In Pfäffikon wird neu auch virtuell gekickt
Es mussten viele Jahre verstreichen, ehe sich Giuseppe Mazzarelli und Enzo Canelli im Sommer 2019 völlig unerwartet wieder trafen: Bei einem Match der U18 des FC Zürichliefen sich der Ex-Nationalspieler und der Musiker plötzlich über den Weg. «Wir kennen uns schon lange, wegen unserer Karrieren haben sich die Wege dann aber zwangsläufig getrennt», sagt Mazzarelli.
Der 48-jährige Dübendorfer, der in Uster aufwuchs und unter anderem in Zürich, Manchester und Bari spielte, hatte damals erst gerade sein Unternehmen «SuisseParking» am Flughafen Zürich verkauft und wollte sich beruflich neu orientieren. In Pfäffikon wurden zu dieser Zeit die Räumlichkeiten des ehemaligen Indoor-Bike-Parks frei. So erzählte Mazzarelli seinem langjährigen Freund Canelli kurzerhand von seinem Plan, die Halle zu übernehmen und bot ihm an, als Partner einzusteigen. Dieser spielte schon länger mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen und sei sofort «Feuer und Flamme» gewesen.
Alles oder nichts
Fortan arbeiteten die beiden akribisch darauf hin, einen Betrieb aufzubauen, der sportliche Aktivitäten und Veranstaltungen kombiniert: Die Soccer5 & Events GmbH. «Ich habe als Berufsmusiker viele Erfahrungen in der Show- und Eventbranche sammeln können, Giusi war Teil des grossen Fussballzirkus. Jetzt können wir unser ganzes Know-How zusammenbringen», sagt Canelli, der in Bergdietikon lebt.
«Wir sind offenbar die Ersten in Europa, die ein solches Geschäftsmodell anbieten.»
Giuseppe Mazzarelli, CEO Soccer5 & Events GmbH
Und dennoch sei es ein gewagter Schritt gewesen, fügt Mazzarelli an: «Wir sind für die Gründung dieser Firma volles Risiko eingegangen und haben den Grossteil des Startkapitals selbst aufgebracht.» Die ungewollte Verzögerung des Eingabeverfahrens und die Pandemie führten dazu, dass die offizielle Einweihung der Halle vorerst nicht stattfinden konnte.
Europas Pioniere
Dies soll nun bald nachgeholt werden. «Im September oder Oktober wollen wir das Tagesgeschäft öffnen, also den Sport- und den Gastrobereich», sagt Mazzarelli, der unterdessen ein Architekturstudium abgeschlossen hat, und zeigt mit seinem ausgestreckten Arm in die Halle hinein. Diese vereint drei ausgerollte Kunstrasenfelder, eine Bar, eine Lounge, diverse Spielautomaten und ein DJ-Pult. «Wir sind offenbar die Ersten in Europa, die ein solches Geschäftsmodell anbieten.»
Die wohl wertvollste Errungenschaft der beiden Freunde ist ein weisses Objekt, das einem futuristischen Kolosseum ähnelt – «der Soccerbot, eine brandneue Technologie, die wir bei RB Leipzig entdeckt haben», so der Ex-Profi. In diesem automatisierten 360-Grad-Setting können die Fussballer ihre kognitiven Fähigkeiten optimieren.
So funktioniert der Soccerbot. (Video: Léonie Eggli, Schnitt: Paulo Pereira)
Künftig können demnach einerseits die Fussballplätze und der Soccerbot für gezielte Trainings oder zum Spass gemietet werden. «Andererseits können wir die Plätze auch einrollen oder die Infrastruktur variabel einrichten, um andere Sportarten zu betreiben – vom Volleyball bis hin zum Yoga oder Krafttraining», sagt der ehemalige Verteidiger. Einzelne Gruppen hätten das Angebot bereits getestet. «Bisher haben wir von allen Seiten nur positives Feedback erhalten.»
«Es hiess häufig, ich sei ein schwieriger Charakter. Dabei bin ich einfach ein hochsensitiver Mensch.»
Giuseppe Mazzarelli
Des Weiteren liessen sich in den Räumlichkeiten auch Teambildungsseminare, Geburtstage oder Partys veranstalten. «Es bestehen unzählige Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit mit anderen Firmen, anliegenden Gemeinden oder Vereinen», so der Familienvater. So seien sie aktuell auch mit dem Paraplegiker Zentrum Nottwil im Austausch über eine mögliche Kooperation. «In den nächsten zehn Jahren möchten wir schweizweit ausserdem weitere fünf Standorte eröffnen», sagt Canelli.
Die Kehrseite der Medaille
Dass Mazzarelli sich dereinst wieder voller Energie neuen Projekten widmet, war bis vor nicht allzu langer Zeit schwer vorstellbar. Mittlerweile spricht der Ex-Profi offen über die Depressionen, unter denen er bereits vor seinem Karriereende litt, die aber nicht von allen ernst genommen wurden. «Bei einer körperlichen Verletzung verarztet man einfach die betroffene Stelle. Die psychische Gesundheit hingegen wird oftmals völlig ignoriert.»
Diese Erfahrungen haben ihn geprägt: «Es hiess häufig, ich sei ein schwieriger Charakter. Dabei bin ich einfach ein hochsensitiver Mensch.» Dies sei denn auch eine zentrale Erkenntnis, die er aus seiner Vergangenheit gewonnen hat: «Der Mensch mit seinen Bedürfnissen sollte immer im Vordergrund stehen.»
Diesen Grundsatz will der Dübendorf nun gemeinsam mit Canelli in der Pfäffiker Idylle vorleben. «Unser Angebot soll alle ansprechen: Gross und Klein, Jung und Alt, unabhängig vom Gesundheitsstatus und sozialer Schicht.» Es sei ihnen ein Anliegen, «den Leuten etwas zurückzugeben», sagt Mazzarelli. «Wir wollen hier keine gefrusteten Gesichter aus der Halle rauslaufen sehen», fügt Canelli an und lacht herzhaft.