Ustermer Jugend setzt Startschuss für landesweites Klimaprojekt
Die Klimajugend macht sich nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten bemerkbar. Im Wald oberhalb des Ustermer Ried krampfen sich momentan zwei Schulklassen der Schule Weidli am harten Waldboden ab. Sie rechen das alte Holz zu einem Haufen zusammen, hacken Löcher in die trockene Erde und setzen dann ein Pflänzchen nach dem anderen hinein. So finden am Donnerstag und Freitag 100 Baumsprösse ein neues Zuhause im Erdreich.
Damit startet in Uster eine landesweite Klimaschutz-Aktion, genannt «there-for-trees». Schulklassen aus der ganzen Schweiz sollen in den kommenden Monaten daran teilnehmen. Ziel ist die Wiederaufforstung. Es handelt sich um ein Crowdfundingprojekt.
Klimaschutz verinnerlicht
Nils Bossen hämmert mit grossen Schwüngen einen Holzpflock in den Boden. «Es geht langsam in die Arme. Aber die Arbeit macht mega Spass, weil sie zu einem guten Zweck ist.» Der baldige Mediamatiker mag es, einmal von der Schreibtischarbeit wegzukommen und gemeinsam mit seinen Kollegen an der frischen Luft zu arbeiten.
Er glaubt nicht, dass die zweitägige Baumpflanzaktion nur symbolischen Charakter hat und keine Wirkung erzielen wird. «Wenn wir hier Bäume pflanzen, und man darüber spricht, machen es uns andere vielleicht nach. Und dann bewirkt es auch etwas.»
Was er in der Schulbank über den Umwelt- und Klimaschutz gelernt hat, scheint er verinnerlicht zu haben. Als er anlässlich seiner Abschlussarbeit sein eigenes Kleiderlabel aufzog, habe er vollständig auf Bioprodukte gesetzt. Er achte darauf, dass Fleisch nicht aus der amerikanischen Grossviehzucht stamme, sondern aus der Region. Avocado esse er selten, weil deren Produktion sehr wasserintensiv sei. Und er habe seine Familie dazu gebracht, kein von weit her importiertes Mineralwasser mehr zu trinken.
«Jeder gepflanzte Baum nützt etwas.»
Janis Beichler, Schüler
Janis Beichler, der sich zur Pause ein Glas Rivella gönnt, sagt: «Es ist schön, dass wir hier etwas für unsere Erde tun können. Damit sich etwas verändert.» Er ist fest überzeugt: «Jeder gepflanzte Baum nützt etwas. Er verbessert die Luft und nimmt CO2 auf.»
Auch er versucht weniger Energie zu verbrauchen. Zum Beispiel das Licht nicht brennen zu lassen und lieber kurz und richtig als via Kippfenster zu lüften. Corona hin oder her – langfristig sei der Klimawandel das grösste Problem der Menschheit, versichert Beichler.
Vom Stadtförster habe er auch etwas über den Umgang mit der Natur gelernt. Zum Beispiel, dass man beim Setzen darauf achtet, nicht die zarten Wurzeln des Setzlings zu knicken. Und ihn am Schluss nicht mit zu viel Erde vollzuschütten, damit die Wurzeln noch einen gewissen Freiraum haben.
Auch die Erwachsenen haben ihre Freude
Während im Hintergrund ein mit Kies beladener Traktor Richtung Mönchaltorf fährt, schildert der am Projekt mitarbeitende Ustermer Zivi Cédric Zimmermann seinen Eindruck: «Ich glaube den Schülern tut es gut, wieder einmal rauszukommen nachdem sie jetzt mehr als ein Jahr auf Vieles verzichten mussten.»
«Das ist ein guter erster Schritt, um sie zum Denken anzuregen.»
Cédric Zimmermann, Zivi aus Uster
Auch er ist sich sicher, dass die Jugendlichen nach diesem Arbeitstag, etwas müde, aber mit einem guten Gefühl nach Hause gehen werden. «Sie haben jetzt einen Beitrag für den Klimaschutz geleistet. Das ist ein guter erster Schritt, um sie zum Denken anzuregen», sagt der 22-Jährige.
Lehrerin Lucia Stepankova sagt, sie habe im Alltag einen Denkwandel bei ihren Schülern beobachtet. Im Unterricht hätten sie über eine App geprüft, welche Lebensmittel Palmöl beinhalten. Anschliessend hätten manche ihre ganze Familie überzeugt, palmölfrei einzukaufen. Sie stelle fest, dass viele ihrer Schüler in Sachen Umweltschutz sehr gut informiert seien.
Für Stepankova kann es nicht genügend solcher Aktionen geben. Es sei eine Möglichkeit, das in der Schule Gelernte mit praktischen Erlebnissen zu verbinden. Dadurch bleibe es länger haften. Besonders in diesem Fall. «Die Schüler sind jetzt sicher stolz, dass sie hier eine Art Pionierarbeit leisten können.»
