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Stadt will Usterapfel wieder populär machen

Der Usterapfel wurde zur Schweizer Obstsorte 2021 gewählt. Die legendenumwobene Frucht ist in Uster nur noch wenig verbreitet. Nun will die Stadt die Verbreitung des Apfelbaums fördern – mit ganz eigenen Zielen.

Gottfrieb Mülli ist Obstfachmann aus Uster. Er hat über 200 Bäumchen in seinem Garten, darunter auch ein Usterapfelbaum., Für die Stadt Uster ist der Baum bedeutend als Lebensraum für Vögel und andere Tiere. , Der Usterapfel ist wegen der gelben Farbe auch als «Citrönler» bekannt.

Foto: PD

Stadt will Usterapfel wieder populär machen

Der Usterapfel hat etwas geschafft, was noch keinem Einwohner von Uster gelungen ist: Er wurde zum Schweizer des Jahres gewählt, wenn auch nur in der Kategorie Obst. Entschieden hat das der Vorstand des Vereins Fructus, eine Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten.

Der Titel «Obst des Jahres 2021» soll dem Usterapfel wieder zu mehr Popularität verhelfen. Denn die meisten der mächtigen Apfelbäume sind in Uster verschwunden.

Dies weiss auch Philipp Jucker, Leistungsgruppenleiter Natur, Land- und Forstwirtschaft der Stadt. «1950 hatten wir in Uster noch 30‘000 Hochstammobstbäume, zu denen auch der Usterapfelbaum gehört. Bis 2007 ist die Zahl auf etwa 2500 gesunken.».

Wie viele davon mit Usteräpfeln bestückt seien, könne er nicht sagen. Doch zumindest habe der Bestand seither langsam wieder zugenommen auf heute rund 3000 Hochstammbäume.

Usterapfelbaum zu verschenken

Bekannte Standorte der Usterapfelbäume seien beispielsweise in Freudwil zu finden. Auch zwischen dem Ustermer Friedhof und Scherbergarten stehe einer. Ein Laie könne aber einen Usterapfelbaum von einem anderen Apfelbaum kaum unterscheiden.

Grund für den Rückgang der Bäume sind laut Jucker die Bautätigkeit und die Intensivierung der Landwirtschaft. «Hochstammobstbäume bringen weniger Ertrag und brauchen mehr Pflege als Niederstammbäume. Deswegen sind sie in der Landwirtschaft fast verschwunden.»

«Der Apfel ist sicherlich ein Kulturgut von Uster.»

Philipp Jucker, Leistungsgruppenleiter Natur, Land- und Forstwirtschaft Stadt Uster

Nun will die Stadt speziell den Usterapfel wieder fördern. «Im Rahmen der Auszeichnung zum Obst des Jahres hat die Stadt Uster den Bauern kostenlose Usterapfelbäume angeboten», so Jucker. Schon 25 Bäume habe die Stadt an verschiedene Landwirte verschenkt.

Biodiversität im Fokus

Organisiert werde der Bezug der etwa zwei Meter hohen Jungbäume von Fructus. Die Stadt finanziere dies mit etwa 100 Franken pro Baum. Abgerechnet werde das im Rahmen des Budgets, das für die Förderung der Hochstammobstbäume vorgesehen sei. Dieses beträgt rund 2500 Franken jährlich . Wenn das Budget ausgeschöpft sei, würden keine Bäume mehr finanziert, sagt Jucker. Was somit nun der Fall sei.

Die Aktion lohne sich für die Stadt, ist Jucker überzeugt. «Der Apfel ist sicherlich ein Kulturgut von Uster.» Doch noch wichtiger sei für ihn die Funktion des Baumes für die Biodiversität. Mit dem Verschwinden der Hochstammobstbäume seien auch viele Tierarten in Bedrängnis geraten. «Gerade der Usterapfelbaum bietet mit seiner mächtigen Krone Vögeln und anderen Tieren Nahrung und ein Zuhause.»

Ustermer Apfelexperte

Eine andere Sicht auf den Apfelbaum hat Gottfried Mülli aus Uster. Er ist Obstfachmann und befasst sich seit über 50 Jahren mit den Früchten. Über 200 verschiedene Apfelsorten wachsen in seinem 15 Aare grossen Obstgarten auf Spindelbäumchen.

Mülli nennt es «eine Sammlung». Darunter befinde sich auch ein Usterapfelbäumchen.  200 bis 300 Kilogramm Äpfel Ernte ermögliche ein solcher Baum. Seiner gebe allerdings nur fünf bis zehn Kilo her, ein Muster für die Sammlung, sagt Mülli.

«Die Äpfel verschenke ich oder esse sie selber.» Ein bekannter Usterapfelbaum ausserhalb des Gartens von Gottfried Mülli stehe beim Stadthaus gleich neben einem japanischen Zierkirschbaum.

Zwanzig Namen für Usterapfel

Der Titel Obstsorte des Jahres trage der Usterapfel zu recht; er sei ein wichtiges Kulturgut. Gerade bei älteren Personen würde der Geschmack mit leichtem Vanillearoma zu Kindheitserinnerungen führen. «Der Apfel weckt Emotionen». Er sei noch heute in der ganzen Schweiz bekannt, sagt Mülli, der immer wieder Apfelmärkte und Ausstellungen besucht.

«Für die, die den Usterapfel als Kind gegessen haben, bleibt er aber immer etwas Besonderes.»

Gottfried Mülli, Obstfachmann aus Uster

«Es gibt etwa 20 Namen für den Usterapfel.» So sei dieser auch als «Citrönler», «Chridebüchsler», «Ankebälleli», «Museau de mouton» oder «Pomme citron» bekannt. Letztere Bezeichnung sei seiner gelben Farbe zuzuschreiben, sagt Mülli.

Der süsse Apfel sei früher vorwiegend für die Herstellung von Zuckersaft gebraucht worden. «In jedem Baumgarten stand deshalb ein grosser Süssapfelbaum, in unserer Gegend meist ein Usterapfel», sagt Mülli. 200 bis 300 Kilogramm Früchte könne so ein Baum hergeben.

Ein Apfel müsse eigentlich auch einen Anteil Säure haben, dieser fehle dem Usterapfel beinahe vollständig. Leute, die den Apfel das erste Mal probieren,  sagten, der sei nichts Besonderes, so Mülli. «Für die, die ihn als Kind gegessen haben, bleibt er aber immer etwas Besonderes.»

 

Die Legenden um den Usterapfel

Zur Herkunft der Usterapfels kennt Gottfried Mülli zwei Legenden. So habe ein Manz aus Nänikon Mitte des 18. Jahrhunderts aus französischem Kriegsdienst einen Zweig des Usterapfels hierhergebracht. Die andere Legende besage, dass ein gewisser Oberst Blatter einen Zweig in den Niederlanden geschnitten und mitgenommen habe.

Bei seinen Recherchen habe er allerdings keinen Mann namens Blatter gefunden, dafür aber einen Oberst Schlatter. Ein bisschen Wahrheit sei wohl in der Legende enthalten, so seien sowohl Blatterapfel als auch Schlatterapfel Namen für den Usterapfel. Ob die Apfelsorte wirklich aus den besagten Ländern stammt, sei allerdings zu bezweifeln. «Ich war an mehreren Ausstellungen in Holland oder Frankreich. Dort wurde nie ein Usterapfel erwähnt oder ausgestellt.»

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