Tausende von neuen Bäumen in Ustermer Privatwälder gepflanzt
Der Sturm Vivian war im Februar 1990 der Startschuss für ein grosses privates Aufforstprojekt. Nachdem dieser durch die Wälder gewütet hatte, machte sich die Privatwaldkooperation (PWK) Uster an die Neubepflanzung. Damals konnte die Vereinigung von Ustermer Privatwaldbesitzer noch nicht ahnen, dass neun Jahre später mit Lothar ein zweiter heftiger Sturm durchs Land peitscht und noch mehr ihrer Bäume fällen sollte.
Hans Streit, Präsident des PWK Uster, ist nun seit über 30 Jahren daran, die umgeknickten Bäume zu ersetzen. «52‘400 Bäume hat die Kooperation zusammen mit dem Männerturnverein «Frisa» bis heute gepflanzt», sagt Streit. Zuletzt hätte die PWK vergangene Woche gemeinsam mit dem Turnverein junge Bäume in den Boden gesetzt. 400 waren es an dem sonnigen Herbsttag.
«Ein Gefühl, als ob das eigene Heim zerstört wurde.»
Hans Streit, Präsident Privatwaldkooperation Uster
Zu Beginn in den 90er-Jahren hätten sie oft 1000 Bäume pro Tag gepflanzt. «Mittlerweile sind die meisten Mitglieder aber über 70 Jahre alt und nicht mehr gleich fit wie früher», sagt der 76-Jährige Streit. Deswegen hätten bei der letzten Pflanzung auch nur 18 Mitglieder mitmachen können. In den besten Zeiten seien es bis zu 44 Helfer gewesen, die «nur für ein Mittagessen» die Arbeit vollbracht hatten.
Plastikgitter als Fressschutz
Und die Arbeit habe ab und an etwas anstrengend werden können. «Der aufwändigste Teil ist das Anbringen der Plastikgitter, das die Rinde vor Tierfrass schützen soll», sagt Streit. Diese müssten den Baum etwa sechs bis acht Jahre lang schützen, bevor sie wieder abgenommen werden könnten. Ansonsten sei die Arbeit mit den 30 bis 50 Zentimeter grossen Jungbäumen aber nicht sonderlich schwer.
Von den beiden grossen Stürmen sei « Vivian» noch das kleinere Übel gewesen, sagt Streit. Dieser habe eine Waldfläche von 150‘000 Quadratmeter «umgelegt». Die grössten Schäden seien auf den Waldparzellen zwischen Pfisterberg und Fuchslöcherweg entstanden. Etliche Jahre habe die PWK, der beim ersten Sturm etwa 65 Mitglieder angehörten, danach zusammen mit dem Turnverein «Frisa» aufgeräumt und aufgeforstet.
«Lothar» zerstörte noch mehr
Richtig erschüttert wurden die Privatwälder aber Ende Dezember 1999 durch den Sturm Lothar. 300‘000 Quadratmeter – etwa doppelt so viel wie neun Jahre zuvor durch Vivan – seien plötzlich mehr oder weniger ohne Bäume gewesen, erinnert sich Streit. «Ein Wald, den wir jahrelang gehegt und gepflegt haben», sagt Streit. Zum Teil sei auch der gepflanzte Jungwald betroffen gewesen. «Die kahlen Flächen haben kläglich ausgesehen. Das war ein Gefühl, als ob das eigene Heim zerstört wurde», sagt Streit.
Insgesamt sind durch die beiden Stürme rund 450‘000 Quadratmeter Wald der PWK Uster zu Grund gegangen. Dies entspricht einer Fläche von etwa 35 Fussballfeldern. Das Holz sei abtransportiert und zum grossen Teil im Heizkraftwerk Aubrugg in Wallisellen verbrannt worden.
Bundesbeamte in Uster
Bund und Kanton leisteten in der Folge Beiträge zur Wiederaufforstung der Ustermer Wälder. «Dieses Geld setzen wir bis heute für die Kulturpflege der Neupflanzungen ein.» Doch das reiche nicht vollends für die Deckung der entstandenen Schäden, sagt Streit.
Die Hilfe war aber an Bedingungen geknüpft: Denn der Bund habe drei «Herren» geschickt, die regelrecht befohlen hätten, welche Bäume in den Ustermer Wälder aufzuforsten seien. Eschen, Lerchen, Fichten, Buchen und Douglasien hätten sie seit den beiden verheerenden Stürmen grösstenteils auf Geheiss des Bundes gepflanzt. Rückblickend seien nicht alle Entscheidungen der Behörden gut gewesen, sagt Streit, der von 2002 bis 2014 Stadtrat in Uster war.
Von den einst 5000 gepflanzten Eschen würden heute nur noch 300 stehen. Grund für den Rückgang sei unter anderem die Eschenwelke. Und auch die Fichte sei anfällig. Wegen der zunehmenden Trockenheit des Baumes, werde dieser vom Borkenkäfer heimgesucht.
Buche statt Fichte
Das sei ein Grund, weshalb die Fichte heute in den Privatwäldern nicht mehr häufig gepflanzt werde, sagt Streit. Ein anderer Grund sei, dass die die Fichte als Baustoff nicht mehr so gefragt sei wie früher. «Heute setzen viele auf Buchenholz.»
Die Aufforstungsarbeit ist für die Kooperation und den Turnverein ist nach 30 Jahren vorerst abgeschlossen. Von Stürmen werden die Privatwaldbesitzer künftig aber wohl nicht verschont bleiben. Dies bestätigt auch Hans Streit. «Nach den Stürmen Petra, Sabine und Bianca hatten wir im Frühjahr einen Verlust von etwa 60 Bäumen zu verkraften.»
