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Gemeinden zeigen Interesse an mehr Haltestellen

Der Vorstoss für einen Ausbau der Tösstalstrecke findet Anklang. Ein Pilotprojekt soll der Idee zusätzlich Schub verleihen.

Auf Höhe des Zuges könnte die neue Haltestelle Wald Nord der Tösstallinie entstehen., Als Pilotprojekt könnte hier in der Baumer Aussenwacht Lipperschwendi eine zusätzliche Haltestelle gebaut werden.. , Nur 150'000 Franken hat diese mit einem Holzperron ausgestattete Haltestelle Vaulruz bei Bulle gekostet.

Foto: PD

Gemeinden zeigen Interesse an mehr Haltestellen

Ende Januar erhielten die sieben Gemeinden Rüti, Wald, Fischenthal, Bauma, Wila, Turbenthal, Zell und die Stadt Winterthur Post von der IG Tösstallinie. Im Brief wurde nicht nur der neue Vorstand vorgestellt, an dessen Spitze jetzt der umtriebige Ustermer Politiker und ehemalige Verkehrsplaner Paul Stopper steht. Die Interessengemeinschaft wollte von den Gemeindevertretern entlang der Tösstallinie insbesondere wissen, was sie von der Idee halten, die Bahnstrecke weiter auszubauen. So soll die Zahl der Haltestellen gleich mal verdoppelt werden. Mit den 16 zusätzlichen Stopps soll das ganze Gebiet besser erschlossen werden nach dem Grundsatz «Die Bahn muss näher zur Bevölkerung kommen und nicht umgekehrt» könnten die Züge nach Stoppers Vorstellung besser ausgelastet werden.

Zum Konzept gehört auch, dass an den neuen Haltestelle nur ein «Halt auf Verlangen» eingeführt würde. Zudem gäbe es künftig zwei Zugskategorien: Halbstündlich würden alle Haltestellen bedient, stündlich als «Eilzüge» nur die bisherigen Bahnhöfe. Mit der Verdichtung auf der Schiene würden dann nach Meinung der IG die abendlichen Bahnersatz-Buskurse zwischen Bauma und Rüti obsolet.

Nur Zell winkt ab

Wila erhielte nach den IG-Plänen eine, Zell zwei, Fischenthal, Wald und Winterthur je drei und Bauma vier neue Haltestellen. Wie eine Umfrage bei den betroffenen Gemeinden ergeben hat, zeigen sie sich mehrheitlich offen gegenüber einem solchen Ausbau. Ein deutliches Nein kommt nur aus Zell. «Der Gemeinderat hat das Schreiben intensiv beraten und beantwortet. Ein Gespräch ist nicht im kommunalen Interesse. Der Gemeinderat ist zufrieden mit der jetzigen Situation», hält Gemeindeschreiber Erkan Metschli fest.

«Das Ziel muss sein, eine innovative Lösung zu finden, die mit einem Bruchteil der Investitionen auskommt.»
Flavio Carraro, Finanzvorstand Bauma

Zurückhaltend gibt sich die Stadt Winterthur, während nach Meinung von Stopper die Gespräche mit Turbenthal, Bauma und Wald sehr gut gewesen seien. Baumas Finanzvorsteher Flavio Carraro (parteilos), der auch für den öffentlichen Verkehrs zuständig ist, bestätigt, dass man miteinander im Gespräch sei: «Grundsätzlich begrüsst der Gemeinderat von Bauma die Initiative der IG Tösstallinie. Mit zusätzlichen Haltestellen kann der Nutzen der Bahnlinie für die Tösstaler Bevölkerung und für Touristen und Ausflügler vor allem im oberen Tösstal erheblich gesteigert werden.»

Allerdings vermöge das vorliegende Konzept nicht endgültig zu überzeugen. Insbesondere der hohe Investitions- und Platzbedarf sowie der ferne Realisierungshorizont «wahre Killerkriterien» seien. «Das Ziel muss sein, auf der Basis des Haltestellenausbaus eine innovative Lösung zu finden, die mit einem Bruchteil der Investitionen und deutlich kürzeren Zeiträumen auskommt.»

Noch nicht behandelt

Wie Walds Gemeindeschreiber Martin Süss erklärt, hätten sie die Idee in ihre Stellungnahme aufgenommen, die an die regionale Verkehrskonferenz gegangen sei. «Bis zu einer Realisierung ist es noch ein weiter Weg, aber wir unterstützen das Vorhaben im Grundsatz.»

Auch Wila zeigt sich «jederzeit bereit, mit der IG Tösstallinie in Dialog zu treten, zumal die Gemeinde Wila selbst Mitglied der IG ist», richtet Tiefbau- und Werkvorstand Sandro Turcati (SP) aus. Alleine, der Gemeinderat sei schlicht noch nicht dazu gekommen, sich mit den Vorschlägen auseinander zu setzen. Und in Fischenthal werde der Gemeinderat laut Schreiberin Mirjam Peterhans Kaufmann an der nächsten Sitzung das weitere Vorgehen besprechen. Eine Kontaktaufnahme mit der IG habe stattgefunden.

Zwei Haltestellen als Pilotprojekte?

Stopper will den Schwung, den die Idee erhalten hat, nutzen: «Wir haben uns umgeschaut, wo es kostengünstige, provisorische Perrons gibt. Nun suchen wir eine oder zwei der neuen Haltestellen aus, die als Pilotprojekt dienen könnten.» Es gehe ihnen darum aufzuzeigen, was solche Stopps bringen könnten. Im Gespräch stehen derzeit Lipperschwändi und Wald Nord.

«Dann könnten wir das auch innert zwei, drei Jahren umsetzen.»
Paul Stopper, Präsident IG Tösstallinie

Stopper nimmt auch den Einwand von Baumer Seite auf, dass es kürzere Perrons brauche. So prüft er solche für 60 oder sogar nur 40 Meter lange Kompositionen. Und das Beispiel des Holzperrons in Vaulruz bei Bulle zeige, dass es auch günstiger gehe als die rund 600‘000 Franken, die die IG in der Ursprungsidee pro Haltestelle vorgesehen hat. Bei 80 Meter Länge kostete der vom Bundesamt für Verkehr genehmigte Bahnperron in der Romandie gerade einmal 150‘000 Franken. Ein solcher Versuchsbetrieb mit nur wenigen zusätzlichen Haltestellen dürfte allenfalls auch ohne weitere Kreuzungsstelle auskommen. «Das klären wir jetzt ab. Dann könnten wir das auch innert zwei, drei Jahren umsetzen.» 

Geld für neue Kreuzungsstelle

Im Rahmen der Recherchen ist die IG darauf gestossen, dass das Bundesamt für Verkehr im  Ausbauschritt 2035 16,2 Millionen Franken für eine Kreuzungsstation Turbenthal vorgesehen habe. «Der Zeitpunkt für unser Vorhaben ist ideal. Wir müssen jetzt den Fuss reinhalten», unterstreicht Stopper. Würden wirklich viel mehr Haltestellen auf der Tösstallinie gebaut, bräuchte es mehrere  Kreuzungsstellen.

Stopper ist sich bewusst, dass die IG mit 16 neuen Stellen den Knebel hoch geworfen hat. «Es können sicher auch ein paar weniger sein.» Zumal einige wirklich im «Juhee» draussen zu liegen kämen.  Von der IG wollten sie sich von unten nach oben vorarbeiten, also  jetzt zuerst schauen, wie die direktbetroffenen Gemeinden reagieren. Später soll dann auf Thurbo, der Betreiberin der Tösstallinie,  nachher auch auf den Verkehrsverbund und schliesslich auch das Bundesamt für Verkehr zugegangen werden. «Wenn die Gemeinden zusammenstehen, wäre das natürlich eine gute Basis für die nächsten Schritte.»

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