Drei Eigentümer müssen für kurzes Trottoir in Uster Land abtreten
Mit der anstehenden grossen Sanierung der Kantonsstrasse zwischen Nüsslikreisel und dem Trümpler Areal will die Stadt Uster ein eigenes Bauprojekt umsetzen. So soll während den Sanierungsarbeiten des kantonalen Tiefbauamtes auch ein 90 Meter langes Trottoir entlang der Aathalsstrasse erstellt werden, das für Velofahrer und Fussgänger gleichermassen gedacht ist (siehe Karte). Der Rad-/Gehweg soll dabei den schon bestehenden Weg verlängern.
Die Kosten dafür werden auf 110‘000 Franken beziffert. Ein kleiner Betrag von 4500 Franken ist unter «Erwerb von Grund und Rechten» aufgeführt, wo es auch um mögliche Enteignungen geht.
Denn für den geplanten fast drei Meter breiten Weg müssen drei Grundstückseigentümer Teile ihres Landes hergeben. Insgesamt will die Stadt 234 Quadratmeter erwerben.
12 Franken für Quadratmeter
Eine Parzelle gehört der Erbengemeinschaft Ed Trümpler , die ihren Sitz ganz in der Nähe auf dem Trümplerareal hat. Geschäftsführer Marco Brunner kann die 52 Quadratmeter, die er abgeben muss, in monetärer Hinsicht vekraften. «Die Parzelle ist ja nicht als Bauland eingezont. Somit ist das Land auch viel weniger wert.» 12 Franken pro Quadratmeter erhalte er als Entschädigung für das Land von der Stadt Uster. Das entspreche dem üblichen Marktpreis für Landwirtschaftsland , sagt Brunner.
«Die Kinder mussten bis jetzt jeweils einen Schleichweg durchs Grüne nehmen, um auf das heutige Trottoir zu kommen.»
Marco Brunner, Geschäftsführer Erbengemeinschaft Ed Trümpler
Das gesamte Grundstück stelle die Erbengemeinschaft dem ehemaligen Fabrikgärtnerpaar der Trümpler AG zur Verfügung. Darauf bauen diese Gemüse an. «Die werden künftig dafür ein bisschen weniger Platz haben, das ist verschmerzbar », sagt Brunner.
Er sehe die Pläne für das Trottoir als «sehr positiv». Denn dadurch würde der Zugang für die Familien sicherer, die an der Aathalstrasse 87 wohnen. Das Haus, das sich ein Stück weiter Richtung Wetzikon befindet, wird von der Trümpler AG vermietet. «Die Kinder mussten bis jetzt jeweils einen Schleichweg durchs Grüne nehmen, um auf das heutige Trottoir zu kommen.» Auch dass der geplante Radweg die Aathalsstrasse künftig via eine neue Verkehrsinsel quert und damit sicherer gemacht wird , sei ein Gewinn.
Stadt wird Land nachgeworfen
Auch beim Eigentümer der zweiten Parzelle muss die Stadt Uster nicht zum rechtlichen Mittel der Enteignung greifen. Bei der Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost mit Sitz in Gossau (SG) rannte der Stadtrat offene Türen ein. Geschäftsführer Markus Berner sagt: «Wir geben das Land gerne freiwillig ab.» Und dazu sogar mehr als für das Bauprojekt nötig gewesen wäre. Gemäss Berner verkauft die Genossenschaft der Stadt gleich die ganze Parzelle mit rund 1600 Quadratmetern Boden. «Mit der Parzelle können wir sowieso nichts anfangen, weil es kein Bauland ist», sagt er.
Zudem befände sich auf dem Boden eine Quelle, die mehrere Dorfbrunnen speise, was die Nutzung wegen den Gewässerauflagen zusätzlich erschwere, sagt Berner. Dazu kämen die Unterhaltsarbeiten auf dem Areal, wie Abholzen oder Sträucher entfernen, zu der die Genossenschaft wegen der nahen Bahnlinie gezwungen sei. «Wenn die Stadt das Land für ihren Radweg brauchen kann, ist das eine Win-Win-Situation.»
Erhält Stadt eine neue Quelle?
Gemäss dem Ustermer Stadtrat Feldmann (SP) ist der erwähnte Landverkauf mit 1600 Quadratmeter der Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost noch nicht in trockenen Tüchern. Es hätten aber Gespräche in diese Richtung im Rahmen des kantonalen Projektes stattgefunden. «Eine Eigentumsübertragung ist aber noch nicht erfolgt.»
«So viel mir bekannt ist, verliefen die Gespräche positiv und es liegen zumindest mündliche Zusagen vor.»
Stefan Feldmann (SP), Stadtrat Uster
Wenn die Stadt neue Eigentümerin des Bodens würde, müsste sie sich auch um die Quelle kümmern. Feldmann sagt dazu: Mit der Energie Uster AG, die für die Wasserversorgung zuständig ist, müsste in der Folge geklärt werden, was bezüglich Quellfassung nötig sei.
Mündliche Zusagen
Beim dritten Eigentümer des Grundstücks, das die Stadt kaufen will, handelt es sich um Andreas Graf aus Wangen. Auf seinem Land stehen ein Haus und ein Nebengebäude. Wie er mit dem geplanten Trottoir vor seiner Tür umgeht, ist unklar. Graf war für eine Aussage nicht zu erreichen.
Feldmann geht jedoch auch im letzten Fall nicht davon aus, dass eine Enteignung nötig sein wird. «So viel mir bekannt ist, verliefen die Gespräche positiv und es liegen zumindest mündliche Zusagen vor.»
Für den Bauvorstand war das Projekt von Anfang darauf ausgerichtet, «den Freizeitverkehr über die Ottenhauserstrasse besser ans Velonetz anzubinden». Den ersten Schritt in diese Richtung soll mit der Projektfestsetzung durch den Stadtrat in diesem Monat geschehen. Die Sanierungsarbeiten sollen ab kommenden Sommer beginnen und rund ein Jahr dauern. Im Zuge dieser Arbeiten soll auch der neue Rad-/Gehweg entstehen.
