Veganerin bekam im Spital Wetzikon kaum zu essen
Es war kurz vor Weihnachten, als Gabriela A. notfallmässig ins Spital musste. In der Nacht auf den 17. Dezember wurde ihr im GZO Wetzikon die Gallenblase entfernt.
«Am nächsten Morgen fragte ich die Krankenpflegerin, wie es aussieht betreffend veganer Verpflegung», erzählt die 35-Jährige. «Da hiess es einfach, das gebe es nicht.»
Später sei dann noch eine andere Schwester mit der Menüplanung gekommen. «Sie hat gesagt, es gäbe vegetarisch. Doch ich vertrage keine Milchprodukte. Da schlug man mir Rührei oder Pouletbrust vor.»
«Mich hat schockiert, dass man in Wetzikon allgemein so wenig Ahnung von Ernährung hat.»
Gabriela A., Bäretswil
Sie habe ihren Ohren kaum getraut, erzählt die zweifache Mutter. Sie habe sich zwei Tage nach der Operation selbst entlassen. «Sonst wäre es schwierig geworden.» Zum Glück habe ihr Mann ihr Proteinriegeln und Nüsse gebracht.
Gute Erfahrungen in anderen Spitälern
Gabriela A. ernährt sich seit sieben Jahren vegan. Die gelernte Bäcker/Konditorin befindet sich momentan in der Ausbildung zur ganzheitlichen Ernährungsberaterin.
«Es geht mir nicht einmal so sehr um die vegane Ernährung», sagt sie. «Mich hat schockiert, dass man in Wetzikon allgemein so wenig Ahnung von Ernährung hat.»
Ihrer Zimmernachbarin habe man täglich Fleisch aufgetischt, erzählt sie. «Obwohl es sein könnte, dass sie ein Herzproblem hat. Das ist einfach nicht zeitgemäss.»
Sie wisse von Mitarbeitern der Höhenklinik Wald und der psychiatrischen Klinik in Oetwil am See, dass dort an beiden Orten vegane Ernährung problemlos möglich sei. Wir leben schliesslich im Jahr 2021.»
« Der Ausbau eines veganen Angebots wird geprüft. »
Abteilung Marketing und Kommunikation des GZO Spital Wetzikon
Auch in anderen Spitälern habe sie andere Erfahrungen gemacht. «In Winterthur kam ich mir vor wie in einem Fünf-Sterne-Hotel», sagt sie. «Dort gab es täglich mehrgängige vegane Menüs, inklusive Dessert.»
30 verschiedene Kostformen möglich – ausser vegan
In Uster, wo sie geboren hat, sei sie ebenfalls pflanzlich bewirtet worden. «Das war zwar bezüglich Nährstoffe etwas schwierig, aber sie haben sich wirklich Mühe gegeben.»
Beim Spital Wetzikon geht man auf den konkreten Fall nicht ein. Wie die Abteilung Marketing und Kommunikation des GZO Spital Wetzikon mitteilt, gebe es im Spital über 30 verschiedene Kostformen, darunter beispielsweise laktosefreie/laktosearme, allergenarme oder vegetarische Kost.
« Alle Patientinnen und Patienten erhalten einen Ernährungsplan, der von ärztlicher Seite her verordnet und auf die medizinische Situation angepasst ist », heisst es in der kurzen schriftlichen Antwort. « Dies, um den Genesungsprozess optimal zu unterstützen. Der Ausbau eines veganen Angebots, das bisher selten angefragt wurde, wird geprüft. »
Vegan ja, koscher nein
In Uster ist man diesbezüglich schon etwas weiter. « Auch vegetarische und vegane Ernährung wird durch die Spitalküche zubereitet », sagt Jorge Batista, Leiter Gastronomie des Spitals Uster auf Anfrage. « Vegane Patientinnen und Patienten werden von der Diätküche bekocht, sollte das Angebot nicht sowieso schon ein veganes Gericht vorsehen. Auch die Mitarbeitenden profitieren von diesem Angebot. »
Grundsätzlich werde im Spital Uster sehr viel Wert auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung gelegt. « Diese stellt sich aus drei Komponenten zusammen: Proteinen, Kohlenhydraten und Gemüse wie aber auch Salat », sagt Batista. Diese sogenannte mediterrane Ernährung diene der Erhaltung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit und habe einen positiven Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System. « Patienten mit individuellen Bedürfnissen aus gesundheitlichen Gründen oder speziellen Ernährungsformen werden von der spitaleigenen Ernährungsberatung unterstützt », sagt Batista. Einzig koschere Küche biete das Spital Uster nicht an. « Dafür sind die Anforderungen nicht erfüllt. Es besteht jedoch die Möglichkeit, koschere Speisen einzukaufen und zu servieren. »