Herr Schnellmann, seit vier Monaten gibt es in vier Ihrer Spar-Filialen, darunter in Dübendorf, eine sogenannte «stille Stunde» für autistische Menschen. Wie sind die ersten Erfahrungen?
Hansruedi Schnellmann: Wir haben sehr viele positive Rückmeldung bekommen, interessanterweise vor allem von älteren Kundinnen und Kunden. Die schätzen es, dass es ruhiger ist im Laden, dass keine Gestelle eingeräumt werden und unsere Mitarbeitenden mehr Zeit haben für Fragen oder auch mal ein Gespräch, was sonst im Tagesgeschäft halt nicht immer möglich ist. Man kann die stille Stunde auch als Entschleunigung ansehen.
Gab es Reaktionen von Menschen mit Autismus? Nutzen die das Angebot überhaupt?
Nun, vielen Autisten fällt es ja nicht leicht, auf andere Menschen zuzugehen oder ihre Freude über eine Begebenheit auszudrücken. Insofern überrascht es mich nicht, dass wir von Betroffenen bisher keine Rückmeldung bekommen haben. Ich brauche das aber auch nicht. Zu wissen, dass sie bei uns ohne Reizüberflutung einkaufen können, freut uns sehr.
Haben Sie nach der Anfangsphase Schwachstellen im Konzept festgestellt, die Sie ändern möchten?
Wir haben uns gefragt, ob von 13 bis 15 Uhr überhaupt die richtige Zeit ist für die stille Stunde. Wir arbeiten ja mit der Organisation Autismus Deutsche Schweiz zusammen. Die hat auf Facebook zu dieser Frage eine Umfrage gestartet. Für allfällige Anpassungen sind wir jederzeit bereit.
«Es ist wichtig, im Laden möglichst keine Umstellungen vorzunehmen. »
Hansruedi Schnellmann, Franchisenehmer Spar Dübendorf
Muss man den Kunden noch erklären, wieso im Laden plötzlich das Licht gedimmt wird?
Ja, es ist schon noch viel Aufklärungsbedarf vorhanden. Gerade wenn es ums Lichterlöschen geht, müssen unsere Mitarbeiter immer wieder darauf hinweisen, dass das keine Massnahme ist, um Strom zu sparen.

