Abo

Politik

Das Pflegezentrum Bauma eröffnet seinen Anbau

Der Erweiterungsbau des Pflegezentrums Bauma steht kurz vor der Eröffnung. Auch wenn das Interesse gross ist, wird es dauern, bis alle neuen Zimmer belegt sind.

Geschäftsführer Alfred Weidmann in einem Zimmer im Anbau des Pflegezentrums., Der Bau wird voraussichtlich bis im September fertiggestellt.

Foto: PD

Das Pflegezentrum Bauma eröffnet seinen Anbau

Neben dem Pflegezentrum Bauma ragt ein siebenstöckiger Turm in die Höhe. Das Pflegezentrum wird ausgebaut, und schon bald sollen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner ihr neues Zuhause im Tösstal beziehen können.

«Im Anbau können wir insgesamt 41 zusätzliche Betten anbieten», erklärt Geschäftsführer Alfred Weidmann. Das Interesse sei gross. «Wir könnten jedes Zimmer dreifach belegen.»

Keine Konkurrenz

Wer nach Bauma ins Pflegezentrum kommt, der hat oft schon eine längere Laufbahn mit diversen Aufenthalten in verschiedenen Institutionen hinter sich. «Wir sind ein Heim für Menschen mit chronfizierten psychiatrischen Erkrankungen, die einhergehen mit somatischen, das heisst körperlichen, Einschränkungen», erklärt er. 

«Dass jemand austritt und dann ein selbstständiges Leben führen kann, ist der absolute Ausnahmefall.»

Alfred Weidmann, Geschäftsführer Pflegezentrum Bauma

Dazu gehören beispielsweise Erkrankungen wie Schizophrenien, Suchterkrankungen, Depressionen oder erworbene kognitive Einschränkungen. Somit sei das Pflegezentrum mit den beiden anderen Alters- und Pflegeheimen in Bauma nicht vergleichbar. «Wir sind keine Konkurrenz.»

Ein stabiles Umfeld

Das Ziel eines Aufenthalts im Pflegezentrum ist nicht, dass die Bewohnenden möglichst schnell wieder entlassen werden. «Dass jemand austritt und dann ein selbstständiges Leben führen kann, ist der absolute Ausnahmefall», so der Geschäftsführer.

Viel mehr biete man ein möglichst stabiles Umfeld. «Das Ziel ist es, dass die Bewohnenden hier ein Zuhause finden und sich ihre Situation stabilisieren kann.»

So bietet das Pflegezentrum Tagesstrukturen und Aktivierung. Hierfür sind insgesamt zehn Mitarbeitende zuständig. «Das können niederschwellige Sachen sein wie Spaziergänge oder ein Besuch auf dem Bauernhof», erklärt Weidmann. «Doch selbst das ist für viele nicht mehr möglich.» Ebenso gebe es eine Werkstätte, in der die Teilnehmer ein kleines Taschengeld verdienen können.

Mehr als das Minimum

Bisher konnten im Pflegezentrum Bauma 121 Personen wohnen, neu 162. «So viele Betten sind von der Gesundheitsdirektion bewilligt.» Doch besetzt waren bis ins Jahr 2020 nur 110 Plätze. «Es geht uns nicht darum, dass wir möglichst viele Bewohnende hier haben, sondern dass wir ihren Bedürfnissen entsprechen können.»

Der Betrieb sei überaus personalintensiv. «Wir sind immer weit über dem Mindeststellenplan des Kantons», betont Weidmann. Das bedeutet, es arbeiten mehr Mitarbeitende in der Pflege, als dies gesetzlich vorgeschrieben ist.

Überdurchschnittliche Leistung

Für ihn sei das ein Zeichen, dass das Arbeitsumfeld in Bauma stimmt. «Wir brauchen spezialisiertes Personal, das mit unseren Bewohnenden umgehen kann», so Weidmann. «Für diese überdurchschnittliche Leistung müssen wir ihnen auch gute Arbeitsbedingungen bieten.»

Das war nicht immer so. Noch vor zehn Jahren stand das Pflegezentrum als Arbeitgeber in der Kritik. Der «Beobachter» berichtete unter anderem über Lohndumping. Weidmann wurde in der Folge der neue Leiter des Zentrums. «Mit einem Bewohneraufnahmestopp und zehn zusätzlichen Vollzeitstellen kehrte Ruhe ein.»

«Wenn der Neubau voll belegt ist, haben wir 200 Angestellte.»

Alfred Weidmann

Auch das personelle Umfeld stimme nun wieder. «Obwohl wir seit mehreren Jahren jedes Jahr zehn zusätzliche Mitarbeitende einstellen, steigt das durchschnittliche Dienstalter.» Das spreche für eine gute Firmenkultur. «Und als Lehrbetrieb mit insgesamt 20 Lehrstellen, davon zwei Drittel in der Pflege, sind wir ebenfalls ein gefragter Arbeitgeber.»

Aktuell arbeiten 173 Angestellte im Pflegezentrum. «Wenn der Neubau voll belegt ist, haben wir 200 Angestellte», so der Geschäftsführer. Er ist aufgrund der gegebenen Umstände zuversichtlich, dass das nötige Personal eingestellt werden kann. «Wir machen das aber schrittweise mit steigender Belegung bis 2024.»

Keine Gewinnmaximierung

Als privates Pflegezentrum muss das Heim die Kosten des Ausbaus selber tragen. «Wir müssen diese aus allfälligen Gewinnen erwirtschaften, doch eine Gewinnmaximierung gibt es bei uns nicht», betont Weidmann.

Gleichzeitig verneint er nicht, dass die Finanzen im Lot sein müssen. «Denn der Anbau ist unter anderem mit einem Bankkredit finanziert worden. Den müssen wir wieder zurückzahlen.»

«Scherben würden ein zu grosses Verletzungsrisiko darstellen.»

Alfred Weidmann

Die Aufenthalte im Pflegezentrum werden unterschiedlich finanziert. «Ein Teil kommt immer von der Krankenkasse, doch beim Rest ist es manchmal die IV, andere Sozialversicherungen, Gemeinden oder auch die Justiz.»

Kameras und bruchsicheres Glas

Unnötig sparen wollte man beim Neubau nicht. «So haben wir beispielsweise Überwachungskameras in den Gängen und ein Zutrittssystem, das für alle Bewohnenden individuell eingerichtet werden kann.»

Noch sind die neuen Zimmer mit eigenen Nasszellen spartanisch eingerichtet. Ein Bett, ein Schrank, zwei Stühle, ein Tischlein. «Wir müssen bei allen Einrichtungsgegenständen die Sicherheit gewährleisten können», erklärt der Geschäftsleiter. So ist die Bettwäsche nicht brennbar und Spiegel und Glas sind bruchsicher. «Scherben würden ein zu grosses Verletzungsrisiko darstellen.»

Schon bald wird etwas mehr Leben in die leeren Räume einkehren. Ab diesem Monat können die ersten beiden Stockwerke mit insgesamt 14 Betten belegt werden. «Die restlichen Stationen werden wir voraussichtlich im September öffnen können.» (Bettina Schnider)
 

80 Prozent Impfquote

Die Impfungen gegen Covid-19 im Pflegezentrum Bauma sind gemäss Alfred Weidmann vorerst abgeschlossen: «Gegen 80 Prozent der Bewohnenden sowie über 80 Prozent des Personals haben sich impfen lassen.» Trotzdem gelten weiterhin Einschränkungen, auch was die Besuche anbelangt.

«Viele Bewohnende gehen aber sehr gut mit der Situation um», betont er. «Das mag damit zu tun haben, dass sich für einige auch mit dem Virus nicht viel in ihrem Leben geändert hat.» (bes)

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.