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«Die Patientenzahl geht zurück und wir müssen den Stellenplan neu justieren»

Die Rechnung des GZO-Spitals in Wetzikon schliesst mit einem Minus von 4,4 Millionen Franken ab. Warum CEO Matthias Spielmann dennoch von einem «sehr erfreulichen Ergebnis» spricht und was ihn nach der Absage der Fusion mit dem Spital Uster vor allem beschäftigt, erklärt er im Interview.

Corona, Neubau, Anleihen und Spitalplanung sind für Matthias Spielmann, CEO Spital Wetzikon, momentan die wichtigsten Themen. , So soll das Spital Wetzikon nach der Erweiterung und Sanierung aussehen.

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«Die Patientenzahl geht zurück und wir müssen den Stellenplan neu justieren»

Es ist der Eindruck entstanden, dass die Ustermer die Fusion eigentlich noch gewollt hätten, aber den Wetziker Spitalverantwortlichen die Sache zu heikel wurde angesichts des angeschlagenen Ustermer Partners. Hätte eine Fusion, die erst jetzt im 2021 umgesetzt worden wäre, die Aussichten des GZO-Spitals nachhaltig getrübt?
Matthias Spielmann: Zunächst möchte ich festhalten, dass wir eine Volksabstimmung wohl gewonnen hätten. Aber alle Beteiligten sagten bereits zu Beginn, dass der ganze Fusionsprozess nicht zu lange dauern darf und dementsprechend setzten wir uns auch intensiv dafür ein. Schlussendlich geschah aber dann genau das, was wir nicht wollten: Die Zeichen der Zeit haben uns auf diesem Weg überholt. Deshalb mussten wir nochmals gemeinsam über die Parameter sprechen, die sich mittlerweile wesentlich verändert hatten. Im Ergebnis hätte der ganze politische Prozess erneut durchlaufen werden müssen.

Die Fusionsabsicht wurde fallen gelassen mit der Begründung, dass das Vorhaben « stark risikobehaftet » sei. Wären sie nun in grösseren Problemen, wenn die Fusion wie eigentlich geplant im Mai 2020 vom Volk angenommen worden wäre?
Wir hätten wohl andere Herausforderungen. Ob sie grösser gewesen wären, ist schwierig zu sagen.

Welche Herausforderungen denn?
Uster müsste zuerst den eigenen Betrieb wieder in gute finanzielle Bahnen lenken  – und zwar bevor ein neues Unternehmen starten kann. Es macht keinen Sinn, grosse Altlasten in einen Fusionsprozess mitzunehmen. Diese Altlasten wurden leider erst in den letzten neun Monaten sichtbar. Die Fusion wäre ansonsten der richtige Weg gewesen.

Muss das GZO-Spital wegen der Fusionsabsage sparen?
Nein, jedoch müssen wir weiterhin umsichtig haushalten. 

Gibt es jetzt Anfragen von Gemeinden, die zur GZO als Aktionäre stossen möchten?
Nein. Mit der neuen Spitalfinanzierung ist es schwierig, eine Gemeinde als Aktionärin eines Spitals zu begeistern, es gibt auch keine Verpflichtung in diese Richtung, ein Engagement wäre rein freiwillig. Zudem sind die Gemeinden mit zahlreichen Aufgaben, sich für Heime und die Spitex einzusetzen, sehr gefordert. Ich freue mich jedoch, dass unsere Aktionärsgemeinden weiterhin hinter uns stehen, ob mit oder ohne Fusion.

« Wir hatten ein schwieriges Jahr in einem schwierigen Umfeld, zufriedenstellend prästiert mit einem dementsprechenden Verlust. »

Welche Auswirkungen hat Corona auf die Jahresrechnung 2020?
Es gibt zwei frappante Komponenten: Es fehlen Erträge und es gibt höhere Aufwandpositionen bei Material, Logistik sowie Personal. Den Umsatz konnten wir erfreulicherweise gegenüber 2019 beinahe halten. Der Betriebsertrag lag bei 148 Millionen. Aufgrund der Corona-Pandemie benötigten wir jedoch mehr Personal sowie zusätzliche Materialien. Der Materialaufwand stieg um drei Millionen Franken und der Gesamtaufwand nahm somit von 132,5 auf 136,2 Millionen Franken zu. Unter den gegebenen Umständen ist eine Ebitda-Marge von 8,3 Prozent jedoch ein sehr erfreuliches Ergebnis. In der Summe bleibt es aber ein negatives Jahresergebnis, das vor allem auch durch Zinsen und Abschreibungen beeinflusst wird. ­Wir hatten ein schwieriges Jahr in einem schwierigen Umfeld, zufriedenstellend prästiert mit einem dementsprechenden Verlust. Die Zürcher Spitäler verloren gesamthaft rund 100 Millionen.

Und mit welchem Ergebnis rechnen Sie für das laufende Jahr?
Covid-19 beschäftigt die Spitäler weiterhin. Wir haben zum Beispiel weniger Grippeinfektionsfälle, was sich in den allgemein medizinischen Bereichen bemerkbar macht. Wenn wir Covid-19 im Griff behalten, dürften sich dieses Jahr die Gesundheitskosten sogar rückläufig entwickeln. Einige Themen, die sich aus der Pandemie ergeben haben, werden uns wohl längerfristig begleiten. Abteilungen wie die Chirurgie funktionieren wie bisher. Dem Notfall fliessen jedoch weniger Patienten zu. Es passiert schlicht weniger. Mangels Möglichkeiten verzichten viele Menschen auf Aktivitäten wie Fussball oder auch Skifahren. Aufgrund der eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten und Mobilität der Menschen verzeichnet das Spital auch weniger Verletzungen und Erkrankungen, die sonst üblich wären. Wir müssen uns überlegen, welche mittelfristigen Auswirkungen Covid-19 auf die Spitäler haben wird.

« Die Allgemeinmedizin muss vor dem Hintergrund der aktuellen Covid-Entwicklung möglicherweise auf die Herausforderungen ausgerichtet werden. »

Und wie sehen diese Tendenzen aus?
Onkologie, Nephrologie, Kardiologie und auch die Dialysestationen verzeichnen einen Zuwachs. Chirurgie und Frauenkliniken dürften stabil bleiben. Die Allgemeinmedizin dagegen muss vor dem Hintergrund der aktuellen Covid-Entwicklung möglicherweise auf die vorherrschenden Herausforderungen ausgerichtet werden.

Hat das Auswirkungen auf das laufende Bauprojekt?
Nein.

Wie gross ist der Nachholbedarf bei den Operationen, die wegen der Pandemie nicht durchgeführt werden konnten?
Wir haben die dringendsten Fälle aufgearbeitet. Es gibt jedoch immer noch Personen, die aufgrund von Covid-19 Angst vor einem Spitaleintritt haben und bestimmte Eingriffe mit geringerer Dringlichkeit weiterhin verschieben.

Welchen Einfluss hat die Pandemie im Personalbereich?
Die Patientenzahl geht zurück und wir müssen dementsprechend den Stellenplan neu justieren.

Vor Jahresfrist gaben Sie zu Protokoll, dass der Fachkräftemangel zunehmend zum Problem werde. Wo steht das GZO-Spital heute?
Der Fachkräftemangel auf nationaler Ebene besteht weiterhin, was derzeit vor allem im Bereich der Intensivpflege spürbar ist. Als Lehrkrankenhaus mit universitärer Anbindung bleiben wir vergleichsweise attraktiv für potenzielle Bewerberinnen und Bewerber.

Kommen wir zur Spitalliste und den künftigen Leistungsaufträgen: Bereits bekannt ist, dass es in der Urologie und den Frauenkliniken eine engere Zusammenarbeit mit dem Spital Uster geben wird. Angedacht ist offenbar auch ein Miteinander in der Geriatrie. Gibt es darüber hinaus Aufgaben, die Sie an Uster abgeben und solche, die Sie nach Wetzikon holen?
Mit Uster diskutieren wir dieselben Fragen wie schon bei den Fusionsgesprächen: Wie können wir gemeinsam die Breite der Gesundversorgung im Zürcher Oberland sicherstellen? Wir müssen uns überlegen, wie wir die Versorgungsaufträge poolen, um sie in der Region halten zu können – wenn nicht an beiden Standorten, so wenigstens an einem. Das führt zu Diskussionen, wie wir die Infrastruktur besser auslasten können oder die von der Gesundheitsdirektion gestellten Anforderungen und Fallzahlen entsprechend erfüllen können. Das Bewerbungsverfahren für die Spitalliste startet im Juli und dauert bis September. Ob unsere Überlegungen auf das Bewerbungsverfahren einen Einfluss haben, glaube ich nicht. Das wäre zu kurzfristig. Im Bereich der Geriatrie, wie auch in den erwähnten Gebieten arbeiten wir bereits an gemeinsamen Lösungen.

« Es geht nicht darum, die Strategie neu zu definieren, sondern um eine Überprüfung. »

Es sind aber keine neuen Bereiche hinzugekommen, die es anzusprechen gälte?
Es sind noch immer dieselben Leistungsbereiche, über die wir sprechen.

Der GZO-Verwaltungsratspräsident hat angekündigt, dass nach dem Fusions-Nein die eigene Strategie überprüft werden müsse. Ist schon klar, wohin es jetzt gehen soll?
Es geht nicht darum, die Strategie neu zu definieren, sondern um eine Überprüfung. Es gilt, unsere Leuchttürme zu stärken, weiterhin die breite Spitalversorgung sicherzustellen und die Kooperationsfragestellungen weiter auszudehnen. 

Das GZO hat schon kommuniziert, dass neben Uster auch andere Kooperationen geprüft würden. Gibt es da nun Ansagen?
Wir haben im Bereich der Chirurgie schon lange eine Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Winterthur und beim Brustzentrum eine mit den Spitälern Schaffhausen. Ebenfalls in der Inneren Medizin pflegen wir die Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital. Dazugekommen ist im vergangenen Jahr die Kooperation mit den Zürcher Rehazentren im Bereich der Schlafmedizin. Gemeinsam mit der Klinik in Wald wird das Schlaflabor am GZO betrieben. Schlafmedizinische Angebote können so an einem Standort konzentriert werden. Weiterhin engagieren wir uns im Bereich der integrierten Versorgung und pflegen entsprechende Kooperationen beispielsweise mit der Spitex. Im Bereich der Palliative Care herrscht bereits eine intensive Zusammenarbeit, die sich nicht nur auf unsere Aktionärsgemeinden beschränkt, sondern sich darüber hinaus auch über die Trägergemeinden des Spital Uster ausgeweitet hat.

« Alles, was wir in den teuren, möglicherweise zu gering ausgelasteten Bereichen poolen können, bringt Synergien. »

Wie hoch ist das Sparpotenzial, das sich aus Kooperationen ergeben kann?
Spareffekte gibt es nicht direkt. Viel eher können Synergien ausgeschöpft werden, aus denen sich dann Spareffekte ergeben. Die Herausforderung für alle Spitäler ist, dass sie einen 24-Stundenbetrieb gewährleisten müssen. Wenn wir also beispielsweise von einer gemeinsamen Geburtsklinik sprechen, dann könnte der jeweilige Partner seine Infrastruktur besser ausnutzen. Dadurch verringern sich die Fallkosten. Alles, was wir in den teuren, möglicherweise zu gering ausgelasteten Bereichen poolen können, bringt Synergien. Und so kann dann auch gespart werden.

2013 wurde ein Investitionsvolumen von 165 Millionen Franken für den Spitalausbau in Wetzikon angekündigt. Ende 2020 machte die Zahl von rund 200 Millionen Franken die Runde. Sind Sie da noch immer auf Kurs?
Ja, das sind wir.

Mit der Fusionsabsage soll die zweite Etappe, die den Innenausbau beinhaltet, überprüft werden. Können da Einsparungen vorgenommen werden?
Die 200 Millionen Franken umfassen den Auftrag an den Totalunternehmer Steiner für die Sanierung und den Neubau. Vor Baustart haben wir umgeplant und es entstanden gegenüber den ursprünglichen Plänen Mehrkosten von 15 Millionen, weil wir auch die Operationssäle in die neuen Gebäude verlagern wollen. Diese Mehrkosten können aber wieder eingespart werden, indem wir auf die ursprünglich vorgesehene Sanierung des alten Spitalgebäudes verzichten.

Aber gibt es jetzt Änderungen beim Innenausbau?
Nein. Wir müssen darauf achten, dass wir beim Ausbau die grösstmögliche Flexibilität bewahren. Die Patienten-Aufenthaltsdauern in bestimmten Fachgebieten werden weiterhin abnehmen. Auch wenn die Ambulantisierung in der Schweiz weniger schnell voranschreitet als in anderen Ländern, müssen wir auf solche Veränderungen reagieren können.

Und wie sieht es mit dem Baufahrplan aus?
Der Erweiterungsbau wird wie vorgesehen Ende September 2022 übergeben werden können. Das heisst aber, dass dieser dann noch nicht bezogen ist. Darüber entscheidet das zukünftige Betriebskonzept. Derzeit arbeitet eine Projektgruppe unter Hochdruck an der Umzugsplanung. Ende dieses Jahres werden wir wissen, wie das detailliert abläuft. Wir müssen uns bewusst sein, dass bis 2024 während des laufenden Spitalbetriebs weiter ausgebaut wird und sich erst dann alle Bereiche an ihrem geplanten Ort befinden werden.

« Laut Plan wird das Gesamtvorhaben 2026 beendet werden. »

Wann werden alle Bauvorhaben abgeschlossen sein?
Beim Hochhaus wissen wir das noch nicht genau. Alle Pläne wurden eingegeben und wir befinden uns jetzt mitten in der Umsetzungsphase. Laut Plan wird das Gesamtvorhaben 2026 beendet werden.

Welches sind aktuell Ihre grössten Knackpunkte?
Zunächst müssen wir uns klar darüber werden, welches die strategischen Implikationen infolge von Covid-19 sind. Die zweite Fragestellung lautet: Wie bringen wir unser Bauprojekt und unsere internen Projektthemen zusammen? Der Fahrplan unseres Totalunternehmers und unsere eigenen Prozess- und Projektthemen müssen laufend überprüft und in Einklang gebracht werden. Insgesamt gibt es rund 30 Projekte – etwa von der Telefonzentrale, über den Umzugsprozess bis hin zur Integration der IT-Infrastruktur und unserer bestehenden und auch neuen Gerätschaften – , für die teils Steiner, teils wir verantwortlich sind. Die dritte Herausforderung ist die Erneuerung unserer Anleihen im Jahr 2024. Hier geht es um die Klärung der Rahmenbedingungen. Und die vierte Fragestellung ist die bereits angesprochene Spitalplanung 2023.

Hoher Abschreiber wegen Bauaktivitäten

Das Corona-Jahr 2020 zeigt bei den Kosten und Umsätzen des Spitals Wetzikon stärkere Einschnitte. Mit knapp 9900 stationären Austritten blieb es rund 500 Fälle hinter den Erwartungen. Während die Fachgebiete Onkologie, Kardiologie und Gastroenterologie weiterhin auf Wachstumskurs blieben, schlossen die anderen Fachgebiete knapp auf Vorjahresniveau oder etwas tiefer. Mit der Schliessung eines ganzen Bettenstocks und weiteren Sparmassnahmen konnte das Betriebsergebnis auf Stufe Ebitda auf über acht Prozent gehalten werden. Zwar wird das Spital vom Kanton eine Covid-Entschädigung erhalten, doch reicht diese laut dem GZO-Spital bei weitem nicht, um das wegen der Pandemie entstandene Einnahmen-Minus aufzuwiegen.

Der Betriebsertrag bleibt zwar auf etwa Vorjahresniveau, der Betriebsaufwand ist jedoch 3,7 auf 136,2 Millionen Franken angestiegen. Bei den ordentlichen Abschreibungen bewegt sich das Spital noch immer „im tiefen Normbereich“. Allerdings müssen wegen der Neu- und Umbauten ausserordentliche Abschreibungen wegen verkürzter Nutzungsdauern von 5,6 Millionen vorgenommen werden. Unter dem Strich resultiert ein Minus 4,4 Millionen Franken. Im 2019 wurde noch ein Gewinn von 2,7 Millionen Franken verbucht.

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