Die Latte zu hoch gelegt
Am Anfang stand eine bestechende Vision: Um dem Oberland auch in Zukunft eine optimale Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, sollten die beiden grossen Spitäler in Uster und Wetzikon unter eine Führung gestellt und Synergien genutzt werden. Beide Häuser sollten erhalten bleiben, gleichzeitig aber Einsparungen bei den anlaufenden Ausbauten realisiert werden.
Aus dem grossen Wurf wird nichts. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Und davon gibt es bei einem Vorhaben dieser Grössenordnung offenbar viele. Erstaunlich ist allerdings, dass das erst jetzt erkannt worden ist. Wo stünden die beiden Häuser denn heute, wenn die Coronapandemie im Mai die Abstimmung nicht verunmöglicht und die Vorlage die Zustimmung des Souveräns erhalten hätte? Dann wären die vielen kleinen Probleme, die jetzt bei der vertieften Planung zutage getreten sind, zu einem grossen geworden.
Es zeigt sich, dass das Projekt zu ambitioniert ausgelegt worden ist. Es stand unter einem enormen zeitlichen Druck. Einmal wegen der bereits in Angriff genommenen Erweiterungen, die es zu koordinieren gegolten hätte. Dann wegen der kommenden Spitalliste, für die sich die beiden Spitäler als Einheit bewerben wollten. Und schliesslich wegen der ganzen Organisation, die angeglichen werden sollte. Es ist offensichtlich viel schwieriger, aus zwei bestehenden Einheiten ein neues Ganzes zu schaffen, als ein Spital weiterzuentwickeln.
Die Idee war toll. Doch es zeigt sich, dass der pragmatische Weg der kleinen Schritte mit einzelnen Kooperationen eher zum Ziel führt als der visionäre Sprung. Die Latte wurde dafür schlicht zu hoch gelegt.
