Welche Bahnunterführungen behagen den Ustermer Politikern?
Diese Woche hat der Stadtrat bekanntgegeben, welche Lösungen er für Usters Barrierenproblem favorisiert. In einem Ergänzungsbericht des Stadtentwicklungskonzepts (STEK) hat er mehrere Bahnunterführungen vorgeschlagen (siehe Box). Damit sollen die Autokolonnen vor den Bahnübergängen ein Ende finden.
Die FDP Uster begrüsst in einer Medienmitteilung, dass im Bericht des Stadtrats die Bahnquerungen Winterthurerstrasse und auch Zürichstrasse als «zwingend» definiert worden sind. «Diese entschärfen zweifellos die Problematik der geschlossenen Barrieren für alle Verkehrsteilnehmer.» Gleichzeitig könnten die Ortsteile Werrikon und Nänikon enger an Uster gebunden werden.
«Wir wollen nicht, dass der Autofahrer geplagt wird.»
Markus Ehrensperger (SVP), Gemeinderat Uster
Allerdings sollten auf den Hauptachsen mit überregionaler Funktion die Kapazitäten nicht begrenzt werden, schreibt die Partei weiter. «Massnahmen wie Tempo-30-Zonen stehen wir daher kritisch gegenüber.» Es sei auch offensichtlich, dass der vorliegende Ergänzungsbericht dazu verwendet wurde, den Stellenwert des Velo- und Fussverkehrs deutlich zu erhöhen und denjenigen des Autoverkehrs gezielt zu schwächen.
Mehr Autoverkehr oder nicht?
Diese Meinung teilt auch SVP-Gemeinderat Markus Ehrensperger. «Wir wollen nicht, dass der Autofahrer geplagt wird.» Flankierende Massnahmen wie etwa Lichtsignale oder Temporeduktion, die der Stadtrat vereinzelt vorsieht, hält er für unnötig. «Uster hat kein zu grosses Verkehrsproblem.» Die Situation werde sich auch mit den drei zusätzlichen Unterführungen nicht zuspitzen. «Dadurch wird es nicht merklich mehr Autoverkehr geben», sagt Ehrensperger.
Stadtrat präsentiert Unterführungen gegen Barriereproblem
10.12.2020

Staus vor Usters Bahnübergängen
Der Stadtrat möchte unter anderem mit drei Unterführungen das Stauproblem vor Bahnübergängen löse Beitrag in Merkliste speichern Ganz anderer Meinung ist Gemeinderat Patricio Frei (Grüne). Mit den drei Unterführungen öffne Uster die «Schleusen» für die Autofahrer, was eine gefährliche Verkehrsbelastung für die Stadt zur Folge haben könnte. Da bräuchte es zusätzliche flankierende Massnahmen. «Es ist fraglich, ob die drei Unterführungen dazu beitragen, dass Uster umsteigt, wie es sich die Stadt gemäss Motto zum Ziel gesetzt hat.»
«Damit wäre in Nänikon mit Mehrverkehr zu rechnen.»
Patricio Frei (Grüne), Gemeinderat Uster
Die Unterführungen an der Winterthurerstrasse und der Aathalstrasse könne er aber akzeptieren, wenn gleichzeitig die Quartiere vom Schleichverkehr entlastet würden, sagt Frei. Skeptisch sieht er aber eine Unterführung an der Zürichstrasse. «Damit wäre in Nänikon mit Mehrverkehr zu rechnen.» Dass der Stadtrat mit den reinen Velo- und Fussgängerunterführungen, beispielsweise bei der Gschwaderstrasse, nicht gleich ein Fahrverbot für den motorisierten Verkehr festsetzt, findet Frei «mutlos».
Riesige Kosten für aufwändigen Bau
Für GLP-Gemeinderätin Ursula Räuftlin ist erstmal positiv, dass die Veloverbindungen mit den zusätzlichen Unterführungen verbessert werden. Die Gschwaderstrasse sei dabei zentral, da sie eine Hauptverbindung für den Veloverkehr zwischen verschiedenen Quartieren, dem See und den Sportanlagen Buchholz sei.
Auf der anderen Seite rechnet die berufstätige Ingenieurin mit «riesigen Kosten» beim Bau der Unterführungen an der Zürichstrasse, der Winterthurerstrasse und Aathalstrasse. «Diese führen schräg unter der Bahnlinie durch, was bautechnisch sehr aufwändig ist.»
«Mir ist schleierhaft, wieso der Stadtrat nach der Beerdigung von Uster West wieder ein unrealistisches Projekt lancieren will.»
Paul Stopper (BPU), Gemeinderat Uster
Paul Stopper blickt mit gemischten Gefühlen auf die jüngsten Entscheide des Stadtrates. Einerseits freut sich der BPU-Gemeinderat über die geplante Unterführung an der Winterthurerstrasse. Eine solche hatte Stopper in der Vergangenheit schon mehrmals gefordert. Zuletzt sogar mit einer Einzelinitiative auf Kantonsebene.
Andererseits übt Stopper aber auch Kritik – vor allem mit Blick auf das Aus der Umfahrungsstrasse Uster West: «Dass der Stadtrat so lange gebraucht hat, um das Projekt Winterthurerstrasse wieder aus der Schublade zu nehmen, ist enttäuschend.» Jetzt müsse sich der Stadtrat schnell beim Kanton für dieses Projekt einsetzen.
SP skeptisch bezüglich Winterthurerstrasse
Von einer Unterführung an der Zürichstrasse hält Stopper hingegen nichts. «Mir ist schleierhaft, wieso der Stadtrat nach der Beerdigung von Uster West wieder ein unrealistisches Projekt lancieren will ». Der Grundwasser- und Moorschutz sei dort noch heikler als bei Uster West. Positiv seien dagegen die Velo- und Fussgängerunterführungen, beispielsweise an der Gschwaderstrasse.
Auch für Gemeinderätin Karin Niedermann (SP) sind die Velo- und Fussgängerunterführungen ein Segen. Gerade am Bahnhof seien diese enorm wichtig. Dagegen beäugt Niedermann die Unterführung an der Winterthurerstrasse skeptisch. Damit bestehe die Gefahr, dass der Autoverkehr Richtung Stadtzentrum markant zunehme. Insbesondere befürchte sie, dass das Zeughausareal vom Stadtzentrum abgeschnitten werde.
Doch Niedermann ist erstmal froh, dass nun etwas gemacht wird. «Damit verkommt das Stadtentwicklungskonzept nicht zu einem Papiertiger.»
Überblick der Pläne
Die Bahnlinien in Uster sollen künftig durch neue Unterführungen passiert werden können. Dies hat der Stadtrat jüngst im Ergänzungsbericht des Stadtentwicklungskonzepts festgelegt. Wichtige Elemente dieses Ergänzungsberichts sind die Unterführungen an der Zürichstrasse, an der Winterthurerstrasse und auch an der Aathalstrasse, die für alle Verkehrsmittel gebaut werden sollen. Bei der Aathalstrasse müssen die Auswirkungen einer Unterführung allerdings noch genauer geprüft werden. Weiter sieht der Stadtrat Varianten vor, die ausschliesslich den Fussgängern und Velofahrern zugutekommen. Solche Unterführungen sollen beispielsweise an der Gschwaderstrasse, an der Brunnen-/Bahnhofstrasse und an der Wermatswilerstrasse entstehen. Bei einigen der geplanten Bauten sind der Kanton und die SBB aber als Eigentümer bestehender Infrastrukturen federführend.
