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Der Kampf gegen die Strasse neben der Bluetmatt

Rund 500 Meter lang soll sie werden, die Neue Greifenseestrasse durchs Näniker Grossriet. Den Bau der Verbindung wollen die Ustermer Grünen verhindern und lancieren den Abstimmungskampf an einem geschichtsträchtigen Ort.

Rund 200 Meter neben der Gedenkstätte auf der Bluetmatt soll die Neue Greifenseestrasse durchführen., Der Grüne Ustermer Gemeinderat Patricio Frei (Mitte) hat sich den Kampf gegen das Strassenvorhaben auf die Fahne geschrieben., Rund 500 Meter lang soll die Verbindungsstrasse werden., Unter dem Grossriet ist das Grundwasservorkommen sehr mächtig., Im Guntenbach hat der Naturfachmann Daniel Hardegger sogar Bergmolche gefunden., Daniel Hardegger erklärt den Teilnehmern die Tierwelt im Grossriet, zu der auch Falken und Milane gehören.

Seraina Boner

Der Kampf gegen die Strasse neben der Bluetmatt

Auf der Näniker Bluetmatt steht an diesem Sonntag ein kleines Grüppchen. Dort, wo vor bald 600 Jahren die Verteidiger von Greifensee nach ihrer Kapitulation von einem Innerschweizer Heerhaufen massakriert worden sind.

Die paar Seelen neben dem düsteren Denkmal tragen Masken und sind gut eingepackt, um sich gegen Wind und Regen zu schützen: So sieht der Auftakt zu einem Abstimmungskampf in Coronazeiten aus. Die Ustermer Grünen wollen ihren beiden Initiativen, die am 7. März an die Urne kommen, Aufmerksamkeit verleihen. Ihr Kampf soll von Erfolg gekrönt sein, anders als damals jener der Greifenseemer im Alten Zürichkrieg.   

Doppelstoss mit zwei Initiativen

Das Ziel der beiden Vorlagen ist die Verhinderung der Neuen Greifenseestrasse, die mitten durchs Näniker Grossriet führen soll. Während sich die eine direkt gegen die geplante Strasse richtet, geht die andere noch weiter. Das Gebiet zwischen dem Dorf Nänikon und der geplanten Strasse liegt in der Reservezone. Die Grünen wollen die rund 28 Hektaren aber zum Landwirtschaftsland machen und damit auch eine Überbauung in ferner Zukunft verunmöglichen.

Und so erfahren die ausgewählten « VIPs »  – aufgrund der Corona-Restriktionen konnten die Grünen nur eine Handvoll Leute zur Führung einladen,  dass der Grund für die beiden Initiativen der Kanton ist, der die Planung der Verbindungsstrecke vorantreibt.

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2010 bewilligte der Kantonsrat einen Kredit für den Bau der Neuen Greifenseestrasse, einzig die Grünen lehnten diesen ab. Noch 2016 hatte der Ustermer Stadtrat erreicht, dass die ursprünglich als Überlandstrasse konzipierte Verbindung zwischen der Greifensee- und der Zürichstrasse redimensioniert wurde.

Doch auch das zwei Jahre darauf vorgelegte überarbeitete Vorprojekt fand nicht überall Gefallen. Naturschützer und Anwohner sehen durch die rund 500 Meter lange Strasse wertvolles Kulturland bedroht und die Gemeinde Greifensee befürchtet massiven Mehrverkehr. Einzig die Volketswiler sehen in der Verbindung einen Vorteil, erhoffen sie sich doch eine Entlastung des Industriegebiets, sodass die Busse nicht mehr so oft im Stau stecken bleiben.

Stadtrat schwenkt um

Auch der Ustermer Stadtrat konnte in neuer Zusammensetzung mit links-grüner Dominanz dem Vorhaben nicht mehr so viel abgewinnen. Vorläufig – und das hiess 2018 nicht innert der nächsten 20 Jahre – werde die Strasse auch nicht für eine Erschliessung des Gebiets benötigt.

Die Ustermer Grünen wollten sich aber auch nicht mit einem Aufschub zufriedengeben, sondern wollen mit ihren Initiativen nun neue Fakten schaffen.

Fünf Gründe

Die fünf Gründe für die beiden Vorlagen hören die Auserwählten beim grossen Gedenkstein von Patricio Frei, Ustermer Gemeinderat der Grünen: « Es geht um den Erhalt des Kulturlandes für Weide und als Ackerland. Zudem ist dieses Gebiet als Naherholungsgebiet wichtig. Für viele Tiere und Pflanzen bietet das Grossriet einen Lebensraum und es ist auch ein Vernetzungsgebiet vom Hardwald zum Greifensee. »

Ausserdem befinde sich ganz in der Nähe eine bedeutende regionale Trinkwasserfassung: « Niemand kann sagen, was mit dieser Fassung geschehen würde, wenn die Strasse und eine Überbauung käme » , meint Frei. Und schliesslich bringe eine solche Strasse deutlich mehr Verkehr von der Autobahn direkt nach Greifensee, Niederuster, Riedikon und Uster.

Kanton bleibt bei umstrittenen Strassenprojekt unbeweglich

06.11.2020

Neue Greifenseestrasse

Drei Kantonsräte wollten von der Regierung wissen, wie sie zum umstrittenen Projekt Neue Greifens Beitrag in Merkliste speichern Mit den beiden Gegenvorschlägen des Stadtrates können die Initianten wenig anfangen. « Er setzt nur auf die Hoffnung, dass die Strasse aus dem Richtplan gestrichen wird. Dazu ist der Regierungsrat aber nicht bereit, wie eine Anfrage gezeigt hat. »  

Nach Auffassung der Grünen soll die Exekutive sich aber mit allen Kräften für die Streichung einsetzen. Und während sich der Stadtrat die Option einer Überbauung des Gebietes nach 2050 offen halten will, « wollen wir, dass dieses Gebiet nicht angetastet wird. »

Riediker befürchten Mehrverkehr

Auf politischer Ebene stehen die Grünen mit ihrer Haltung ziemlich alleine da. Die anderen Ustermer Parteien setzen auf die Gegenvorschläge des Stadtrates. Im Fall des Gegenvorschlages zur Initiative gegen den Strassenbau geht etwa der FDP und der SVP auch dieser zu weit.

Wie Frei betont, gebe es aber Unterstützung von Anwohnern und auch von den betroffenen Bauern. Und auch Quartiervereine wehren sich. Vom Ortsverein Riedikon ist an der Führung auch dessen Präsident Enrico Müller anwesend: « Wir haben das Problem des Verkehrsaufkommens. Wir haben jetzt zwischen 13‘000 und 17‘000 Autos pro Tag. Mit dieser Strasse würden das sicher noch mehr. Wir wehren uns ja auch gegen die Planung der Riedikerstrasse und haben eine Initiative lanciert. Bis heute, eineinhalb Jahre später, haben wir noch nichts dazu gehört. »   

Im Reich der Goldammern

Um zu demonstrieren, wie wichtig das Grossriet für die Tier- und Pflanzenwelt ist, führt der Naturfachmann Daniel Hardegger das Grüppchen zum Guntenbach, der das nahe Grossriet speist. « Es ist zwar jetzt nicht gerade die ideale Jahreszeit für eine solche naturkundliche Begehung » , gibt Hardegger zu.

Doch im vergangenen Juni hätten sie auf diesem teilweise intensiv genutzten Landwirtschaftsgebiet doch einige Besonderheiten gefunden. Dazu gehören etwa Bergmolche, « die hier nicht zu erwarten wären. »  Dann beobachteten sie auch Turmfalken und Milane, Störche, den Grünspecht oder Goldammern. Und wie um ihre Präsenz hier zu unterstreichen, zeigen sich den Zuhörern auf dem Weg zum Riet gleich drei Exemplare.

Diese Vögel gehören zu den Leitarten, die ein guter Indikator sind für den Zustand der Biodiversität. Egal, wie die Abstimmungen am 7. März ausgehen werden, dürften sie sich noch mehrere Jahrzehnte hier ungestört tummeln können.  

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