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Gemeinderat macht in Sachen «Maurmer Post» einen Rückzieher

Der Gemeinderat wollte die Dorfzeitung Maurmer Post in private Hände geben. Nach Kritik aller Ortsparteien und der Bevölkerung krebst das Gremium nun zurück.

Noch ist unklar, wie es mit der Modernisierung der «Maurmer Post» weitergeht.

Foto: David Marti

Gemeinderat macht in Sachen «Maurmer Post» einen Rückzieher

Was der Gemeinderat mit der «Maurmer Post» vorhatte, kommt in Maur nicht gut an. Zahlreiche Leserbriefschreiber äusserten sich in ebendieser Dorfzeitung kritisch zur geplanten öffentlichen Ausschreibung. Damit wollte der Gemeinderat das Medium an regionale Verlage oder Kommunikationsunternehmen übergeben. Heute ist die Gemeinde Herausgeberin der «Maurmer Post», die zugleich amtliches Publikationsorgan ist. Den Schritt in private Hände wollte der Gemeinderat im Zuge einer «digitalen Weiterentwicklung» der «Maurmer Post» umsetzen.

Nun macht die Behörde einen Marschhalt, wie es in einer aktuelle Medienmitteilung heisst: «Mit seiner Entscheidung reagiert der Gemeinderat auf die breite Skepsis, welche die Vorlage vorab in den Reihen der Ortsparteien aber auch in Teilen der Bevölkerung ausgelöst hat.»

Kritik aus der Bevölkerung

So hinterfragt ein Leserbriefschreiber in der «Maurmer Post» die Ausweitung auf eine «modern gestaltete Website mit Social-Media-Erweiterung», wie es der Gemeinderat vorsah. «Gibt es in unserer Gemeinde wirklich so viele wichtige Informationen, dass tagesaktuell berichtet werden muss?»

«Was sich der Gemeinderat unter der Modernisierung der ‹Maurmer Post› vorstellt, ist abstrus.»

Einwohner 

Ein anderer meint: «Was sich der Gemeinderat unter der Modernisierung der ‹Maurmer Post› vorstellt, ist abstrus.» Er lese die Zeitung jede Woche vom Editorial zu den Mitteilungen der Gemeinde durch. «Damit bin ich zufrieden.»

Diese Meinung teilt ein weiterer Leserbriefschreiber. Dieser gibt an, dass er inhaltlich und redaktionell mit der «Maurmer Post» sehr zufrieden sei. Dass aber mit der Auslagerung der Zeitung die Unabhängigkeit der Redaktion gestärkt werden soll, sei ein Trugschluss.

Unabhängig oder nicht?

Ebendiese redaktionelle Unabhängigkeit hatte der Gemeinderat im Vorfeld als «nicht optimal» bezeichnet. So könne der Eindruck entstehen, dass der Gemeinderat als Verleger auf redaktionelle Inhalte Einfluss nehmen würde. Ausserdem seien die Mitarbeitenden der Redaktion von der Gemeinde angestellt.

«Die Frage ist nicht ob, sondern wie weit wir digitalisieren.»

Rafael Wohlgemuth, Präsident SVP Maur

Nun soll die geplante Weiterentwicklung gemäss Gemeinderat nochmal überdacht und breiter abgestützt werden, wie es in der aktuellen Medienmitteilung heisst. Damit ist auch der dafür vorgesehene jährlich wiederkehrende Kredit in der Höhe von 300‘000 Franken vom Tisch, der den Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung im Juni vorgelegt worden wäre. Die finanzielle Beteiligung der Gemeinde an der «Maurmer Post» beläuft sich heute auf 275’000 Franken pro Jahr.

Die Schlüsselfrage bleibe: «Wie kann und soll die ‹Maurmer Post›  modernisiert und der heutigen Mediennutzung angepasst werden?» Der Gemeinderat will nun die Vernehmlassung neu aufgleisen und Anfang Juni über die nächsten Schritte informieren.

 

Parteien sind sich einig: Bevölkerung soll mitreden 

Dass die Bevölkerung an der nächsten Gemeindeversammlung nicht über eine Veränderung ihrer Dorfzeitung entscheiden, dafür hat auch der Druck der Ortsparteien gesorgt.  Allen voran wohl die FDP. Diese hat in ihrer Parteiversammlung im April beschlossen, an der Gemeindeversammlung einen Rückweisungsantrag zur Modernisierung der «Maurmer Post» zu stellen. Auch die anderen Parteien hielten nichts von den Plänen des Gemeinderats.

Die SP Maur schreibt in einer offiziellen Stellungnahme, dass ihren Mitgliedern der Inhalt wichtiger sei als die modische Form und sie zurzeit sowohl mit Form als auch mit Inhalt sehr zufrieden seien. Ob in der Gemeinde genug passiere, um eine digitale Plattform täglich mit multimedialen Inhalten bespielen zu können, sei fraglich. «Warum deshalb unnötig mehr Geld ausgeben?»

Thomas Hügli, Co-Präsident der GLP Maur-Egg sagt: «Niemand hat grundsätzlich etwas gegen die Weiterentwicklung der ‹Maurmer Post›.» Doch die breite Mitwirkung der Bevölkerung hätte bereits bei der Zusammensetzung der Arbeitsgruppe und damit auch bei der Festlegung der Ansprüche an eine künftige Maurmer Post berücksichtigt werden müssen.

Ähnlich sieht es Jonas Bosshard von der CVP. Der Gemeinderat habe der Öffentlichkeit die geplante Umgestaltung der Zeitung erst präsentiert, als diese schon ausgearbeitet gewesen sei. Die vorgesehene Digitalisierung unterstütze die Partei aber, sagt Bosshard. «Es ist sicherlich wert zu prüfen, ob für die Jungen eine App angeboten werden soll.»

Vonseiten der SVP sagt Präsident Rafael Wohlgemuth, dass die Partei den Marschalt des Gemeinderats begrüsse. Die Modernisierung der «Maurmer Post» ist für Wohlgemuth nötig. «Die Frage ist nicht ob, sondern wie weit wir digitalisieren.»

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