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Politik

«Es war nicht mein Ziel, einmal Gemeindepräsident zu werden»

Nun ist es offiziell: Carlo Hächler (FDP) ist der Nachfolger von Christoph Hitz (parteilos), der im letzten Dezember das Amt des Hittnauer Gemeindepräsidenten abgelegt hat. Im Interview spricht Hächler über aktuelle Herausforderungen und die nächsten Wahlen.

Carlo Hächler ist seit 2015 Gemeinderat in Hittnau und hat nun das Präsidium übernommen.

Seraina Boner

«Es war nicht mein Ziel, einmal Gemeindepräsident zu werden»

Im Winter traten zwei Hittnauer Gemeinderäte innerhalb weniger Wochen aus gesundheitlichen Gründen zurück. Nun besteht die Exekutive statt aus sieben nur noch aus fünf Mitgliedern. Wie haben Sie die letzten Monate erlebt?
Carlo Hächler: Die Rücktritte von Präsident Christoph Hitz (parteilos) und Sozialvorstand Peter Wermelinger (SVP) haben unseren Alltag auf den Kopf gestellt. Wir konnten die Aufgaben dank festgelegten Ersatzpersonen rasch auf die verbliebenen Gemeinderäte aufteilen, waren danach aber alle stark gefordert. Für mich persönlich bedeutet der Mehraufwand eine Verdoppelung der Arbeit. Die Verkleinerung des Gemeinderates wäre eigentlich erst ab den nächsten Wahlen geplant gewesen.

Konnten Sie trotzdem schon von den Vorbereitungen für diesen Schritt profitieren?
Nicht wirklich, denn wir waren mitten in den Vorbereitungen für die Umstrukturierung. Und die betrifft nicht nur den Gemeinderat, sondern auch die Verwaltung. Aus sieben Ressorts werden fünf, was für die ganze Verwaltung Folgen hat. Zudem sollen die Aufgaben neu geregelt werden: Die Mitarbeitenden der Verwaltung werden mehr operative Kompetenzen erhalten, damit sich der Gemeinderat auf die strategischen Aufgaben konzentrieren kann. Dieser Prozess wird voraussichtlich erst Ende des nächsten Jahres abgeschlossen werden können

« Ich bin es mir gewohnt, dass es im Leben Phasen gibt, die intensiver sind. »

Sie sind zumindest ab sofort nicht mehr nur Interimspräsident, sondern offiziell als Gemeindepräsident gewählt…
… in stiller Wahl als einziger Kandidat für das Amt. (schmunzelt) Dass ich als Vizepräsident kurzfristig die Führung übernehmen werde, war klar. Zuerst wussten wir lange nicht, ob der Bezirksrat überhaupt eine Ersatzwahl für das Präsidium anordnen wird. Dann kam die Vorgabe, die Nachfolge müsse aus dem bestehenden Gremium gewählt werden – was auch Sinn macht, denn als Auswärtiger in dieser Zeit der Umstrukturierung sich in ein neues Amt einarbeiten zu müssen, wäre sehr aufwändig.

Und trotzdem tönt es etwas nach Pflichtprogramm für Sie.
Gar nicht! Ich wurde bei meinem Eintritt in den Gemeinderat seinerseits auch in stiller Wahl gewählt, ganz ohne Wahlkampf. Das trägt nicht die gleiche Qualität mit sich – auch wenn ich bei den allgemeinen Wahlen vor drei Jahren im Amt gut bestätigt wurde.

Sie haben seit ihrem Eintritt in den Gemeinderat 2015 das Ressort Hochbau inne – dieses werden Sie jetzt wohl abgeben?
Das wird ressourcentechnisch und auch organisatorisch nicht anders möglich sein. Da ist zwar etwas Wehmut dabei, in vielen Projektgruppen werde ich aber weiter Einsitz haben und aktiv involviert sein, zum Beispiel bei den Projekten «Hittnau Care» oder die Entwicklung des Luppmenpark-Areals. 

Sie sind schon im Pensionsalter, trotzdem arbeiten Sie weiterhin als Berater für Unternehmensentwicklung. Wie bringen Sie dies mit Ihren neuen Aufgaben unter einen Hut?
Ich bin es mir gewohnt, dass es im Leben Phasen gibt, die intensiver sind. Momentan befinde ich mich in einer solchen. Zwar muss das Privatleben momentan etwas zurückstehen. Aber im Sommer steht als nächster Schritt die Reduktion von sieben auf fünf Ressorts an. Dann werde ich das Ressort Hochbau abgeben und habe damit einen Zeitpunkt vor Augen, wann sich die Lage entspannt. Beruflich bin ich zum Glück sehr flexibel. Und durch meine berufliche Erfahrung ist auch die Umstrukturierung eine Art Heimspiel für mich.

« Wir Gemeinderäte übernehmen in Zukunft die Verantwortung für das ‹Was› statt das ‹Wie›. »

Ist diese Neuorganisation vergleichbar mit den Projekten, die Sie beruflich betreuen?
Von der Grösse her ja, aber ich habe bisher noch nie eine politische Gemeinde beraten. Doch die Vorgehensweise ist mir bestens vertraut, die einzelnen Schritte, die es für diese Organisationsentwicklung braucht, inklusive Teilzielen, Miteinbezug von Beteiligten und vielem mehr. In unserem Prozess gibt es drei Meilensteine: Der Umzug der Verwaltung in das neue Gemeindehaus, die Wahlen im nächsten Frühling und am Ende des nächsten Jahres, wenn alle neuen Abläufe sitzen sollen. Für den Gemeinderat bedeutet dies, mehr Aufgaben delegieren zu können. Diese neue Art von Aufgaben, Verantwortung und Kompetenzen macht die Arbeit auf der Verwaltung interessanter und attraktiver.

Und das Amt des Gemeinderates im Gegenzug nicht weniger attraktiv?
Im Gegenteil. Wir können uns den strategischen Aufgaben widmen und verlieren uns nicht mehr in Details. Wir übernehmen die Verantwortung für das «Was» statt das «Wie». Wenn die Verwaltungsangestellten beispielsweise selber Baubewilligungen bearbeiten können, ohne dass diese zuerst über den Tisch des Gemeinderates müssen, wird der Ablauf mit kürzeren Durchlaufzeiten effizienter. Damit können wir Gemeinderäte uns vermehrt der Entwicklung der Gemeinde widmen.

Werden Sie sich im nächsten Frühling erneut als Gemeindepräsident zur Wahl stellen?
Das habe ich vor. Wenn auch mit der Prämisse, dass ich dieses Amt voraussichtlich nur für eine weitere Legislatur ausführen werde. Es war eigentlich nicht mein Ziel, einmal Gemeindepräsident zu werden. Aber ich denke, ich kann für die Gemeinde Hittnau einiges bewegen und entwickeln. Die Arbeit im Gemeinderat war bisher schon spannend und wird es auch weiterhin bleiben.

Carlo Hächler wurde in stiller Wahl zum Gemeindepräsidenten von Hittnau gewählt. Faktisch gilt er somit als gewählt. Die Rechtskraftbescheinigung seitens Bezirksrat ist noch ausstehend, wie Gemeindeschreiber Christian Schmid sagt. Sobald diese vorliegt, wird eine Konstituierungssitzung abgeholten, an der die neuen Ressortzuständigkeiten verteilt werden.

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