Morgens um 7 Uhr in Uster sein Kind zur Betreuung übergeben
Die Betreuung der Ustermer Primarschülerinnen und -schüler soll ausgebaut werden. Über eine entsprechende Weisung hat der Gemeinderat an seiner Sitzung am Montagabend entschieden. Dabei stellt sich die Primarschulpflege auf das Volksschulgesetz. Laut diesem verpflichten sich die Gemeinden zwischen 7.30 Uhr und 18 Uhr ein dem tatsächlichen Bedarf entsprechendes Angebot an Tagesstrukturen zur Verfügung zu stellen.
Wie die Schule zu dem Geschäft schreibt, wird heute in Uster die schulergänzende Betreuung über Mittag sowie am Nachmittag angeboten. «Für die Zeit von 7.30 Uhr bis zum Schulbeginn um 8.15 Uhr besteht bis anhin noch kein Angebot», heisst es weiter.
«Endlich! Was die Primarschule jetzt doch einführen will, ist mehr als überfällig.»
Ursula Räuftlin (GLP), Gemeinderätin Uster
Gemeinderätin Ursula Räuftlin (GLP) machte diesen Mangel anhand des Schuleintritts ihrer ältesten Tochter vor 15 Jahren fest, der deswegen «enorm erschwert» gewesen sei. «Endlich! Was die Primarschule jetzt doch einführen will, ist mehr als überfällig», sagte Räuftlin.
Wann mit Z’Morge?
Die Diskussion war denn auch nicht, ob es einen Ausbau dieses Angebot braucht, sondern wie schnell. Im ursprünglichen Antrag der Primarschulpflege wäre das Angebot mit Frühstück erst ab Schuljahr 2024/25 realisiert und vorher ein Jahr ohne Z‘Morge angeboten worden, wo die Kinder erst ab 7.30 Uhr empfangen worden wären.
Für Gemeinderat Markus Wanner (SP) ist die Primarschulpflege mit dieser Einführung in zwei Schritten «etwas zögerlich». Das mache keinen Sinn, sei ein grösserer administrativer Aufwand und führe zur Verwirrung bei den Eltern.
RPK drückt aufs Tempo
Dagegen wollte die Rechnungsprüfungskommission (RPK) mit einem Antrag das Frühstücksangebot schon ab Schuljahr 2022/23 implementieren. Auch sollen die Kinder ab kommendem Jahr ab 7 Uhr betreut werden. Dazu soll ein jährlich wiederkehrender Kredit in der Höhe von 302’000 Franken brutto gesprochen werden. Rund die Hälfte dieses Betrags würde mit jährlichen Elternbeiträgen beglichen. Der Antrag der RPK ging somit weiter als derjenige der Primarschulpflege.
«Wir beschliessen heute über einen Bruttokredit, nicht über diese zehn Franken.»
Markus Wanner (SP), Gemeinderat Uster
In deren Variante wäre für das Schuljahr ohne Frühstück erstmal nur ein Kredit von 153’000 Franken brutto, beziehungsweise 64’000 Franken netto mit Elternbeiträgen, nötig gewesen. Danach käme der Kredit ebenfalls auf 302‘000 Franken zu liegen.
Teurer als Zürich
Zu reden gaben in der vorberatenden Kommission für Bildung und Kultur (KBK) offenbar die Tarife. Zehn Franken pro Kind und Tag mit Frühstück müssen die Eltern beisteuern. Wie Wanner ausführte, seien die KBK-Mitglieder erstaunt gewesen, als sie hörten, dass das gleiche Angebot in Zürich nur drei Franken koste. Die zehn Franken seien nicht nachvollziehbar. Da gebe es Handlungsbedarf. «Doch wir beschliessen heute über einen Bruttokredit, nicht über diese zehn Franken», sagte Wanner.
«Es braucht eine Balance, Wir glauben, diesen Mittelwert bei zehn Franken gefunden zu haben.»
Patricia Bernet (SP), Stadträtin Uster
Primarschulpräsidentin und Stadträtin Patricia Bernet (SP) verteidigte den Tarif. «Wir haben versucht einen Tarif zu finden, der für Uster angemessen ist.» Zu hoch oder zu tief, sei nicht gut. «Es braucht eine Balance, Wir glauben, diesen Mittelwert bei zehn Franken gefunden zu haben», sagte Bernet. «Mit Zürich wollen wir uns nicht vergleichen.»
Dass die Primarschule das Angebot in zwei Etappen einführen wollte, sei aufgrund der Unsicherheit in Zusammenhang mit Corona zurückzuführen, so Bernet. Wegen des Virus wisse man nicht, wie sich der Bedarf der Eltern für die Morgenbetreuung entwickle.
Weder Fisch noch Vogel
FDP-Gemeinderat Marc Thalmann sagte, dass das Angebot ab 7.30 Uhr «weder Fisch noch Vogel» gewesen wäre. Hingegen werde das Angebot ab 7 Uhr mit Frühstück den Bedürfnissen gut gerecht.
«Was das die Stadt Uster und damit die Steuerzahler letztlich kostet, scheint der Primarschule egal.»
Anita Borer (SVP), Gemeinderätin
Gänzlich dagegen war Anita Borer. Für die SVP-Gemeinderätin geht das Angebot über das gesetzliche Mass hinaus. Statt Erfahrungen mit der gesetzlich vorgeschriebenen Variante zu sammeln, werde gleich «mit der grossen Kelle angerührt», sagte Borer. «Was das die Stadt Uster und damit die Steuerzahler letztlich kostet, scheint der Primarschule egal.» Dabei sei die Hauptaufgabe der Schule die Wissensvermittlung. Ausserdem würden mit dem Angebot der Primarschule private Anbieter konkurrenziert und geschwächt, monierte Borer.
Schritt zur Gleichstellung
In der Schlussabstimmung sprach sich das Parlament mit 21 zu 8 Stimmen für den Antrag der RPK aus. Ebenfalls gutgeheissen wurde der dazugehörige Kredit für die Vorbereitungsarbeiten zur Einführung der Morgenbetreuung von 17‘800 Franken. Somit können die Ustermer Eltern ihre Kinder ab Schuljahr 2022/23 um 7 Uhr zur Morgenbetreuung übergeben.
Für Ursula Räuftlin passte es gut, dass fast auf den Tag genau 50 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz «in Uster über etwas abgestimmt wird, das für die berufliche Gleichstellung so wichtig ist.»
Die weiteren Geschäfte der Gemeinderatssitzung
Die Interpellation «Steigerung der Ustermer Solarstromproduktion» von Andreas Pauling (Grünliberale) wurde mit 27 Stimmen unterstützt. Damit wurde das Quorum von 12 Stimmen erreicht und der Stadtrat muss schriftlich auf Paulings Fragen antworten.
Die Bauabrechnung zum Neubau Schulhaus Krämeracker inklusive Zusatzkredit wurde mit 32 Stimmen genehmigt.
