Stadtpreis Uster für einen unbequemen Ortsverein
Für die Stadt ist klar: Die elf Quartiervereine von Uster fördern das Zusammenleben in den Quartieren sowie den Aussenwachten und pflegen die Gemeinschaft. Deswegen übergibt Stadtrat Cla Famos (FDP) am 28. Januar den Vereinen den Engagementpreis, die sich das Preisgeld von 10‘000 Franken teilen müssen (siehe Box) .
Der älteste dieser Ortsvertreter ist der Gemeindeverein Nänikon, der 1931 gegründet wurde. Nänikon ist zudem die bevölkerungsreichste Ustermer Aussenwacht. Für Vereinspräsident Thomas Altenburger ist der Preis «eine grosse Ehre», wie er sagt. Der Verein hat ein zwiespältiges Verhältnis zur Stadt.
Zwar wird auf der Vereinswebseite das Verhältnis zu Uster als «freundnachbarschaftlich» angepriesen, doch müssen die Näniker sich immer mal wieder gegen die grosse Stadt behaupten, wenn sich diese gegen die Interessen des Ortsteils stellt.
Chilbi und Dorfbibliothek von Uster bekämpft
Unlängst wehrten sich die Näniker gegen die Streichung der finanziellen Unterstützung der Bibliothek Nänikon, die das Aus für die öffentliche Dorfbibliothek gewesen wäre. Der Gemeindeverein kämpfte mit einer Petition für die Bibliothek – mit Erfolg. Das Parlament setze den Betrag an der Gemeinderatssitzung im Dezember 2019 mit deutlicher Zustimmung wieder ein.
Auch für die Näniker Chilbi wollte der Stadtrat einst die Beiträge streichen – krebste dann allerdings wieder zurück. Auch in diesem Fall war der Gemeindeverein massgeblich am Umdenken der Stadt beteiligt.
Verein als Anlaufstelle
Vereinspräsident Thomas Altenburger sagt denn auch: «Nänikon hat eine spezielle Beziehung zu Uster.» Und als Verein seien sie immer wieder Anlaufstelle für Anliegen aus der Bevölkerung wie Verkehr, Schulwegsicherheit oder auch Littering.
Der Engagementpreis sei für ihn ein Zeichen, dass es nicht so schlecht sei, was der Gemeindeverein leiste, sagt Altenburger. Als Beispiele nennt er etwa den «Höck» am längsten Tag des Jahres, die Fackelwanderung, den Brunnenblumenschmuck oder das durch den Gemeindeverein initiierte Vereinslokal Klairs, welches für die Näniker ein wichtiger Dorftreffpunkt sei.
Reibereien in Zukunft
Wie andere hatte auch der Gemeindeverein im Coronajahr zu beissen. «Erstmalig in der Vereinsgeschichte musste die Generalversammlung abgesagt werden», sagt Altenburger. Gleiches galt auch für den «Höck» und die Fackelwanderung.
Der Vereinspräsident hat auch schon eine Idee, was mit den rund 909 Franken Preisgeld geschehen könnte. «Damit könnten wir den traditionellen Höck oder die nächste GV mit einem Apéro riche versüssen.» Auch eine andere Verwendung, die allen Nänikern zugutekomme, sei denkbar.
Trotz aller Ehre ist für Altenburger aber klar, dass der Verein sein Engagement für den Ortsteil auch in Zukunft weiterführen wird: «Reiberein mit der Stadt werden auch weiterhin zum Verhältnis zwischen der Stadt Uster und der Aussenwacht Nänikon gehören.»
Preisverleihung im kleinen Rahmen
Die Stadt Uster überreicht am Donnerstag, 28. Januar, abgesehen vom Engagementpreis auch den Sportpreis und den Kunstpreis. Sie sind ebenfalls je mit 10’000 Franken dotiert. Aufgrund der Corona-Schutzverordnung wird die Veranstaltung ausnahmweise in einem kleinen, geschlossenen Rahmen stattfinden, wie die Stadt mitteilt.
Der Sportpreis geht an die 19-jährige Badminton-Spielerin Milena Schnider. Sie gewann auf nationaler Stufe die Bronzemedaille an der Eliteschweizermeisterschaft und auf internationaler Stufe den Achtelfinal an der Junioren-EM. Weiter belegte sie den 1. Platz in der europäischen Rangliste der Juniorinnen im Damendoppel.
Den Kunstpreis erhält Pierre Favre. Er gilt als einer der ganz grossen Perkussionisten und Komponisten Europas und etablierte das Rhythmusgerät als melodisches Soloinstrument. Für viele junge Musiker wurde Favre zu einer prägenden Leitfigur. So auch für den Ustermer Schlagzeuger Lucas Niggli, der 2014 mit dem Kunstpreis ausgezeichnet wurde und dem Favre 2009 nach Uster folgte.
