Herr Schürch, seit dem unfreiwilligen Abgang des früheren Polizeikommandanten war die Stadtpolizei während Monaten personell unterbesetzt und nur mit einer interimistischen Leitung ausgestattet. Wie haben Sie das Korps angetroffen, als Sie Anfang November das Kommando übernahmen?
Oliver Schürch: Diese lange Zeit ohne Kommandant war natürlich mit Ungewissheit verbunden. Meine Aufgabe war es, diese Sicherheit zurückzugeben, damit sich das Korps wieder selbstbewusst präsentieren kann. Ansonsten war das Team von Anfang an hoch motiviert, auch wenn unsere Arbeit wegen Corona und den wechselnden Verfügungen von Bund und Kanton nicht einfacher geworden ist und sich schon gewisse Ermüdungserscheinungen zeigen. Aber das geht ja allen so.
Nachdem Sie beinahe Ihr ganzes Leben als Polizist gearbeitet hatten, übernahmen Sie vor gut einem Jahr die Leitung der Abteilung Asyl und Rückführungen im Amt für Migration des Kantons Luzern. Jetzt tragen Sie schon wieder die Polizeiuniform. Das klingt nach einem, der es nicht hinter dem Schreibtisch ausgehalten hat.
Nach gut 20 Jahren bei der Polizei und diversen Weiterbildungen auch im privatwirtschaftlichen Bereich hatte ich das Bedürfnis, meine Wohlfühlzone zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren. Der Job in Luzern war eine grosse Chance, aber eben auch sehr verwaltungslastig. Statt eine Ausweisung zu verfügen, hätte ich die Verbrecher am liebsten gleich selbst aus dem Gefängnis geholt und in den Flieger gesetzt. Ich fühlte mich wie ein Tiger im Käfig und vermisste die Dynamik und die Kollegialität in der Polizei. Insgesamt war das Jahr aber eine gute Erfahrung, auch weil es mir wieder in Erinnerung rief, dass Polizist einfach der schönste Beruf der Welt ist.
«Ich möchte, dass wir als bürgernahe Polizei wahrgenommen werden, die vielleicht auch mal hilft, den Kindersitz richtig zu installieren.»
Vor Luzern waren Sie Chef der Urner Bereitschafts- und Verkehrspolizei und traten als Verantwortlicher für die Gotthardachse regelmässig vor TV-Kameras und Mikrofone. Liegt Ihnen das?
Medienarbeit ist spannend, und ich habe keinerlei Probleme, mich vor eine Kamera zu stellen. Dabei geht es aber nicht um meine Person, sondern darum, die Arbeit der Polizei zu zeigen, auch mal das Positive. Dies ist etwas, das ich in Dübendorf vermehrt machen möchte – auch wenn es vielleicht nicht so spektakulär ist wie ein gesperrter Gotthard (lacht).
Früher der Gotthard, heute die Dübendorfer Bahnhofstrasse. Empfinden Sie das nicht als Rückschritt?
Nein, gar nicht. Die Kantonspolizei ist ein grosser Laden mit vielen Polizisten. Die Kommunalpolizei kann man dagegen eher mit einem Hausarzt vergleichen. Den kennt man, und man vertraut ihm auch – zumindest sollte es so sein. Ich schätze diesen direkten Kontakt mit den Menschen, dass man sich « Grüezi » sagt. Ich möchte, dass wir die Präsenz in den Quartieren noch verstärken und als bürgernahe Polizei wahrgenommen werden, die vielleicht auch mal hilft, den Kindersitz richtig zu installieren.

