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Politik

Die Kyburger «Linde» öffnet ihre Türen wieder

Während mehr als zwei Jahren war das Restaurant im Dorfkern von Kyburg zu. Nun will eine Illnau-Effretiker-Gemeinderätin in der Traditionsbeiz Pizze servieren.

Grosses Comeback: Bald steht Willy Rüegg im Restaurant Linde wieder in der Küche.

Archivfoto: Seraina Boner

Die Kyburger «Linde» öffnet ihre Türen wieder

Wer in Kyburg auswärts dinieren wollte, hatte es die letzten paar Jahre schwer. Die «Linde», das letzte wirkliche Restaurant im Ortskern abgesehen vom Gasthaus zum Hirschen, war zu.

Willy Rüegg, der seit 1981 in der «Linde» wirtet, musste es im November 2018 schliessen, da er die Beiz aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr führen konnte. Zudem hatte die «Linde» Mühe, gutes Personal zu finden. Im Frühjahr 2019 kam es deshalb zur Liquidation. Fast das ganze Inventar wurde veräussert.

Rückkehr in die Küche

Doch nun kehrt Rüegg überraschend zurück. Er will das Lokal nach dem Teil-Lockdown am 29. Januar wieder öffnen, wie der «Landbote» berichtet. Geleitet werden soll der Betrieb allerdings nicht vom ehemaligen Wirten, sondern von Nicole Jordan.

Die gelernte Verkäuferin aus Billikon hat einige Jahre im Service gearbeitet und so auch regelmässig in der «Linde» ausgeholfen. Nun möchte sie sich einen Traum verwirklichen. Früher engagierte sie sich in der Reformierten Kirchenpflege Kyburg. Seit Mai 2019 sitzt sie für die SVP im Illnau-Effretiker Stadtparlament.

Der gelernte Koch Rüegg wird sie die ersten zwei bis drei Jahre in der Küche unterstützen, bis sich der Betrieb eingespielt hat. Er traue sich die Arbeit zu, sagt der 65-Jährige gegenüber dem «Landboten».

Reduzierte Plätze

Jordan und Rüegg haben mit Rüeggs Partnerin eine GmbH gegründet. Die beiden wollen einen weiteren Koch sowie einen Pizzaiolo anstellen und im Service vorerst mit Aushilfen arbeiten.

Die Corona-Pandemie ist für die Neueröffnung kein Hindernis. Mit den erforderlichen Hygiene- sowie Abstandsmassnahmen liesse sich einiges machen. Statt wie früher 100 bieten die beiden vorerst nur 70 Plätze an. Im Sommer kommen nochmals etwa 40 auf der Terrasse hinzu. Auf grosse Gesellschaften wollen die neuen Betreiber aber vorerst verzichten.

Das Stübli, der Hertenstein-Saal, die Ritterstube sowie das Restaurant stehen den Gästen offen. Das Stübli bildet eine Lounge. Dort werden die Gäste neben Getränken auch Snacks wie etwa Panini oder Focaccias konsumieren können.

Rösti, Pizza und Burger

Die «Linde» soll also kein Gourmettempel mehr sein. Bislang war das Restaurant in der Region vor allem für sein Chateaubriand bekannt. Nun werden auch einfachere Speisen wie Rösti, Pizza, Pasta und Burger, Fleisch auf dem heissen Stein, Cordon bleus oder Rindsfilet auf der Karte stehen.

Bis zur Neueröffnung richten Rüegg und Jordan das Lokal neu ein. Vom alten Inventar sind nur noch einige Tische, etwas Geschirr und Wäsche übrig geblieben. Neue Stühle stehen bereit. Die Wände sind neu gestrichen. Im Stübli wird es einen grossen Bartisch geben. Die Website wird schon bald aufgeschaltet. Bereits jetzt können interessierte Gäste Reservationen für Ende Januar vornehmen.

Wohnungen vermietet

Die beiden Wohnungen oberhalb der Gaststube hat Rüegg in der Zwischenzeit renoviert und vermietet. Von den Personalzimmern wird er, der mittlerweile im Tessin lebt, eines belegen, die anderen drei sollen Angestellten zur Verfügung stehen.

Die letzten drei Jahren hatte Rüegg noch versucht, das einstige Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert samt dem dazugehörigen Bauland zu verkaufen. Zuletzt wurden auch Investoren für den Gasthof und das benachbarte Pfadiheim gesucht allerdings ohne Erfolg.

Wenig Spielraum für Umbau

Die «Linde» Kyburg ist eines der ältesten Häuser im Dorf. In ihm kam 1825 Wilhelm Friedrich Hertenstein zur Welt, der 1872 für die Liberalen in den Nationalrat und später in den Bundesrat gewählt wurde. Nach ihm ist im Gasthof ein Saal benannt.

Weil die «Linde» mitten im überkommunal geschützten Ortskern steht, können Umbauten nur in Absprache mit der Denkmalpflege erfolgen. Die bauliche Einheit des Dorfs sowie die kubische Gliederung der Bauten und die Ausbildung der Dächer müssen demnach grundsätzlich bewahrt werden. Auch am Dach und an der Fassade besteht nur wenig Spielraum. Ein Umbau wäre daher mit grösseren Investitionen verbunden.

Auf Preis gepocht

Das Wirtshaus hatte Rüegg durch den Hauseigentümerverband auf rund 3 Millionen Franken schätzen lassen. Dieser Preis dürfte für potenzielle Investoren zu hoch gewesen sein, wie der mit dem Verkauf der Liegenschaft betraute Immobilienmakler, SVP-Gemeinderat Roland Wettstein aus Kyburg, gegenüber «Züriost» durchblicken liess.

Wettstein hätte er einen Käufer gefunden, der 2,5 Millionen Franken gezahlt hätte. Allerdings weigerte sich Rüegg, das Lokal für diesen Preis abzutreten. Stattdessen beharrte er auf den Preis von 2,8 Millionen Franken für die Liegenschaft, zu der auch Bauland in Form eines Parkplatzes sowie ein Stück Wald am Ortseingang von Kyburg gehören. Beides will Rüegg neben dem Gasthof vorerst behalten.

Verkaufspläne gescheitert

Wettsteins Immobilienfirma hat dafür das Bauland östlich des Gasthofs erworben. Dort hat er Mehrfamilienhaus gebaut. Die fünf Wohnungen sind bereits seit einem Jahr bezogen. 

Ähnliche Pläne hatte Wettstein auch für das Wirtshaus. Dort wollte er zehn Mietwohnungen realisieren. Dafür hätte Wettstein Rüegg 1,9 Millionen Franken gezahlt. Diese Pläne sind nun mit der Neueröffnung des Restaurants fürs Erste einmal vom Tisch.

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