48-Millionen-Projekt steht vor wichtiger Hürde
Es ist ein ambitioniertes Projekt, das der Zürcher Turnverband und der Regionalverband Zürich Tennis auf der bestehenden Sportanlage Dürrbach in Wangen-Brüttisellen realisieren wollen: Ein Zentrum mit 13 Sporthallen sowie diversen Schulungsräumen und Lagerflächen auf drei Etagen. Mehr als 30 Sportarten im Bereich Leistungs- und Breitensport sollen hier ausgeübt werden – auf einer Geschossfläche von 23‘000 Quadratmetern.
Weiter ist eine gastronomische Infrastruktur mit Cafeteria und Buffetstationen geplant. Auch ein Shop sowie ein Sportlager mit 40 Betten sind Teil des Projekts. «Es gibt im Kanton Zürich wohl keinen besseren Standort dafür», sagte Turnverbandspräsident Frank Günthardt an der Medienkonferenz vom Montag.
Eröffnung bereits 2023?
Die Planung dauert schon einige Jahre, in denen das Projekt gewachsen ist und teurer wurde. Ging man einst von Kosten unter 20 Millionen Franken und einem Baustart im Jahr 2017 aus, sind es heute 48 Millionen Franken, und der Baubeginn ist für Ende Jahr vorgesehen. Wenn alles klappt, soll das Zentrum im August 2023 betriebsbereit sein. «Ein sportliches Ziel», räumte der zuständige Architekt Rainer Weibel ein, «aber wir bauen ja ein Sportzentrum.»
Auch wenn die Baubewilligung bereits im Mai erteilt wurde, muss das Projekt noch einige Hürden nehmen. So ist das Vorhaben ohne die Zustimmung aus Wangen-Brüttisellen und Dübendorf nicht zu verwirklichen. Die beiden Nachbarn betreiben an dem Standort bisher schon die Sportanlage Dürrbach mit Dreifachturnhalle sowie Fussballplätzen und Trainingsmöglichkeiten für Leichtathleten über einen gemeinsamen Zweckverband.
«Wir machen da sehr viele Fortschritte, unterschrieben ist aber noch nichts.»
Verwaltungsratspräsident Mark Brunner zur letzten Finanzierungstranche
Dessen Statuten wurden vom Stimmvolk zwar im November an die künftigen Aufgaben angepasst, und das überaus deutlich. Doch das Ganze steht und fällt mit der Leistungsvereinbarung zwischen dem Zweckverband und der Sportzentrum Dürrbach AG, die für die Realisierung und später für den Betrieb verantwortlich sein wird. Über diesen Vertrag stimmen die Verbandsgemeinden am 7. März ab.
Die Finanzierung steht noch nicht
Geregelt ist darin etwa das Finanzielle. «Da sind wir schon sehr weit», sagte Mark Brunner, Verwaltungsratspräsident der Aktiengesellschaft, der auch im Verwaltungsrat von Swiss Tennis sitzt. Aktuell seien 73 Prozent der Kosten gedeckt – durch Gelder von Bund und Kanton und eine Erhöhung der Bankenhypothek.
13 Prozent erhoffen sich die Planer von den Zweckverbandsgemeinden. So ist in der Vereinbarung ein Darlehen von sieben Millionen Franken vorgesehen, und dazu die Finanzierung des Garderobengebäudes für die Aussenplätze, wofür 1,49 Millionen budgetiert sind.
Der Vertrag tritt allerdings erst in Kraft, wenn die Finanzierung gesichert ist. Brunner zeigte sich am Montag zuversichtlich, dass die restlichen 14 Prozent durch Beiträge von Gönnern oder Stiftungen bis Ende März gedeckt sind: «Wir machen da sehr viele Fortschritte, unterschrieben ist aber noch nichts.»
«Wenn wir das selber machen müssten, wäre es deutlich teurer.»
Marlis Dürst (Forum), Gemeindepräsidentin von Wangen-Brüttisellen.
Teil der Vereinbarung ist auch der jährliche Betriebsbeitrag von den Gemeinden an die Aktiengesellschaft von 495‘000 Franken. Sowie die Sache mit dem Baurecht. Aktuell haben die Armasuisse als Inhaberin des Grundstücks und der Zweckverband einen entsprechenden Vertrag. Da die Armasuisse aber nur der öffentlichen Hand ein Baurecht erteilen kann, soll dies über einen Unterbaurechtsvertrag zwischen dem Zweckverband und der Sportzentrum Dürrbach AG geregelt werden.
Einen ersten Stimmungstest hat die Leistungsvereinbarung bereits bestanden. So genehmigte der Dübendorfer Gemeinderat das Papier an seiner Dezember-Sitzung einstimmig – wenn auch nicht kritiklos. Die geplanten 80 Parkplätze seien viel zu wenig, zumal fast die Hälfte davon vermietet werde, sagte etwa Lukas Schanz (SVP).
Architekt Weibel verwies an der Medienkonferenz auf weitere Abstellmöglichkeiten bei der Flugsicherung Skyguide gleich um die Ecke. Auch sei die Anbindung an den öffentlichen Verkehr sehr gut, und zudem werde die Anlage von vielen Nachwuchssportlern frequentiert, die ohnehin zu jung seien für ein Auto, so Weibel. Wenn für Grossanlässe bis zu 1350 Personen anreisten, könnten Zonen im Bereich des benachbarten Militärflugplatzes beansprucht werden. Im Normalbetrieb sollen täglich zwischen 500 bis 650 Sportler das Zentrum besuchen.
Die Behörden sind begeistert
Während Gemeinderat Schanz im Parlament den Stadtrat dafür gerüffelt hatte, nicht mehr aus der Vereinbarung herausgeholt zu haben, stellten sich die anwesenden Behördenvertreter am Montag voll und ganz hinter das Projekt. «Wir sind auf dem richtigen Weg», meinte der Dübendorfer Sicherheitsvorstand Hanspeter Schmid (BDP). Der Wangen-Brüttiseller Liegenschaftenvorstand Marco Bachmann (FDP) sprach von einer Win-win-Situation, da die bestehende Dreifachturnhalle dringend saniert oder gar ersetzt werden müsse.
«Dieses Projekt hat Pioniercharakter.»
André Ingold (SVP), Stadtpräsident von Dübendorf
«Wenn wir das selber machen müssten, wäre es deutlich teurer», sagte Marlis Dürst (Forum), Gemeindepräsidentin von Wangen-Brüttisellen. Sie freute sich, dass neben dem Leistungs- und dem Breitensport auch die örtlichen Sportvereine profitierten. Denn diese hätten im neuen Sportzentrum 50 Prozent mehr Platz zum Trainieren zur Verfügung – und dazu neu auch eine Tribüne.
Der Dübendorf Stadtpräsident André Ingold (SVP) wiederum hob die medizinische Infrastruktur mit Physiotherapie und Ärzten im Sportzentrum hervor. Weiter begrüsste er die Pläne der Kunst- und Sportschule Zürcher Oberland, im Dürrbach eine Filiale zu eröffnen. Ingold zeigte sich überzeugt davon, dass das Sportzentrum eine Ausstrahlung über die Region hinaus haben werde und schwärmte: «Dieses Projekt hat Pioniercharakter.»
