Die Ju-Air zeigt sich am Boden
Ein Flügel ist ihr gestutzt worden, aus Platzgründen: Die Ju-52 mit der Immatrikulation HB-HOP ist das Hauptobjekt der neuen Sonderausstellung « Ju-Air 1982–2018 » und « Rettungsaktion am Gauligletscher 1946 » im Dübendorfer Flieger Flab Museum.
Dass die « Tante Ju » nur mit einem Flügel flugunfähig am Boden steht, hat auch symbolischen Charakter. Abgesehen von einigen Flügen nach dem tragischen Absturz der HB-HOT am 4. August 2018, bei dem 20 Menschen ums Leben kamen, stehen die drei noch verbliebenen Ju-52 am Boden. Sie dürfen aufgrund behördlicher Auflagen nicht mehr abheben und müssen zuerst generalüberholt werden.
Nur eine Maschine wird flugfähig gemacht
Konkret geschieht genau das mit der HB-HOS. Im letzten Juli wurde sie zerlegt und per Helikopter nach Althenrhein überfolgen, wo sie jetzt bei den Junkers Flugzeugwerke komplett instand gestellt und wieder flugfähig gemacht wird. Statt der alten BMW-Sternmotoren, für die es keine Ersatzteile mehr gibt, erhält sie « Wasp » -Sternmotoren von Pratt & Whitney.
Fliegt sie je wieder ab Dübendorf?
15.07.2020

Letzte «Tante Ju»
Verliert Dübendorf die Ju-52? Beitrag in Merkliste speichern Die Arbeiten sind aber so aufwändig, dass die Maschine nicht 2022, wie eigentlich angedacht, sondern erst ein Jahr später wieder in die Luft gehen dürfte. « Stand heute wird 2023 mit der Wiederaufnahme des Flugbetriebs mit einer Maschine gerechnet und zwar von Dübendorf aus » , hält Christian Gartmann, Kommunikationsbeauftragter der Ju-Air, fest.
Die HB-HOS, die den Junkers Flugzeugwerken gehört, wird dann durch die Ju-Air betrieben. « Und wenn sie einmal nicht mehr fliegt, wird sie im Fliegermuseum Dübendorf ausgestellt. »
Flügel leicht abnehmbar
Ob auch die beiden anderen noch verbliebenen alten «T anten » wieder flott gemacht werden, wird erst nach Beendigung der Generalüberholung der HB-HOS entschieden. Die eine mit der Immatrikulation HB-HOY, die in Spanien als Casa in Lizenz hergestellt wurde, befindet sich seit Ende 2016 in Mönchengladbach in einem Museum in Ruhestand.
Sie gehört dem deutschen Verein der Freunde historischer Luftfahrzeuge. Die andere ist die eingangs erwähnte HB-HOP. Sie ist Eigentum der Eidgenossenschaft und wurde dem Verein der Freunde der Luftwaffe VFL, zu dem die Ju-Air gehört, ausgeliehen.
Der rechte Flügel dieser Transportmaschine steht an der Hallenwand. « Die Flügelmontage bei einer Ju-52 ist vergleichsweise einfach » , erklärt Gartmann. « Die von der Luftwaffe einst als Transportmaschinen eingesetzten Ju-52 wurden so konzipiert, dass für den Bahntransport die Flügel schnell abgenommen und wieder montiert werden können. »
Ein virtueller Alpenflug
Doch auch wenn die in Dübendorf ausgestellte Ju-52 aktuell nicht fliegen kann, ist doch so etwas wie ein Flugerlebnis in ihr möglich: « Besucherinnen und Besucher können das Flugzeug, also die Kabine und das Cockpit, betreten und mit Virtual-Reality-Brillen einen Alpenflug machen » , sagt Gartmann.
Damit findet eine Idee des früheren Ju-Air-CEO Kurt Waldmeier eine Wiederaufnahme. 2006 hatte er die Idee eines Ju-52-Simulators. Damals ging er davon aus, dass die Maschinen 2012 zum letzten Mal fliegen würden, da sie danach nicht mehr die nötigen Bewilligungen erhielten respektive der Flugbetrieb zu teuer würde.
Die jetzige Lösung mit den VR-Brillen ist allerdings deutlich weniger aufwendig als die Version, die damals noch Waldmeier vorschwebte: Die Passagiere hätten in einer Maschine Platz nehmen sollen, die auf den drei Punkten Haupt- und Bugfahrwerk gelagert gewesen wäre. Vom Computer gesteuerte Zylinder hätten dann dafür sorgen sollen, dass Steigflug und Kurven realitätsnah simuliert würden.
Damals propagierte Waldmeier für die Ju-Air « 30 Jahre sind genug » . Wie die jetzige Ausstellung im Flieger Flab Museum zeigt, ging es aber weiter, mindestens bis zum verhängnisvollen Unglück vor drei Jahren. Und mit den laufenden Arbeiten soll gewährleistet werden, dass es auch eine weitere Zukunft für einen Flugbetrieb gibt.
Aus Miliär- werden Zivilmaschinen
Der Anfang der Ju-Air geht auf das Ende des militärischen Einsatzes der Ju-52 in der Schweiz zurück. 1981 entschloss sich die Fliegertruppe, ihre drei aus dem Jahr 1939 stammenden Ju-52 aus Kostengründen auszumustern.
Eine Interessengruppe machte sich dafür stark, dass wenigstens eine der drei Maschinen für maximal fünf Jahre für zivile Nostalgieflüge zur Verfügung stehen sollte. Doch der Verein der Freunde des Museums der schweizerischen Fliegertruppen ging noch weiter und beschloss die Übernahme der Trägerschaft für den Ju-52-Flugbetrieb. 1982 wurden dann 600‘000 Franken gesammelt und die Ju-Air gegründet.
Im Jahr darauf wurde der reguläre Rundflugbetrieb ab Dübendorf mit den beiden Ju-52 HB-HOS und HB-HOP aufgenommen und 5500 Passagiere befördert. Wegen der grossen Nachfrage wurde 1985 die dritte Ju-52, die vor drei Jahren abgestürzte HB-HOT, in Betrieb genommen. Und 1997 folgte schliesslich noch die vierte „Tante“ HB-HOY, der „Düsseldorf Express“.
In jenem Jahr fand auch ein historisches Treffen der letzten fünf noch fliegenden Ju-52 – die vier der Ju-Air und eine der Lufthansa – auf dem Flugplatz Mönchengladbach statt. In den 1930er und 1940er Jahren waren rund 4800 Maschinen dieses Typs produziert worden. Die Ju-Air beförderte bis zu 14‘000 Passagiere pro Jahr.
Die Sonderausstellung «Ju-Air 1982 – 2018» und «Rettungsaktion am Gauligletscher 1946» im Flieger Flab Museum in Dübendorf ist zu den ordentlichen Öffnungszeiten zu besichtigen, also dienstags bis freitags sowie sonntags von 13.30 bis 17 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr. Am Samstag, 1. Mai, ist das Museum ausserordentlich nur von 13 bis 17 Uhr geöffnet.
