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Wenn Dachse in Ustermer Garten Z'Morge essen

Doris Jordi hatte frühmorgens Besuch von zwei Dachsen. Obwohl die Ustermerin schon einige Tiere in ihrem Garten hatte, war diese Begegnung für sie neu.

Dieses Foto eines Jungdachses schoss der Ustermer Schüler Janis Basler kürzlich im Oberustermer Wald., Jäger Christian Mutschler musste letztes Mal 2019 in Uster Jagd auf einen Dachs machen., Weil der Dachs ein scheues und nachtaktives Tier ist, ist er schwierig zu entdecken.

Foto Christian Merz

Wenn Dachse in Ustermer Garten Z'Morge essen

Doris Jordi wohnt an einem idyllischen Ort an der Wermatswilerstrasse, wo Waldrand, Wiese und Siedlung zusammenkommen. In diesem Gebiet von Uster fühlen sich auch viele Tiere wohl, auch der Dachs, wie Jordi kürzlich feststellte. Frühmorgens sei sie von lauten Schreien geweckt worden. «Ich dachte erst, da streiten zwei Katzen miteinander.» Doch in ihrem Garten tummelten sich zwei Dachse. «Sie haben sich bestimmt fünf bis zehn Minuten auf dem Rasen aufgehalten und gefressen», sagt Jordi.

Ihr Nachbar hat ein Video der beiden Tiere gedreht. Weshalb die Dachse so laut geschrien haben, darin sind sich Jordi und ihr Nachbar nicht einig. «Für mich war es ein Streit zwischen den beiden. Mein Nachbar dagegen meint, dass es Paarungslaute gewesen sind oder die Dachse ihr Revier verteidigen wollten.», so Jordi.

«Ein freundlicher Besuch von zwei Dachsen.»

Doris Jordi, Uster

Auf dem Video ist zu sehen, wie die Dachse sorglos durch ihren Garten wühlen. «Dabei waren sie gerade mal drei Meter von meiner Hausmauer entfernt», sagt Jordi. Sie hat eine Vermutung, weshalb die scheuen Tiere zu ihr in den Garten gekommen sind: «Wir haben zwei Eichelbäume und dort haben die Dachse wohl noch Eicheln vom letzten Jahr gefunden.»

Jordi war begeistert vom Besuch der scheuen Tiere. «Es war faszinierend und hat mir und meinem Nachbarn Freude bereitet: Ein freundlicher Besuch von zwei Dachsen.»

Meerschwein gerissen

Weniger freundlich waren andere Besucher. So hätten schon Rehe ihre Tulpen, Rosen und Osterglocken weggefressen. «Das gehört aber zum Kreislauf der Natur», sagt Jordi und lacht. Sie habe in den 40 Jahren, in denen sie bereits am Siedlungsrand wohne, auch schon Hermeline und Füchse im Garten gesehen. Letzterer sei vor einigen Jahren an ihrem Garten vorbeispaziert und habe ein Meerschweinchen im Maul gehabt. «Also bin ich zum Nachbarn hin und habe ihn gefragt, ob er sein weisses Meerschweinchen noch habe. Doch es war weg», sagt Jordi.

Während der Fuchs sich also gerne mal ein ungeschütztes Meerschweinchen holt, ist der Dachs für seine Vorliebe für Mais bekannt. Deswegen bekommt die Jagdgesellschaft Oberuster, die auch für das Gebiet zuständig ist, wo Doris Jordi wohnt, hin und wieder ein Anrufe von Landwirten.

Erst Strom, dann Gewehr

Denn die Jagdaufseher kümmern sich um Wildunfälle und Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen beispielsweise eines Maisfeldes. Christian Mutschler, Pressesprecher der Jagdgesellschaft sagt, dass sich deswegen nur etwa ein bis zwei Landwirte pro Jahr bei ihnen melden würden. In einem solchen Fall sollte der Bauer zuerst selber dafür sorgen, dass der Dachs vom Maisfeld fernbleibe. Indem er beispielsweise einen niedrigen Stromzaun errichte. Nütze dieser nicht, weil sich der Dachs unter ihm durchgrabe, könne ein «Abschuss vorgenommen» werden. «Der Dachs wird aber kaum bejagt in Uster», sagt Mutschler. In der Regel würden Landwirte einen gewissen Verlust akzeptieren. « Wir haben Schwein, dass wir mit unseren Bauern eine gute Zusammenarbeit pflegen.»

«Es gibt grössere Dachsbauten in unserem Gebiet die regelmässig bewohnt sind

Christian Mutschler, Sprecher Jagdgesellschaft Oberuster

Er selber sei das letzte Mal vor zwei Jahren auf Dachsjagd aufgeboten worden. «Doch die Jagd blieb erfolglos, weil sich die Tiere versteckt hielten oder zu anderen Zeiten im Mais waren », sagt Mutschler. Dachsspuren seien auch für Laien ziemlich gut ersichtlich. «Weil sich das Tier mit seinen kurzen Beinen so flach über den Boden bewegt, hinterlassen sie Autobahnen in der Wiese.»

Unfälle deuten auf grossen Bestand

Trotz offensichtlicher Spuren ist der Bestand des Dachses in Uster nur schwer auszumachen. Gemäss Mutschler lasse er sich nicht exakt beziffern. «Das Tier ist scheu und nachtaktiv . Es gibt aber grössere Dachsbauten in unserem Gebiet die regelmässig bewohnt sind .» Bei Wildtierzählungen käme man jeweils aber nur auf fünf bis sechs Tiere. Dennoch gehe er von einem «grossen und gesunden Bestand» aus. Zu dieser Annahme führt leider auch die Anzahl Wildunfälle: «Je mehr Dachse überfahren werden, desto höher der Bestand. In Uster sind das etwa zehn bis 15 dieser Tiere im Jahr», sagt Mutschler.

«Der Dachs ist ein heimliches Tier, man sieht ihn kaum.»

Philipp Jucker, Leistungsgruppenleiter Natur, Land- und Forstwirtschaft  der Stadt Uster

Laut Philipp Jucker, Leistungsgruppenleiter Natur, Land- und Forstwirtschaft  der Stadt Uster, melden jährlich etwa zwei bis drei Personen, dass sie Dachse in Siedlungsnähe entdeckt hätten. «Meistens im Frühling während der Paarungszeit, dann sind die Tiere besonders aktiv.» Manche Leute hätten aber keine Freude, wenn der Dachs ihren Garten umgrabe.

Schüler knipst Jungdachse

Für die Stadt Uster sei die Erfassung der Tierbestände für die Förderung der Artenvielfalt wichtig, doch diese Zählung sei schwierig. «Der Dachs ist ein heimliches Tier, man sieht ihn kaum.»

Zumindest im Oberustermer Wald vernachlässigen ein paar Jungtiere diese Heimlichkeit. Dort hat Janis Basler kürzlich ein Foto von einem jungen Dachs geschossen. «Wir haben erfahren, dass sich dort ein Dachsbau befindet», sagt der Ustermer Schüler. Also habe er sich mit einem Kollegen nur gerade fünf bis sieben Meter entfernt auf die Lauer gelegt. «Nach etwa 15 Minuten sind drei bis vier Junge herausgekrochen.» Was die jungen Dachse vor dem Bau getrieben hätten, habe er nicht erkennen können, sagt Basler. «Sie waren aber einfach zu herzig.»

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