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Eine Pfarrerin aus Kanada zieht es zur Kirche Mönchaltorf

Mit Rebecca Giselbrecht hat Mönchaltorf eine designierte Pfarrerin, die zuletzt in Kanada eine Kirchgemeinde betreute. Sie zieht das Dorf einer Weltstadt vor, den Status als Pfarrerin wird ihr aber von der Landeskirche nur für ein Jahr gewährt.

Die angehende Pfarrerin Rebecca Giselbrecht stand bis Ende Jahr noch regelmässig an der kanadischen Pazifik-Küste., Rebecca Giselbrecht verbringt ihre Freizeit am liebsten in der Natur., Die Naturliebhaberin muss sich nun mit dem Greifensee begnügen – dem grössten Gewässer in der Region., Ihr neuer Arbeitsort ist, soweit es die Corona-Schutzmassnahmen zulassen, die Kirche Mönchaltorf.

Nicolas Zonvi

Eine Pfarrerin aus Kanada zieht es zur Kirche Mönchaltorf

Rebecca Giselbrecht wohnte bis vor kurzem noch in der kanadischen Provinz British Columbia. Dort war sie Pfarrerin. Das änderte sich aufs Jahresende hin: Giselbrecht meldete sich auf die offene Stelle in Mönchaltorf und wurde nun von der Pfarrwahlkommission als künftige Pfarrerin von Mönchaltorf nominiert. Erstmal tritt sie als Stellvertreterin die Nachfolge von Pfarrer Martin Peier an, der ebenfalls als Stellvertreter arbeitete (siehe Box).

Sie habe sich immer wieder mal die Stellenanzeigen der Schweiz studiert und sei dabei auf das Inserat gestossen, sagt Giselbrecht. Nach dem positiven Bescheid der Pfarrwahlkommission und Landeskirche Zürich, hat sie sich mit einem Youtube-Video bei der Kirchgemeinde vorgestellt.

«Es war ‹strange›, nach drei Jahren Englisch wieder Schweizerdeutsch zu sprechen.»

Rebecca Giselbrecht, stellvertretende Pfarrerin Mönchaltorf

Aber offensichtlich nicht aus Mönchaltorf, sondern von ihrem pittoresken kanadischen Blockhaus am Pazifik. «Um das Video in Mönchaltorf zu drehen, fehlte uns schlicht die Zeit, weil wir bis Ende Dezember noch in Kanada wohnten.»

Dialekt nach drei Jahren Englisch

Es sei ihr völlig klar, dass sie mit solchen Videos nie alle Kirchgemeindemitglieder erreiche. Sie habe aber schon Feedback von Mönchaltorfern darauf erhalten. So sei die Symbolik des Regenbogens und einer Gänseschar als Hoffnung offenbar verstanden worden. «Gänse machen alles zusammen. Auch mir ist es wichtig, meine ganze Kirchgemeinde abzuholen.»

Und auch für ihre Wortwahl sei sie gelobt worden. «Dabei war ich zu Beginn der Aufnahme nervös. Es war ‹strange›, nach drei Jahren Englisch wieder Schweizerdeutsch zu sprechen.»

Geboren in Chicago, geheiratet in Winterthur

Dass Rebecca Giselbrecht den hiesigen Dialekt so gut spricht, kommt nicht von ungefähr. Sie wurde 1959 in Chicago geboren und wuchs als Tochter eines Schweizer Wissenschaftlers und einer amerikanischen Hebamme in den USA und Deutschland auf. Ihr beruflicher Werdegang führte sie immer wieder in die Schweiz. Zehn Jahre arbeitete sie an der Uni Zürich, zuerst als Assistentin am Institut für schweizerische Reformationsgeschichte und dann als Oberassistentin und Dozentin in praktischer Theologie.

Giselbrecht hat einen Master in Theologie, einen zweiten in Missionskunde. Die Promovierung zum Thema Frauen in der Schweizer Reformation führten 2017 zum neusten Fokus – einer Habilitation in Bern. Geheiratet hat die mittlerweile fünffache Mutter ebenfalls in der Schweiz – in Winterthur.

Weltweit hielt sie zahlreiche Vorträge, beispielsweise in Bologna, Los Angeles, Cambridge oder Sydney. Für Giselbrecht sind aber die künftigen Predigten im beschaulichen 4000-Seelen-Dorf Mönchaltorf ein Segen. «Ich bin lieber auf dem Land als in der Stadt. Ich brauche die Natur.» Mittlerweile ist die 62-Jährige in der Region angekommen und wohnt in einem Bauernhaus in Ottenhausen. «Wegen des vielen Schnees konnte ich meinen Lieblingsplatz in der Natur noch nicht ausmachen.»

Sorgen der Mönchaltorfer

Mönchaltorf kennt Rebecca Giselbrecht schon. Sie hatte hier schon als Gastpredigerin in früheren Jahren einen Auftritt. Die Kirchgemeindemitglieder lernt sie in letzter Zeit noch besser kennen. Dafür hat sie selber gesorgt, indem sie ihre Handynummer auf der Internetseite der Kirche angegeben hat.

Etwa sechs «ausgedehnte» Anrufe  führe sie deswegen täglich. «Die Leute wollen mich kennenlernen oder berichten über existenzielle Sorgen in Zusammenhang mit der Pandemie», sagt Giselbrecht.

Sie hoffe, dass sie den persönlichen Kontakt trotz der Corona-Verordnungen zu den Leuten herstellen könne. Dafür hat sie in ihrem Büro im Mönchhof eine Möglichkeit geschaffen, um unter Schutzmassnahmen Personen empfangen zu können.

Unabhängig davon wird die Kirche, bis es eine Lockerung gibt, auf ihren Online-Gottesdienst setzen. Ihr Antrittsgottesdienst vor drei Wochen wurde 184 Mal aufgerufen. Giselbrecht ist sich bewusst: «Auf den digitalen Kanälen fehlt der persönliche Kontakt zu Gemeindemitgliedern, der den Gottesdienst oft ausmacht.»
 

Ein kurzer Auftritt als Pfarrerin 

Rebecca Giselbrecht ist bis 2023 als Stellvertreterin im Gemeindepfarramt Mönchaltorf in einem 80-Prozent-Pensum angestellt. Die zweijährige, begleitete Tätigkeit ist laut Rudi Neuberth, Leiter Personalführung und Personalentwicklung der Reformierten Landeskirche Zürich, eine übliche Übergangszeit. Allen, die das Pfarramt zuvor im Ausland ausgeübt hätten, werde diese Begleitung gewährt. «Das ist nicht als Sanktion gedacht, sondern als Unterstützung», sagt Neuberth. Gemäss ihm soll damit die Einarbeitung in die Besonderheiten der Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich «erleichtert und möglichst optimal gestaltet werden».

Pensionierung im 2024

Giselbrecht habe jedoch von Beginn weg die gleichen Aufgaben und den gleichen Lohn wie eine gewählte Pfarrperson  und werde in ihrer Arbeit von verschiedenen Personen unterstützt. Damit fallen für die Reformierte Kirche zusätzliche Personalstunden an. «Das ist zwar teuer, aber für uns ein erfolgreicher Weg», sagt Neuberth.

Zumindest für Giselbrecht aber ein kurzer, denn sie wird nur ein Jahr gewählte Pfarrerin (2023 stellt sie sich den Kirchgemeindemitgliedern zur Wahl) der Zürcher Landeskirche sein. Grund dafür ist, dass sie im Jahr 2024 als 65-Jährige in Pension gehen muss. Doch für Giselbrecht ist 2024 keineswegs Endstation in der Mönchaltorfer Kirche, sie kann laut Rudi Neuberth über die Pensionierung hinaus als Pfarrerin im Status der Stellvertretung ein Pfarramt bekleiden – gleich wie heute.

Und Rebecca Giselbrecht sagt. «Ob ich nun den Status als Pfarrerin oder als Stellvertreterin habe, spielt keine Rolle. Ich bleibe, solange die Gemeinde mich braucht und unsere Zusammenarbeit für alle stimmt.» (dam)

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