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Unbekannte torpedieren Greifenseer Wahl mit frauenfeindlicher Botschaft

In Greifensee macht eine sexistische Wahlempfehlung zur Primarschulpflege die Runde und sorgt für Empörung. Kurz vor dem Urnengang wird noch immer gerätselt, wer der Verfasser des Fake-News-Flyers ist.

Die Idylle in Greifensee trügt. Anonyme Schreiber versuchen mit frauenfeindlichen Botschaften die Wahl zu beeinflussen., Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) war einst selber Opfer sexistischer Propaganda.

Foto: Marcel Vollenweider

Unbekannte torpedieren Greifenseer Wahl mit frauenfeindlicher Botschaft

Viele Greifenseer dürften sich verwundert die Augen gerieben haben, als sie das A4-Blatt mit dem Gemeindewappen aus dem Briefkasten nahmen. Der Inhalt des Schreibens enthält eine Wahlempfehlung zur Primarschulpflege vom kommenden Sonntag. Ein offizieller Brief der Gemeinde, die sich für einen Kandidaten ausspricht? Mitnichten.

Auf dem Flugblatt werden die beiden Kandidaten auf sexistische Weise gegeneinander ausgespielt. Während Kandidat Patrick Schwab (Aktion G) als Mann mit «Standfestigkeit» beschrieben wird, für den «Anpacken zum Tagesprogramm» gehört, zweifeln die Verfasser die Belastbarkeit der Gegenkandidatin Jennifer Günters (FDP) an.

«Wir fragen uns, wie eine einzige Person all diese verantwortungsvollen und belastbaren Aufgaben ausüben kann, wo die meisten schon bei einer einzigen erfüllt und ausgelastet sind», heisst es auf dem Flyer. Es folgt eine Auflistung der privaten und beruflichen Aufgaben von Günter.  Als Verfasser gibt sich eine Gruppierung mit dem Pseudonym «Vereinigung Pro Greifensee» zu erkennen.

Kandidaten kritisieren Flyer unisono

Die blossgestellte Kandidatin Jennifer Günter sagt auf Anfrage: «Das Schreiben ist für jede moderne Frau ein Schlag ins Gesicht.» Aufgrund der inhaltlichen und orthografischen Fehlern werde es die Mehrheit aber wohl nicht erst nehmen.

Kontrahent Patrick Schwab distanziert sich vom Flyier und kritisiert die Verfasser: «Ich finde das nicht richtig. Wenn man sowas macht, dann bestimmt nicht im Namen eines erfundenen Vereins.» In einem Dorf wie Greifensee sei so eine anonyme Botschaft verwirrend. «Bei uns steht man mit Namen hin.» Ob ihm die Aktion bei der Wahl am Sonntag helfen oder schaden wird, könne er nicht abschätzen. «Das werden wir nach Bekanntgabe des Resultats sehen.»

Fake-News im Schreiben

Die Verfasser verbreiten aber nicht nur sexistische Meinungen, sondern auch Unwahrheiten. Schwab ist kein ausgebildeter Kompaniekommandant, sondern hat nur für das Militär gearbeitet, wie er richtigstellt. Günter war derweil nie als Group-Fitness-Instruktorin tätig, sondern hat nur eine Ausbildung dazu absolviert, wie FDP-Ortsparteipräsident Rolf Sägesser weiss.

Der Flyer sei diskriminierend, sagt auch er. «Es ist eine klassische Botschaft, dass man einer Frau beim Thema Auslastung nicht gleich viel zutraut wie einem Mann.»

« Das ist einfach die unterste Schublade des Politisierens.» 

Monika Keller (FDP), Gemeindepräsidentin Greifensee

Dass eine FDP-Frau in Greifensee auf diese Weise angegriffen wird, passiert nicht zum ersten Mal. Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) war während ihres Wahlkampfs fürs Präsidium 2014 von ähnlichen frauenfeindlichen Äusserungen betroffen, wie sie auf Anfrage bestätigt. Sie erinnere sich nur wage an die Vorwürfe: «Als Mutter habe man doch für dieses Amt keine Zeit», habe es etwa geheissen. Sie gebe solchen Aussagen kein Gewicht, sagt Keller.

Auch ihrer Parteikollegin Günter riet sie, den Angriff gelassen zu nehmen: «Ich sagte ihr, dass dies nicht der normale Stil in der Gemeinde ist, sondern von Personen stammt, die sehr antiquiert unterwegs sind. Das ist einfach die unterste Schublade des Politisierens.» 

Dass die Verwendung des Greifenseewappens in der breiten Bevölkerung fälschlicherweise zur Annahme führe, es handle sich um ein Schreiben der Gemeinde, glaubt Keller indes nicht. Zumal die Verfasser nur das rechtlich nicht geschützte Wappen verwendeten und nicht das Logo der Gemeinde.

Anonyme Teilnehmer an Zoom-Meeting

Die Ortspartei plant momentan, nichts gegen den Flyer zu unternehmen. «Er ist derart primitiv und blöd, dass die Partei entschieden hat, nicht mit einem eigenen Flugblatt auf die perfide Kampagne zu reagieren. Sonst werden die Verfasser zu ernst genommen», sagt Präsident Sägesser. Dass sich diese nicht zu erkennen geben, sorgt bei Sägesser für Kopfschütteln. «In Greifensee sind wir es gewohnt, dass der politische Wettbewerb mit offenem Visier stattfindet.»

Sägesser glaubt, dass die FDP zumindest kurz einen Berührungspunkt zu den ominösen Verfassern gehabt haben könnte. Als die Partei in einem öffentlichen Zoom-Meeting Kandidatin Jennifer Günter vorstellte, hätten zwei Personen anonym, also ohne ihr Gesicht über Video zu zeigen, an der Präsentation teilgenommen. «Zwei Aussagen von Jennifer Günter im Zoom-Meeting sind auch im Flyer wieder zu finden. Diese können nur aus dieser Sitzung stammen.»

«Vor allem ist das Ganze aber einfach eine Schweinerei.»

Rolf Sägesser, FDP-Parteipräsident Greifensee

Im Nachhinein wäre wohl besser gewesen, man hätte die beiden anonymen Teilnehmer aufgefordert, sich zu erkennen zu geben, sagt Sägesser. «Die haben das Zoom-Meeting für ihre Diffamierung missbraucht.»

Dass Günter am Ende von der Aktion sogar noch profitiert, ist laut dem FDP-Präsidenten aber möglich. Vielleicht mache sich eine Trotzreaktion in der Bevölkerung breit, nach dem Motto: «so nicht!» «Vor allem ist das Ganze aber einfach eine Schweinerei.»

Wann wird die Gruppierung entlarvt?

Das sieht auch Patrick Schoch so, der als Präsident der Aktion G, den Gegenkandidat Schwab ins Rennen um die Primarschulpflege schickt. «Dieser Flyer widerspricht den Fairplay-Regeln unserer Lokalpolitik.» 

Laut Schoch sind die Flugblätter nicht in allen Haushalten gelandet, aber sicherlich in die bevölkerungsreichen Wohngebiete. Auch er tappt im Dunkeln, wer hinter der «Vereinigung Pro Greifensee» stecken könnte. In der Gemeinde habe er schon viele Leute dazu befragt. «Bis jetzt ist die Gruppierung noch niemanden bekannt. Wir sind aber ein kleines Dorf, es ist bloss eine Frage der Zeit bis die Unbekannten entlarvt sind.»

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