Politik

CBD: Gut geölt dem Stress entgleiten

Manuel Rüegg betreibt seit 2018 einen CBD-Shop in Wetzikon. Der Inhaber von The Harvest Company sieht grosses Potenzial in CBD-haltigen Hanfprodukten und erlebt eine zunehmende Akzeptanz in der Gesellschaft.

CBD-Hanföle in verschiedenen Stärkegraden und mit unterschiedlichen Aromen sind derzeit der Renner.

Foto: Lennart Langer

CBD: Gut geölt dem Stress entgleiten

Es war ein regelrechter Hype. Vor fünf Jahren wurde die Herstellung von Hanfprodukten mit einem THC-Gehalt von maximal einem Prozent erlaubt. In der Folge schossen landesweit neue CBD-Shops aus dem Boden. Auch der Wetziker Manuel Rüegg eröffnete Ende 2017 einen eigenen Shop.

Öle, Cremes, Liquids und natürlich auch Blüten, die man rauchen kann – in «The Harvest Company» an der Zürcherstrasse in Wetzikon gibt es ein breites Angebot an CBD-haltigen Produkten. Das Ladenlokal ist grosszügig und hell eingerichtet. Die moderne Aufmachung gehört zum Konzept. «Viele Leute haben noch Angst, den Schritt in einen Hanf-Shop zu wagen», erklärt Rüegg. Deshalb soll der Auftritt seriös und aufgeräumt sein. Die typischen Bongs und weitere Utensilien, um die Blüten zu rauchen, sind nur auf einem etwas versteckten Wandregal zu sehen.

Schonend gewonnenes Bio-Hanföl

Statt grosse Behälter mit Blüten findet man vor allem CBD-Öle und -Tinkturen mit verschiedenen Aromen. Manuel Rüegg lässt seine Produkte auf biologischer Basis herstellen und arbeitet dafür mit einem zertifizierten Schweizer Partner zusammen. Die Gewinnung des CBD-Öls geschieht mittels eines schonenden CO2-Extraktionsverfahrens, das jenem bei der Herstellung von kaltgepresstem Olivenöl ähnelt. Es sei die schonendste Methode, erklärt er. Die Endprodukte sind geprüft und zertifiziert.

Rüegg betont mehrfach, dass auch mit CBD-haltigen Produkten ein verantwortungsbewusster Umgang entscheidend sei. «Mir ist wichtig, dass man weiss, wie man mit dem Produkt umgehen muss.». Die Leute müssten erstmal Erfahrungen sammeln können. «Beim Erstkontakt mit CBD-Produkten ist eine gute Beratung sehr wichtig. Man muss sich langsam herantasten und herausfinden, was man verträgt», sagt Rüegg. Er bietet deshalb CBD-Öle in verschiedenen Stärkegraden an. So kann die Dosierung einfach variiert werden.

Gefahr oder enormes Potenzial?

Manuel Rüegg ist von der positiven Wirkung von CBD überzeugt und bedauert den Missbrauch als Droge, der dem Image von Hanf geschadet habe. Gerade bei älteren Menschen sei Cannabis häufig noch ein Tabuthema. «Früher hiess es, dass Hanf gefährlich und illegal ist. Das ist fest in den Köpfen verankert.» Er streicht deshalb lieber das «enorme Potenzial» heraus, das er in Cannabis sieht. Gleichzeitig dürfe man sich auch keine übertriebenen Hoffnungen machen, denn jeder Körper reagiere individuell auf den Wirkstoff.

«Mir ist wichtig, dass man weiss, wie man mit dem Produkt umgehen muss.»

Manuel Rüegg, Inhaber «The Harvest Company»

Er selbst machte seine ersten Begegnungen mit Hanf in Amsterdam. Mit Cannabis, das den erlaubten THC-Höchstwert in der Schweiz definitiv überschritt. Die Begeisterung für die Pflanze und ihre Möglichkeiten blieb bestehen. Rüegg las sich ins Thema ein. Die Hanfpflanze liess ihn nicht mehr los. Wer will kann einige Artikel auch gleich in seinem Laden nachlesen.

Hanföle wirken weniger abschreckend

Die Forschung zu CBD steckt allerdings nach wie vor in den Anfängen, wie auch einer Übersichtsstudie des Bundesamts von Gesundheit (BAG) von 2019 zu entnehmen ist. Endgültige Aussagen über die Wirksamkeit können deshalb noch nicht getroffen werden. Viele seiner Kunden würden aber von guten Erfahrungen berichten, sagt Rüegg. Auch er selbst setzt seine CBD-Öle bei bestimmten Beschwerden ein.

Am meisten gefragt sind bei «The Harvest Company» inzwischen die Öle und Tinkturen. «Sie sind momentan der Renner», sagt Rüegg. Die Öle würden weniger abschreckend wirken als die Blüten und seien in der Gesellschaft besser akzeptiert, vermutet Manuel Rüegg. «Zudem ist das Rauchen nur ein kleiner Teil des Spektrums», sagt er. Auch Zahlen des BAG aus der Übersichtsstudie bestätigen, dass das Angebot an Ölen immer grösser wird. Dennoch sind Hanfblüten immer noch am häufigsten in den Schweizer Onlineshops zu finden.

Zuletzt spürte auch Manuel Rüegg, dass der grosse CBD-Hype zu einer gewissen Marktsättigung führte. Hinzu kam die Corona-Pandemie, die vielen Geschäften zu schaffen macht. Er wird deshalb mit seinem Laden bald in eine kleinere Lokalität im selben Gebäude ziehen und gewisse Angebote wie Massagen nicht mehr offerieren. Die zunehmende Akzeptanz von CBD-haltigen Produkten stimmen ihn aber weiterhin zuversichtlich für den Erfolg der Produkte, denn er ist überzeugt: «CBD ist weiterhin gefragt.»

Faktencheck zu CBD

Was ist CBD?
CBD ist einer von zahlreichen Wirkstoffen, die in der Hanfpflanze vorkommt. Die Abkürzung steht für Cannabidiol. Im Gegensatz zum bekannteren Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) untersteht es nicht dem Betäubungsmittelgesetz, da es keine berauschende Wirkung aufweist. Verschiedene Studien lassen vermuten, das CBD beruhigend und entzündungshemmend auf den Körper wirken soll.

Was ist in der Schweiz erlaubt?
Der Konsum und der Verkauf von CBD-haltigen Produkten ist in der Schweiz seit 2011 legal. Ende 2016 wurde auch die Herstellung von Produkten mit einem geringen THC-Gehalt von unter einem Prozent erlaubt. Bei Cannabinoiden, zu denen auch CBD gehört, handelt es sich allerdings um neuartige Lebensmittel. Sie können deshalb gemäss Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) nicht nach Belieben Lebensmitteln beigegeben werden.

Welche Wirkung hat CBD?
In der Schweiz verbietet es das Gesetz, medizinische Heilversprechen für CBD-Hanf abzugeben. Dem Wirkstoff werden aber schmerzlindernde, entzündungshemmende und entspannende Effekte nachgesagt. Die tatsächliche Wirkung wird von der Wissenschaft derzeit noch untersucht. Studien lassen jedoch vermuten, dass der Konsum von CBD gegen verschiedene psychische und somatische Beschwerden sowie gegen chronische Krankheiten helfen kann. Dazu zählen etwa Epilepsie oder Multiple Sklerose sowie Angstzustände und chronische Schmerzen.

Wer konsumiert CBD?
Gemäss einer Übersichtsstudie des Bundesamts für Gesundheit (BAG) von 2019 sind rund zwei Drittel der Konsumenten männlich. Die Beweggründe sind unterschiedlich. Während jüngere Menschen mit CBD ihren THC-Konsum senken möchten, gaben ältere Menschen öfter gesundheitliche Gründe an.

Wie sieht die Zukunft von Cannabis in der Schweiz aus?
Ende März hat der Bundesrat eine Verordnung verabschiedet, die eine kontrollierte Abgabe von nicht-medizinischem Cannabis im Rahmen von Pilotversuchen erlaubt. Abgegeben werden soll Cannabis mit einem THC-Gehalt bis zu einem Höchstwert von 20 Prozent. Die IG Hanf, die sich für die Interessen der Hanfproduzenten in der Schweiz einsetzt, begrüsst diesen Entscheid in auf ihrer Website. Gemäss dem Bund sollen mit den Pilotversuchen «Kenntnisse zu den Vor- und Nachteilen eines kontrollierten Zugangs zu Cannabis erweitert» werden. Dabei gehe es vor allem um die wissenschaftliche Prüfung und Dokumentation der «Konsequenzen für die Gesundheit und die Konsumgewohnheiten der Nutzerinnen und Nutzer».

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