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«Die Fusion wäre die bessere Lösung gewesen»

Das Spital Uster kriege die Kosten in den Griff, sind Verwaltungsratspräsident Reinhard Giger und Spitaldirektor Andreas Greulich überzeugt. Dies soll vor allem dank der Reduktion der Aufenthaltstage der Patienten gelingen. Auch beim geplanten Spitalausbau wird gespart.

Führungsduo des Spitals Uster: Verwaltungsratspräsident Reinhard Giger und Direktor Andreas Greulich im Doppelinterview., Beim Spital Uster wird tief gegraben: Ein Parkhaus wird entstehen., Reinhard Giger ist Verwaltungsratspräsident des Spitals Uster., Auf dem Spitalgelände wird auch eine neue Energiezentrale erstellt., Spitaldirektor Andreas Greulich will die Investitionen für den Spitalausbau reduzieren., Zur ersten Bauetappe gehört auch ein Gebäude für den Rettungsdienst.

Christian Brändli

«Die Fusion wäre die bessere Lösung gewesen»

Was sagen Sie, Herr Giger, zu den Rücktrittsforderungen der Grünen an Ihre Adresse nach dem Scheitern der Spitalfusion?
Reinhard Giger: Jedes Mal, wenn es im Spital nicht so gut läuft, kommen Rücktrittsforderungen. Kaum jemand Aussenstehendes ist so nahe am Geschäft, um die Situation beurteilen können. Ich würde es lieber anders hören, aber das ist auch Politik, über der man stehen muss.

Sie wurden 2012 ins Amt gewählt und sind Mitte 2018 für vier Jahre bestätigt worden. Wollen Sie bis zum Ende der Amtsperiode Mitte 2022 noch VR-Präsident bleiben?
Reinhard Giger: Es wäre vorgesehen gewesen, dass ich nach der rechtskräftig gewordenen Fusion zurücktreten würde. Das wäre auf Ende letzten Jahres gewesen. Mit den bekannten Verzögerungen dauert es nun noch ein knappes Jahr länger –  also ja, bis zum Ende der Amtsperiode.

« Ich habe keine Veranlassung zur Annahme, dass das Vertrauen gestört sein sollte. »

Reinhard Giger, Verwaltungsratspräsident Spital Uster

Verschiedene Spitaldelegierte fühlten sich vor den Kopf gestossen, war ihnen kurz zuvor doch noch versichert worden, dass alles auf Kurs sei. Geniessen Sie beide noch das Vertrauen der Delegierten?
Reinhard Giger: Wir haben in der Zwischenzeit eine Onlineinformationsveranstaltung durchgeführt. Es herrschte eine gute Stimmung. Daher habe ich keine Veranlassung zur Annahme, dass das Vertrauen gestört sein sollte. Die Delegierten konnten meine Erläuterungen nachvollziehen.

Andreas Greulich: Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Delegierten mit den Informationen zufrieden sind. Es stellt sich die Frage, wie engmaschig sie in solchen Phasen begleitet werden. Wir leben in Zeiten, in denen sich Situationen innerhalb von einer oder zwei Wochen komplett verändern können. Aber klar, ich konnte aufgrund der vorgefunden Situation bei meinem Stellenantritt und der Veränderungen durch Covid im 2020 keine grossen Erfolge vermelden.

« So wie der Turnaround jetzt läuft, zeigt sich, dass wir es in Uster auch alleine schaffen. »

Reinhard Giger, Verwaltungsratspräsident Spital Uster

Die Fusionsabsicht wurde fallen gelassen mit der Begründung, dass das Vorhaben « stark risikobehaftet »  sei. Befänden Sie sich nun in grösseren Problemen, wenn die Fusion wie eigentlich geplant im Mai 2020 vom Volk angenommen worden wäre?
Reinhard Giger: Das ist nachträglich schwierig zu sagen. Wir konnten nicht ahnen, dass Covid-19 derartige finanzielle Auswirkungen auf die beiden Spitäler haben wird. Ich glaube noch immer, dass die Fusion die bessere Lösung gewesen wäre, als dass beide alleine in die Zukunft gehen. Beide Lösungsansätze sind grundsätzlich machbar gewesen. So wie der Turnaround jetzt läuft, zeigt sich, dass wir es in Uster auch alleine schaffen. Mit Wetzikon wollen wir weiterhin in Bereichen zusammenarbeiten, wo Synergien genutzt werden und uns auf gewisse Schwerpunkte konzentrieren. Uns ist wichtig, der Bevölkerung gemeinsam auch in Zukunft eine breite Grundversorgung bieten zu können.

Ist es richtig, dass die Ustermer die Fusion eigentlich noch gewollt hätten, aber den Wetziker Spitalverantwortlichen die Sache zu heikel wurde angesichts des angeschlagenen Ustermer Partners?
Reinhard Giger: Das kann unter Umständen für das subjektive Empfinden eine Rolle gespielt haben. Für uns ging es einfach darum, dass wir den Fusionsprozess zu einem Abschluss bringen, auch im Interesse der Mitarbeitenden. Die Diskussion mit Wetzikon wurde unter Berücksichtigung aller Umstände so geführt, dass die verschobene und dann auf Juni 2021 geplante Volksabstimmung aus verschiedensten Gründen, auch politischen, so nicht durchgeführt werden könne. Zudem stand die Überarbeitung der interkommunalen Vereinbarung nochmals im Raum. Somit wäre die Abstimmung bis weit ins 2022 verschoben worden. Das wollten wir uns allen und vor allem den Mitarbeitenden, die durch die Fusionsvorbereitung und Unsicherheit deutlich mehr belastet waren, nicht mehr zumuten.

Wie ist die Absage der geplanten Fusion bei den Angestellten des Spitals Uster angekommen?
Reinhard Giger: Wegen Covid-19 setzen wir auf Videokommunikation. Daher konnte ich mich dennoch mit einer persönlichen Nachricht an die Mitarbeitenden wenden und ihnen die Situation erklären – und habe darauf positive Rückmeldungen erhalten. So wie ich das beurteilen kann, sind sie froh, jetzt wenigstens zu wissen, in welche Richtung es geht.

Andreas Greulich: Für die Mitarbeitenden geht es tatsächlich weniger um die Frage, ob ja oder nein, sondern sie wollten vor allem eine Entscheidung, die die Unsicherheit beendet. Sie sind erleichtert über die jetzige Klarheit.

« Wenn sich unsere Ziele mit Fakten unterlegen lassen, kommt auch das Vertrauen wieder zurück. »

Reinhard Giger, Verwaltungsratspräsident Spital Uster

Und wie steht es um die Motivation der Mitarbeitenden angesichts der schwierigen Situation, in der sich das Spital Uster befindet?
Andreas Greulich: Bei all den jüngsten Negativschlagzeilen über das Spital Uster ist es mir wichtig hier festzuhalten, dass in den letzten Monaten ein ganz anderer Schwung ins Haus gekommen ist. Wir haben gesehen, was alles machbar ist. Unser Betriebskonzept für ein Impfzentrum in Dübendorf war hervorragend. Die Gesundheitsdirektion bescheinigte uns, dass dieses sogar das am besten ausgearbeitete Konzept gewesen sei. Das Impfzentrum scheiterte nur wegen der Standortfrage. Aber wir bleiben dran. Die Mitarbeitenden haben in den letzten Monaten bis zur Erschöpfung alles gegeben, um die Region gut durch die Pandemiezeit zu bringen. Das ist eine Leistung, die wir wertschätzen und verdanken.  

Reinhard Giger: Was die Mitarbeitenden und die Spitalleitung in diesem Jahr mit der zusätzlichen Doppelbelastung Covid und Fusionspläne geleistet haben, ist bemerkenswert. Ich buhle im Moment nicht ums Vertrauen, sondern wir wollen beweisen, die gesetzten Zahlen erreichen zu können und zu zeigen, was dieses Spital alles kann. Wenn sich unsere Ziele mit Fakten unterlegen lassen, kommt auch das Vertrauen wieder zurück. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir das schaffen werden. 

Im 2019 schloss das Spital mit einem Minus von 6,7 Millionen Franken ab  gegenüber Budget gar mit 12 Millionen weniger. Die schwierige finanzielle Lage setzte sich im 2020 fort. Immerhin bekundeten Sie im Dezember erste Erfolge auf dem Weg zum Turnaround. Ist dieser nun definitiv geschafft? 
Andreas Greulich: Der Turnaround – dass wir wieder in den schwarzen Zahlen sind – besteht ja aus zwei Teilen: den Kosten und den Erträgen. In diesen Covid-Zeiten haben wir auf der Ertragsseite nach wie vor Unsicherheiten. So müssen wir die Vorhalteleistungen für Covid-Patienten erbringen und eine Station freihalten. Angesichts der Fallzahlen in unserer Region ist das nicht einfach zu steuern.

« Unter dem Strich braucht es weniger als die bisher 200 Betten und damit auch weniger Pflegepersonal. »

Andreas Greulich, Spitaldirektor Uster

Der relevante Teil ist aber die Kostenthematik. 2019 habe ich die Situation angetroffen, dass die Kosten massiv anstiegen, was auch einen grossen Teil der Budgetüberschreitungen ausmachte. Seit Mitte 2020 haben wir von der Spitalleitung her Massnahmen eingeleitet, um die Kosten – vor allem Personalkosten –  zu senken. Konkret steht ein Weg im Vordergrund: die Verkürzung der Verweildauer der Patienten. Im Vergleich zu anderen Spitälern liegen wir da zu hoch. Wir konnten die Verweildauer bereits reduzieren. Aktuell weisen wir im Januar einen Tag weniger aus als noch im vergangenen Sommer. Dies ist möglich gewesen, ohne beim Patientenwohl irgendwelche Abstriche vornehmen zu müssen. Bei 10‘000 Patienten jährlich macht eine solche Reduktion punkto Auslastung viel aus. Unter dem Strich braucht es weniger als die bisher 200 Betten und damit auch weniger Pflegepersonal. Das gilt abgeschwächt auch für die Ärzteschaft und andere Berufsgruppen. Unsere Januarzahlen zeigen uns bereits, dass wir unser Einsparziel erreichen. Fürs laufende Jahr rechnen wir mit 4,5 Millionen weniger oder nur noch 100 Millionen Franken Personalkosten. Das hilft uns bei den Fallkosten, die so natürlich auch gesenkt werden können.

Spital Uster hat die höchsten Fallkosten

21.07.2020

Gegenläufige Entwicklung zum Kanton

Die durchschnittlichen Fallkosten der Zürcher Spitäler sind im 2019 um 1,8 Prozent gesunken. Beitrag in Merkliste speichern Wo wird das Spital Uster bei den Fallkosten zu liegen kommen?
Andreas Greulich: Es ist noch etwas früh, genau sagen zu können, wo wir Ende Jahr stehen werden. Aber wir sollten wieder ins Mittelfeld zurückkommen. Und im 2022 wollen wir weitere 1,7 Millionen Franken bei den Personalkosten einsparen. Die Einsparungen werden nicht alleine durch Personalabbau erreicht. Auch die Personalnebenkosten sind von Belang. Das ist einerseits externes Personal, das wir früher viel eingekauft haben, was aber teurer ist.  Andererseits sind das auch Anpassungen bei Versicherungen, die schnell einmal ein paar Hunderttausend Franken ausmachen können. Wir haben eine Liste, die wir nun abarbeiten. Bis Ende 2022 sollten wir mit dieser Kostenstruktur sogar wieder im vorderen Drittel zu liegen kommen.   

« Alles konnte über Fluktuation abgewickelt werden. »

Andreas Greulich, Spitaldirektor Uster

Wurden Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen ausgesprochen?
Andreas Greulich: Nein, wir haben keine entsprechenden Kündigungen ausgesprochen. Alles konnte über Fluktuation abgewickelt werden. Es ging um den Abbau von Überkapazitäten. Diese Massnahmen setzen wir nun gezielt schon seit August 2020 um.

Wie viele Stellen sind gestrichen worden oder anders gefragt: Wie sah der Personalbestand Anfang 2020 und wie sieht er jetzt aus?
Andreas Greulich: Es dürften etwa 30 bis 35 Stellen weniger sein, so dass wir jetzt bei rund 800 Vollzeitstellen liegen.

Wie hoch wird das Minus im 2020 ausfallen?
Andreas Greulich:Das lässt sich noch nicht genau sagen, da die finalen Zahlen noch nicht vorliegen. Mein Vorgänger plante seinerzeit noch mit einem Gewinn von 4 Millionen Franken. Diese Einschätzung lässt sich wohl nur schwer realisieren. So rechneten wir im Businessplan im letzten Herbst mit einem Verlust von 12,5 Millionen. Dort dürften wir in etwa zu liegen kommen. Alleine der Ertragsausfall beträgt Covid-bedingt fast 10 Millionen Franken. Zwar wird davon ein kleiner Teil durch die Gesundheitsdirektion ausgeglichen, aber den grossen Teil müssen wir selbst tragen.

Konnten denn die Operationen, die während des ersten Lockdown verschoben werden mussten, nicht nachgeholt werden?
Andreas Greulich: Nein, ein Aufholen der abgesagten Operationen war nicht möglich. Einzelne Patienten wichen auf private  Klinken aus, andere verschoben ihren Termin in der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Und wie sieht die Prognose fürs laufende Jahr aus?
Andreas Greulich: Im Budget rechnen wir mit einer schwarzen Null. Bei der Kostenstruktur sind wir auf Kurs. Schwer einschätzbar ist aber, wie stark sich Covid weiterhin finanziell auswirken wird. Immerhin können wir jetzt zwar Operationen durchführen, doch es stellt sich die Frage, ob die Patienten bei geplanten Eingriffen nicht zurückhaltender sind. Kommt erschwerend hinzu, dass unsere Leistungsfähigkeit teilweise eingeschränkt ist durch Personal, dass sich Isolation oder Quarantäne befindet. Unsere Operationssäle waren im Januar sehr gut ausgelastet. Das stimmt uns zuversichtlich.

Wie hoch ist das Sparpotenzial, das sich aus einer intensivierten Zusammenarbeit mit dem Spital Wetzikon ergeben kann?
Reinhard Giger: Das lässt sich nicht einfach beziffern, zumal wir hier auch noch am Anfang mit den Kooperationsprojekten stehen. Wir müssen im Hinblick auf die Spitallistenbewerbung beurteilen, ob sich gewisse Aufgaben konzentrieren lassen und so Schwerpunkte pro Spital gesetzt werden können, auch um die Mindestfallzahlen zu erreichen. Ideal wäre eine Win-Win-Situation für beide Spitäler.

Andreas Greulich: Wir haben verschiedene Leistungsbereiche identifiziert, bei denen es eine Absprache geben könnte.

Soll sich etwas beim Auftrag im Rahmen der Spitalplanung ändern?
Andreas Greulich: Schon recht konkret ist die Zusammenarbeit in der Urologie. Doktor Markus Dubs, der hiesige Chefarzt übernimmt die Leitung der Urologie auch in Wetzikon und wird dort operieren. Damit zählen auch die operateurbezogenen Eingriffszahlen für ihn. Umgekehrt wird ein Operateur aus Wetzikon mit unserem Da-Vinci-Roboter Eingriffe vornehmen. Ein anderes Beispiel ist die Geriatrie. Dieser Fachbereich wird in Zukunft immer wichtiger und den wollen wir weiter ausbauen.

« Früher kam es vor, dass Eingriffe vorgenommen wurden, die nicht vergütet wurden. »

Reinhard Giger, Verwaltungsratspräsident Spital Uster

Müssen wegen des Sparprogramms Abstriche beim Leistungsauftrag gemacht werden, für den sich das Spital nun bewirbt?
Reinhard Giger: Das sehe ich im Moment nicht als Lösung. Wir wollen in erster Linie die Aufenthaltsdauer reduzieren. Es sollen auch nur die notwendigen Behandlungen vorgenommen werden, die durch die Krankenkasse entschädigt werden oder für die es eine Abgeltung für stationäre Patienten gibt. Früher kam es vor, dass Eingriffe vorgenommen wurden, die nicht vergütet wurden, weil wir dafür keinen Leistungsauftrag oder Zertifizierung hatten. Dann musste das Spital diese selbst tragen.   

« Wir haben keine stabile Trägerschaft. »

Reinhard Giger, Verwaltungsratspräsident Spital Uster

Nach dem Nein zur Spitalfusion bleibt es bei der Rechtsform Zweckverband. Wegen dieser Organisationsform sind in den letzten Jahren auch schon Gemeinden abgesprungen. Gibt es unter den zehn verbliebenen Verbandsgemeinden weitere Kündigungsgelüste?
Reinhard Giger: Konkret sind mir keine bekannt. Aber das Problem besteht realistischerweise. Wir haben keine stabile Trägerschaft. Jede Gemeinde kann kurzfristig über einen Austritt entscheiden und würde dem Zweckverband damit Eigenkapital entnehmen. Das ist eine unbefriedigende Situation, die auch Planungsunsicherheit mit sich bringt. In der interkommunalen Vereinbarung wäre vorgesehen, dass bei einem Nichtzustandekommen einer Fusion – zwar unter anderen Annahmen als jetzt –  wenigstens die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft erfolgen würde. Dieser Passus ist von der Delegiertenversammlung und den Exekutiven respektive Parlamenten aller Trägergemeinden so angenommen worden. Im Verwaltungsrat und mit den Delegierten müssen wir daher zeitnah darüber diskutieren, wie es nun weitergehen soll. 

Während auf der linken Seite nach der Fusionsabsage ein Time-out bei der Rechtsform verlangt wird, setzt die bürgerliche Seite weiterhin auf die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Eine solche Rechtsform verbessere die finanzielle Sicherheit der heutigen Zweckverbandsgemeinden. Wann legen Sie die nächste Vorlage zur Umwandlung der Rechtsform vor?
Reinhard Giger: Wenn es nach mir ginge, sollten wir das noch in dieser Amtsperiode schaffen.

Welche Bedenken haben Sie?
Reinhard Giger: Angesichts der Tatsache, dass alle Delegierten, Exekutiven und Parlamente dazu schon einmal ja gesagt haben, darf dieses Vorhaben erneut offen diskutiert werden. Mit den linken Parteien würden wir nochmals das Gespräch suchen. Schon bei der interkommunalen Vereinbarung und den Verträgen sind wir den Bedenken von dieser Seite weitgehend entgegengekommen. Die Umwandlung in eine AG beinhaltet immer auch einen ideologischen Aspekt. Es gilt alle davon zu überzeugen, dass diese Rechtsform für die Zukunft des Spitals die geeignete ist. In letzter Zeit haben alle Spitäler, die eine Rechtsformänderung vorgenommen haben, sich zu einer AG umgewandelt.

« Bei der ersten Bauetappe sind wir weitestgehend im Plan. »

Andreas Greulich, Spitaldirektor

Die erste Etappe des Spital-Aus- und Umbaus ist im letzten Jahr gestartet worden. Wird sie wie geplant in einem Jahr abgeschlossen sei?
Andreas Greulich: Bei der ersten Bauetappe sind wir weitestgehend im Plan.

Reinhard Giger: Auch hinsichtlich Kosten. Wir werden die 37 Millionen Franken einhalten können und liegen in der Endkostenprognose leicht unter Budget.

Im November 2016 bewilligten die Stimmberechtigten 349 Millionen Franken für das Gesamtvorhaben. Wie werden die zweite und dritte Etappe, die ja auch geplant sind, aussehen?
Andreas Greulich: In den neuen Businessplan bereits eingeflossen ist die Kostenreduktion des gesamten Bauvorhabens auf 265 Millionen Franken. Da stehen konkrete Massnahmen dahinter: So wird die ursprünglich eigenständige dritte Etappe in die zweite integriert und anders gestaltet. Die Idee ist, diese Summe nochmals weiter nach unten zu korrigieren. Jede Millionen, die wir weniger ausgeben müssen, bringt uns mehr Sicherheit für die Zukunft, da das Budget auch bei den Abschreibungen entlastet wird.

Wurden inhaltlich schon starke Abstriche vorgenommen?
Andreas Greulich: Auch hier ist der Aspekt einer idealen Bettenkapazität und -auslastung von grosser Bedeutung. In den Überlegungen von 2014 sah die Welt noch ganz anders aus. Damals waren die Struktur und die Rahmenbedingungen noch anders und auch die Devise « ambulant vor stationär »  existierte noch nicht. Es wurde von einem viel stärkeren Zuwachs im stationären Bereich ausgegangen. So kam auch ein viel höherer Bettenbedarf zustande. Eine Möglichkeit zur Entlastung des Baubudgets ist beispielsweise, im neuen Bettenhaus einen Stock weniger zu realisieren. Oder aber Betten im Altbau werden nicht mehr benötigt und es können Stockwerke vermietet werden. Wir werden uns in diesen Monaten darüber klar, was wir umsetzen wollen. Und wenn der Entscheid des Bundesgerichts zum Gestaltungsplan vorliegt, wollen wir zügig weitermachen.

« Wir gehen in der Zielplanung von etwa 2000 stationären Patienten weniger aus. »
Reinhard Giger, Verwaltungsratspräsident Spital Uster

Reinhard Giger: Wir gehen inzwischen in der Zielplanung von etwa 2000 stationären Patienten weniger aus als damals. Das hat nicht nur einen Einfluss auf die Bettenzahl, sondern auch auf die Anzahl Behandlungsräume, Operationssäle etc. So kommen wir mit einem geringeren Bauvolumen aus.

Lässt sich angesichts der Geldknappheit der Ausbau überhaupt finanzieren?
Reinhard Giger: Im Businessplan für den Alleingang, den wir in der zweiten Hälfte von 2020 ausgearbeitet haben, hat sich auch in der Überprüfung durch den Wirtschaftsprüfer gezeigt, dass ein Betrieb mit einem Investitionsvolumen von 250 Millionen Franken finanzierbar sein sollte. Sobald Klarheit darüber besteht, was wir für die Zukunft bauen wollen, werden wir an den Finanzmarkt gehen. Es gibt einen ganzen Strauss an Möglichkeiten, vom Kredit über Anleihen bis zu Private Placement. Die Signale von Banken aufgrund des in den letzten Monaten erreichten Turnarounds zeigen, dass sie offen sind, mit uns wieder zu diskutieren.

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