unterbreitet wurde.»

Christian Palm, Mitglied der RPK

Die Kirchenpflege habe beschlossen, auf eine Rückforderung zu verzichten. «Die Beträge sind so klein, der Aufwand wäre unverhältnismässig.»

RPK bleibt hart

Die RPK, vertreten von Präsident Roland Bischofberger und Mitglied Christian Palm, zog ihren Antrag aber nicht zurück. Im Gegenteil.

In einer rund zehnminütigen Präsentation erläuterte Palm, wieso die Prüfbehörde diesen Antrag überhaupt gestellt hatte: «Im August 2018 wurde ein Entschädigungsreglement durch die Kirchenpflege erlassen, das gar nie der Kirchgemeindeversammlung unterbreitet wurde.»

Dies sei nicht erkannt worden. «Auch nicht von Benno Schnüriger», betonte Palm. Schnüriger, Jurist und ehemaliger Synodalratspräsident, wurde 2019 vom Synodalrat als Sachverwalter in der Kirchgemeinde eingesetzt. Dies nachdem die Kirchenpflege aufgrund von Rücktritten nicht mehr handlungsfähig war. Er war bis Anfang 2020 im Amt.

Rückforderung « nicht verhältnismässig »

«Es wäre die Aufgabe der Kirchenpflege gewesen, zu prüfen, ob ihre Entschädigungen eine gültige Grundlage haben», erklärte Palm. Das sei nicht geschehen. Deshalb sei die Rechnung zurückzuweisen.

«Die Zusammenarbeit mit der RPK ist für uns in der Kirchenpflege überaus schwierig.»
Esther Kernen, Präsidentin der Kirchenpflege

Esther Kernen versuchte zu kontern. «Es geht nicht um Betrug. Eine Rückforderung ist nicht verhältnismässig.» Es war vergeblich. Die Rechnung wurde mit 24 Nein-zu 10 Ja-Stimmen nicht angenommen. 

Viel Geschirr zerschlagen

Kernen schloss daraufhin die Sitzung und informierte die Anwesenden unter anderem darüber, wieso die Kirchenpflege die beiden Traktanden über Kredite zurückgezogen hat. Beide Vorhaben wurden vorgängig von der RPK zur Ablehnung empfohlen.

Kernen sprach an, was nach den vorgängigen Debatten im Saal bereits offenkundig war. «Die Zusammenarbeit mit der RPK ist für uns in der Kirchenpflege überaus schwierig», erklärte sie. «Viel Geschirr ist zerschlagen worden.»

Zwei wollen sofortigen Rücktritt

Man habe eine Mediation vorgeschlagen, aber keine Antwort erhalten. «Die Umstände haben dazu geführt, dass Aktuarin Loredana Honegger und Finanzverantwortliche Susanne Messina per sofort aus der Behörde ausscheiden wollen», sagte Kernen.

Wenn die Aufsichtskommission über Kirchgemeinden die Rücktritte akzeptiert, bleiben noch drei Mitglieder übrig. «Wir sind also weiterhin handlungsfähig bis zu den nächsten Wahlen 2022», so die Präsidentin der Kirchenpflege. Erneut kandidieren wolle aber niemand. Von der RPK nahm dazu an der Versammlung niemand mehr Stellung.

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