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Ob Posaune oder Sturmgewehr – auf die Kameradschaft kommt’s an

Als langjähriger Präsident des Militärspiels Uster stellt Daniel Felix die Kameradschaft über alles. Doch für seine Frau macht er eine Ausnahme.

Seit 42 Jahren im Militärspiel Uster, davon 30 Jahre als Präsident. Daniel Felix ist das Gesicht des Vereins., Mit dem Verein trat er sowohl international (hier in Lyon)..., ... und auf dem Münchner Odeonsplatz..., ... als auch lokal auf., Im Proberaum auf dem Zeuhausareal hat das Musikensemble für seine Auftritte geübt.

Seraina Boner

Ob Posaune oder Sturmgewehr – auf die Kameradschaft kommt’s an

Daniel Felix wartet auf dem Ustermer Zeughausareal,  gekleidet im Tenu A der Schweizer Armee. Den Ausgangsanzug trägt der Näniker von der Achselschnur bis zum Beret 95 sorgsam bis ins letzte Detail. Es besteht kein Zweifel – der Mann hat gedient. Doch das ist lange her.

Freiwillig getragen hat der 72-Jährige die Uniform die letzten 30 Jahre als Präsident vom Militärspiel Uster. Nun will Felix kürzer treten und gibt das Amt ab. «30 Jahre sind genug», sagt er im Proberaum des Vereins auf dem Zeughausareal.

«Schaut, dass die Hosenfalte korrekt gebügelt ist, geht noch zum Coiffeur und zieht schwarze Schuhe und Socken an.»

Daniel Felix, Präsident Militärspiel Uster

Im Militärspiel Uster hat Felix seit seinem Beitritt im Jahr 1978 immer Posaune gespielt. Dabei hätte er mehr drauf – selbst der Dirigentenstab ist ihm nicht fremd. Angefangen hat der gebürtige Näniker früh und mit einem klassischen Einsteigerinstrument – der Blockflöte. Dieses Instrument, bei manchem Schweizer als Spuck-Knebel verschrien, spielte er als Vierjähriger. Danach folgten zahlreiche andere wie Es-Horn, Flügelhorn, Trompete oder Bass.

Der Morser

Neben der Musik hatte der junge Daniel Felix aber auch die Technik entdeckt. Als Teenager sandte er zusammen mit Freunden in einer Scheune bei der Burg in Uster Morsesignale in die weite Welt. Morsen, das Whatsapp des 19. Jahrhundert, hat ihn so sehr fasziniert, dass er dem Eidgenössischen Verband der Übermittlungstruppen (EVU) beitrat – seine erste Tuchfühlung mit einer militärischen Organisation.

«Damals haben wir uns nächtelang mit den Morsecodes beschäftigt.» Insbesondere der Kontakt mit Amerika sei für sie interessant gewesen. Um die Amerikaner mit den Morsesignalen zu erreichen, hätten sie wegen der Zeitverschiebung oft in der Nacht ihre Nachrichten übermittelt.

Auch beruflich schlug er eine technische Richtung ein. Seinen Bubentraum als Lokführer hat er zwar irgendwann begraben, dafür auf Rat des Nachbarn Elektromonteur gelernt. Später hat er als Beleuchtungstechniker den Lampenbedarf für eine ausreichende Ausleuchtung von Büros oder Industriehallen berechnet. Die letzten drei Jahrzehnte seiner Berufskarriere verbrachte er als Product-Manager in einem führenden Unternehmen in Uster.

Militär mit Sturmgewehr und Posaune

Das er dereinst selber viele Stunden seines Lebens im Scheinwerferlicht verbringen sollte, zeichnete sich damals noch nicht ab. Doch auch während der Militärzeit war die Musik wichtig. «Ich habe nichts gegen das Sturmgewehr, aber den schöneren Ton macht die Posaune», sagt Felix.

«Unser Programm ist vielseitiger geworden»

28.03.2019

Militärspiel Uster ausverkauft

Am Samstag findet im Stadthofsaal Uster das Jahreskonzert des Militärspiels Uster statt. Beitrag in Merkliste speichern Weil er schon als Jugendlicher im Zuge seiner Leidenschaft zum Morsen dem  EVU beigetreten war, war die Funker-Rekrutenschule eine logische Folge. Darauf absolvierte er die Unteroffiziersschule, was im letztendlich den Rang des Wachtmeisters einbrachte.

«Wir spielten dort und plötzlich hielt eine Limousine neben uns – und Adolf Ogi stieg aus.»

Daniel Felix, Präsident Militärspiel Uster

Eine Schulung zum Offizier sei dagegen kein Thema gewesen. «So eng mit Leuten zusammen sein und die Kameradschaft pflegen, kann man als Offizier in der Armee nicht mehr.» Unteroffiziere hätten in der Schweizer Armee einen hohen Stellenwert, weil sie mit ihren Leuten an der Front sein müssten, sagt Felix. Auch im Militärspiel Uster brauche es nicht zwingend einen Präsidenten, der als Offizier gedient habe.

Dirigent als Co-Chef

An vorderster Front stand Felix auch als Präsident des Musikvereins nicht immer. «Ich habe das organisatorische geregelt und vertrat den Verein nach innen und aussen. Ich war Chef, bis das Konzert losging», sagt Felix. Denn die musikalische Führung habe der Dirigent gehabt. «Er bestimmt während Konzerten und Proben.» 

Für ihn sei stets das Kollektiv – die Kameradschaft – im Vordergrund gestanden. Als Präsident hat er aber auf eines besonders geachtet: Dass das Ensemble an einem Konzert optisch einen guten Eindruck macht. «Schaut, dass die Hosenfalte korrekt gebügelt ist, geht noch zum Coiffeur und zieht schwarze Schuhe und Socken an», sagt Felix. Doch die Vereinsmitglieder seien so diszipliniert, dass sie sich in der Regel auch ohne seine Aufforderung dran gehalten hätten.

Nicht zuletzt sei das Militärspiel Uster in einer repräsentativen Funktion unterwegs. Für Felix ein Bindeglied zwischen Armee und Bevölkerung. «Bei unseren Auftritten können wir dem Publikum zeigen, dass hinter dem Militär nicht nur Krieg spielen steckt, sondern auch Musik.»

Der spontane Ogi

Gelegenheit für einen zackigen Auftritt gab es in der Vergangenheit reichlich. Das Musikcorps spielte während seiner Amtszeit 14 Mal im Ausland, unter anderem in München, Turin, Lyon oder Budapest. Und regelmässig auch am Ustertag, der Züri Oberland Mäss (ZOM) oder an 1.-August-Feiern.

Das schönste Erlebnis für Daniel Felix war an einem Konzert auf dem Berliner Gendarmenmarkt. «Wir spielten dort und plötzlich hielt eine Limousine neben uns – und Adolf Ogi stieg aus.» Ogi, damals in der Funktion als Uno-Sonderberater, habe sich das Konzert angehört, für die Musik gedankt, als Fotosujet hergehalten und sei danach wieder abgefahren.

Auch Ex-Armeechef André Blattmann lernte er bei den Auftritten des Vereins kennen. Mehr als ein paar Worte gewechselt habe er allerdings nicht mit ihm. «Der Korpskommandant hat natürlich einen Termin nach dem anderen», sagt Felix. Immerhin hatte Blattmann Zeit für ein kurzes Lob. «Ihr macht das sehr gut», habe er nach einem Auftritt des Orchesters gesagt.

Ein pflichtbewusster Ehemann

In diesem Jahr hat das Militärspiel Uster aber wegen Corona kein einziges Konzert gegeben. Mit der Absage der vielen Anlässe hatte Präsident Daniel Felix plötzlich viel Zeit. Zeit, um den schon lange vor sich hergeschobenen Rücktritt Wirklichkeit werden zu lassen. Denn der dichte Terminplan verhinderte bisher eine saubere Übergabe an die neue Führungscrew, welche nun die Nachfolge übernimmt, wie er sagt. Dass es nun ausgerechnet ein doppeltes Jubiläumsjahr trifft, sei Zufall. Sein 30. Jubiläum als Präsident fällt heuer mit seinem 50. Hochzeitstag zusammen.

Felix hat mit seiner Frau zwei erwachsene Kinder. Und auf die Frage, welches Jubiläum besonderes zum Feiern Anlass gibt, zeigt sich der Näniker als guter Ehemann. «Die goldene Hochzeit wird feierlicher zelebriert, mit Wellnessferien im Ausland – sobald es die Reisebeschränkungen wieder zulassen.»

Langweilig werde ihm auch nach dem Rücktritt nicht. Seit fünf Jahren spiele er Badminton. Das Fitnesscenter sei im hingegen schon früh verleidet. «Ich hatte keine Lust mehr, alleine an den Geräten zu kämpfen.»

Als Vereinsmitglied wolle er dem Militärspiel verbunden bleiben. Auch den Ustermer Turmbläsern, die er selber gegründet hat, bleibt er erhalten. Getreu seinem Motto: «Eine gute Kameradschaft ist etwas vom Wichtigsten.» 

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