Die Einbaumregatta droht unterzugehen
Am 11. und 12. September sollen am Quai bei Niederuster Teams aus der ganzen Schweiz und dem Ausland in urtümlichen Gefährten an der internationalen Einbaumregatta um die Wette paddeln. Am Anlass, den die Organisatoren des Pfahlbauerjahres zusammen mit dem Ruderclub Greifensee organisieren, sollen auch Hobbysteams und Besucher die Gelegenheit erhalten, in den ausgehöhlten Stämmen auf dem See zu rudern.
Sollen, sollen: Zurzeit ist die Durchführung der Rennen noch nicht gesichert. Denn es fehlt das nötige Geld. Rund 15‘000 Franken kosten die drei Einbäume, die ab Ende Juni bei der Station Silberweide speziell für diesen Anlass ausgeschlagen werden. « Mitte Mai haben wir nun ein Crowdfunding-Projekt lanciert, mit dem das Geld zusammenkommen soll », erklärt Gabriela Flüeler, die dem fünfköpfigen Vorstand des Vereins « Zukunft Unesco Welterbe Pfahlbau Pfäffikersee/Greifensee » angehört.
Erst ein Viertel beisammen
Bis zum 18. Juni müssen insgesamt 25‘000 Franken zusammenkommen. Zu den Kosten für den Bau der Einbäume kommen noch Auslagen für deren Transport, aber auch für die Belohnungen hinzu, die Spender auswählen können. Diese reichen vom Postkartenset über Plätze auf einem der Einbäume oder einer Holzscheibe eines 5000jährigen Pfahls aus dem Kanton Zürich bis hin zur Begleitung auf einem Weidling eines Tauchgangs der Unterwasserarchäologie.
Bisher ist mit 6800 Franken erst ein gutes Viertel des angestrebten Betrags beisammen. « Dieses Geld stammt primär aus dem privaten Umfeld des Vereinsvorstandes. Jetzt aber wollen wir den Anlass weiter promoten » , betont Flüeler, die Leiterin des Ortsmuseums Wetzikon ist, das selbst viele originale Fundstücke aus der Pfahlbauzeit beherbergt. Sie will auch noch Ruderclubs und Holzfirmen um Unterstützung angehen.
Spender sollen Gemeinschaft werden
« Mit unserem Aufruf an die Öffentlichkeit wollen wir nicht nur das nötige Geld für die Einbäume besorgen, sondern hoffen darauf, dass sich auch eine Community bildet, die sich für dieses Weltkulturerbe in unserer Region interessiert » , ergänzt Flüeler. Wer spenden will, kann sich über wemakeit.com/projects/paddeln-wie-pfahlbauer-innen an der Sammelaktion beteiligen.
Seit 2011 gehören die Pfahlbausiedlung Storen am Greifensee und der Fundort Robenhauser Riet am Pfäffikersee zusammen mit 109 anderen Seeufersiedlungen im Alpenraum zum Unesco-Weltkulturerbe. Ausgewählt wurden jene aus den rund 1000 bekannten Stellen, die das grösste wissenschaftliche Potenzial haben. Alleine an den Ufern der beiden grossen Oberländer Seen gibt es neben den zwei ausgewählten Fundorten noch 14 weitere mit grossen Schätzen.
Veranstaltungen ab Juni
Die Regatta ist nur eine der Veranstaltungen, die der Verein aus Anlass des Zehn-Jahr-Jubiläums Weltkulturerbe organisiert. Am 11. Juni folgt die erste Führung auf einem Greifenseeschiff, bei der der Kantonsarchäologe und ehemalige Taucher Beat Eberschweiler Manches über die verschiedenen Pfahlbaufundstellen am Greifensee erzählen wird.
Danach folgen noch viele weitere Veranstaltungen wie der Besuch des Archäomobils, Pfahlbau-Erlebnisse, eine Vorführung in einem Tauchcontainer bis hin zu einem grossen Pfahlbaufest Ende September, alles in der Region. Die Übersicht über die Veranstaltungen ist auf www.die-pfahlbauer-in.ch zu finden.
Vier Ausstellungen
Seit Ende März respektive Anfang April sind im Ortsmuseum Mühle in Maur, im Museum am Pfäffikersee in Pfäffikon, in der Naturstation Silberweide bei Mönchaltorf sowie im Museum Wetzikon vier Ausstellungen geöffnet. Sie sind dem Leben der Pfahlbauer gewidmet und beleuchten das Schuhwerk, die Werkzeuge, die Häuser und das Essen näher, das vor 3700 bis 1000 vor Christus hier in der Region in Gebrauch war und verwendet wurde.
Auch für diese Ausstellungen waren Sponsoren gesucht worden. In Pfäffikon konnte etwa die Firma Huber+Suhner gewonnen werden, die sich mit 5000 Franken an den Kosten der örtlichen Ausstellung beteiligt.
« Die Ausstellungen sind noch nicht auf grosses Interesse gestossen » , hält Flüeler fest. In der Silberweid sorgte das kalte und nasse Wetter dafür, dass die « Stein- und Bronzezeit » -Pflanzen wie Schnittsellerie, Dinkel, Emmer, Leinen oder auch Schlafmohn nicht wie erhofft gedieh. Doch nun wachsen sie. Und auch die Zurückhaltung der Organisatoren weicht wegen der Coronasituation. Mit den weiteren Lockerungen können nun alle Anlässe wie geplant durchgeführt werden. Der Kanton hat als Mitorganisator vor kurzem nicht nur eine Medienkonferenz organisiert. Auch der Verein wird nun die Werbetrommel stärker rühren.
