Dübendorf bekommt keine Tagesschule – die Reaktionen
Mit 58,6 Prozent Nein-Stimmen haben die Dübendorfer Stimmberechtigten am Sonntag die Initiative «Bezahlbare Tagesschule jetzt» bachab geschickt. Gleichzeitig genehmigte das Stimmvolk einen Kredit von 3 Millionen Franken für die Weiterentwicklung der Tagesstrukturen – und das deutlich mit 71,56 Prozent. Damit entspricht das Ergebnis dem, was sich Schulpflege und Stadtrat erhofft hatten – und war in dieser Form auch zu erwarten.
Primarschulpräsidentin Susanne Hänni (GLP/GEU) jedenfalls sah der Abstimmung entspannt entgegen, wie sie am Sonntag sagt: «Der Kredit passierte den Gemeinderat ohne Gegenstimme.» Und mit einem Schmunzeln fügt sie an: «Als ich gesehen habe, dass sogar die SVP in Leserbriefen für eine Annahme warb, war für mich der Abstimmungsausgang klar.»
Zusammenarbeit soll verbessert werden
Hänni sieht in der deutlichen Zustimmung ein Ja zur «pragmatischen Lösung» Dübendorfs und zum Konzept der Quartierschule mit Betreuungsangeboten unter dem gleichen Dach – anstelle einer einzelnen Tagesschule für Kinder aus ganz Dübendorf. Dank dem Zusatzkredit würden die Tagesstrukturen nun in jedem Schulhaus ausgebaut, inklusive Aufgabenbetreuung.
Dass sich mehr als 40 Prozent der Stimmberechtigten für eine Tagesschule ausgesprochen haben, zeigt laut Hänni, dass diesbezüglich ein Bedürfnis bestehe. Man sei aber auf dem Weg; die kantonalen Bedingungen für Tagesschulen würden künftig auch mit dem gewählten Modell erfüllt . In fünf, sechs Jahren werde das Angebot so weit sein . Hänni: «Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist ein Konzept für eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Unterricht und Betreuung.»
Der Druck habe gewirkt
Auch auf der Seite der Befürworter hat man mit diesem Ausgang der Abstimmung gerechnet. Leandra Columberg (SP/Juso) vom Initiativkomitee zeigte sich enttäuscht darüber, dass FDP und die Grünliberalen nicht den Mut gehabt hätten, sich für eine Tagesschule und damit für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einzusetzen – so wie sie das etwa auf Kantonsebene und in anderen Gemeinden täten.
Dennoch ist sie nicht allzu sehr enttäuscht: «Immerhin haben wir eine Zustimmung über unsere Stammwählerschaft hinaus erhalten.» Und dass Schule und Stadtrat überhaupt einen Ausbau der Tagesstrukturen vors Volk gebracht hätten, sei nicht zuletzt auf den Druck durch die Tagesschul-Initiative zurückzuführen gewesen.
«Der langsame Dübendorfer Weg»
Columberg erwartet nun einen zügigen Ausbau des Betreuungsangebots in Richtung Tagesschule. «Das ist halt jetzt der langsame Dübendorfer Weg», sagt sie. «Wir hätten es lieber schnell gehabt.» Gleichzeitig werde man die Entwicklung im Auge behalten. So kündigt Columberg weitere Vorstösse an. Gerade was die Bezahlbarkeit des Angebots betreffe, gebe es in Dübendorf noch viel Handlungsbedarf.
Im Vorfeld der Abstimmung haben die Initianten den Stadtrat dafür kritisiert, dass dieser in der Abstimmungsbroschüre den exakten Initiativtext nicht abgedruckt hat und darüber hinaus «Halbwahrheiten» verbreitet habe. Man werde das Abstimmungsergebnis dennoch akzeptieren, hielt Leandra Columberg damals fest und kündigte an, aus diesem Grund statt einer Stimmrechtsbeschwerde eine Aufsichtsbeschwerde einzureichen. Dies habe man inzwischen getan, bestätigte die SP-Kantonsrätin am Sonntag.
Nach 20 Jahren das zweite Nein
«Bezahlbare Tagesschule jetzt» ist nicht die erste Tagesschul-Initiative, die von den Dübendorferinnen und Dübendorfern abgelehnt wurde. Im 4. März 2001 votierten die Stimmberechtigten mit 66,21 Prozent Nein-Stimmen noch deutlicher gegen eine vergleichbare Initiative, die damals noch zumindest teilweise von der örtlichen FDP mitgetragen wurde.
Ansonsten war die Ausgangslage ähnlich: Sowohl Stadtrat wie auch Schulpflege lehnten die Initiative ab. Nach dem damaligen Abstimmungssonntag kündigte der 2001 amtierende Primarschulpräsident Bruno Fenner in der NZZ an, man wolle nun «mit Volldampf» das Blockzeitenkonzept der Volksschuldirektion umsetzen – ein Schulmodell, das mittlerweile längst selbstverständlich ist. (tba)
