Wegen Unfallserie: Stadtrat nimmt die Pollerallee unter die Lupe
«Das ist ja wie ein Weihnachtsgeschenk». Der Wetziker Landwirt und SVP-Gemeinderat Stefan Kaufmann steht vor seinem Gartenzaun. Und der sieht seit dieser Woche wieder tadellos aus. Ende September mähte ein Autofahrer nicht nur einen der vielen steinernen Poller um, die die Schönenwerdstrasse in den Wetziker Aussenwachten Robank und Linggenberg säumen. Auch der Hag vor Kaufmanns Haus kam unter die Räder.
In den Poller und den Hag
08.10.2020

Selbstunfall in Wetzikon Beitrag in Merkliste speichern
Für den Lokalpolitiker war der Vorfall Anlass, wieder einmal in Sachen Schönenwerdstrasse beim Stadtrat anzuklopfen. Das erste Mal ging es um die aufwändige Neugestaltung der Strasse, nun um die Verkehrssicherheit.
Mehrverkehr bei Problemen auf der Hauptachse
Jetzt liegt die Antwort der Wetziker Exekutive zur schmalen Strecke vor. Und die zeigt punkto Verkehrsbelastung zunächst einmal das klassische Muster eines Schleichweges: Wenn es auf der Hauptachse im Aatal unten läuft, hält sich der Verkehr oben auf der Schönenwerdstrasse in Grenzen. Zwischen 1400 und 1600 Fahrzeuge rollen dann pro Tag durch die beiden Aussenwachten. Als aber an der Zürcher- und der Usterstrasse gebaut wurde, erhöhte sich die Zahl der Autos bei einer Messung auf 1900 und bei einer zweiten sogar auf 2361 Fahrzeuge.
Die meisten Fahrzeuge waren auf der recht schmalen Strasse mit 43 bis 47 Stundenkilometern unterwegs. Während der letzten sechs Geschwindigkeitsmessungen im 2019 und 2020 war von den 555 erfassten Fahrzeugen denn auch gerade ein einziges zu schnell unterwegs. Ein Jahr zuvor gab es bei 8937 kontrollierten Autos und Motorrädern keine einzige Geschwindigkeitsübertretung.
Sechs Poller beschädigt
Am Tempo kann es also nicht liegen, wenn es doch öfters mal Beulen absetzt an der Schönenwerdstrasse. Zwischen dem 15. Oktober 2019 und 2020 wurden laut Stadtrat von der Polizei sechs Unfälle registriert. Einmal stürzte ein Velofahrer bei einem Selbstunfall, dreimal wurde ein Poller gerammt, einmal wurde eine Streifkollision verzeichnet und schliesslich gab es mit einem Auto noch einen Selbstunfall.
Das Leiden der Poller
02.08.2020

Immer wieder kleine Unfälle in Wetziker Robank
Schmuck sollen sie sein, die Schwachen schützen und einen langen Bestand haben. Beitrag in Merkliste speichern Auffallend ist, dass der Wetziker Unterhaltsdienst alleine im 2020 sechs Poller reparieren musste. Offenbar wurde nicht bei allen Beschädigungen die Polizei zugezogen.
«Gesamtheitliche» Überprüfung
Kaufmann sorgte sich in seiner Anfrage vor allem um die Sicherheit der Kinder entlang der Strasse. Und hier zeigt sich der SVP-Gemeinderat erfreut über die Antwort des Stadtrates: «Der Stadtrat wird die Schönenwerdstrasse gesamtheitlich prüfen und unter Berücksichtigung der komplexen Problemstellung ein entsprechendes Projekt ausarbeiten. Dabei werden alle möglichen Massnahmen sowie Chancen und Risiken inklusive Kosten und Nutzen geprüft. Aufgrund dieser 360°-Analyse wird der Stadtrat entscheiden, ob und wenn ja welche Massnahmen umgesetzt werden sollen und können.»
Noch offen lässt der Stadtrat, ob es mitten im Weiler Robank einen Fussgängerstreifen geben soll, wie dies Kaufmann vorgeschlagen hatte. Der Stadtrat gibt zu bedenken, dass ein solcher Streifen auch beleuchtet sein und über einen Warteraum verfügen müsste. «Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass beim Vorhandensein eines Fussgängerstreifens nicht nur Kinder, sondern alle Personen innerhalb von 50 Metern zwingend diesen Fussgängerstreifen benützen müssten», macht der zuständige Stadtrat Marco Martino in der Antwort klar. Im Projekt soll auch geprüft werden, ob es bei den diversen Verengungen noch eine zusätzliche Signalisation geben soll und ob sogar eine Temporeduktion auf 40 Stundenkilometer möglich wäre.
Sorgen wegen Grossüberbauung
Nur in einem Punkt bedauert Kaufmann, dass dem Wetziker Stadtrat die Hände gebunden sind. Er befürchtet, dass mit dem geplanten Baumarkt in Aathal Mehrverkehr auf die Schönenwerdstrasse zukommen wird.
Das sieht auch die Wetziker Exekutive so: «Offenbar ist auf dem Areal vor dem Bahnhof Aathal eine grössere Überbauung geplant, deren Fertigstellung auf 2024/25 geschätzt wird. Der Stadtrat sieht derzeit keine Möglichkeit, die Schönenwerdstrasse vor allfälligem Mehrverkehr zu schützen.» Vorbehalten blieben allfällige Massnahmen, die sich aus dem jetzt geplanten Projekt ergeben würden.
