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Die Volkswirtschaftsdirektorin darf den Puls an der Front spüren

Die Gemeinde Wila hat am Donnerstag zum dritten Mal zu einem Gewerbetreff eingeladen. Auch Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) fand den Weg ins Tösstal und sprach über den Spagat zwischen Wirtschafts- und Gesundheitspolitik.

Regierungsrätin Carmen Walker Späh sprach in Wila von der gegenwärtig schwierigen Situation., Sie diskutierte mit Thomas Hess, Ronald Kundert und Christian Deppeler Janz (von links)., Gemeindepräsident Hans-Peter Meier lud die Volkswirtschaftdirektorin im Rahmen des Wilemer Gewerbetreffs ins Tösstal sein.

Fotos: Bettina Schnider

Die Volkswirtschaftsdirektorin darf den Puls an der Front spüren

Rund 40 Tösstaler Unternehmerinnen und Unternehmer haben sich am Donnerstagabend im Chrischona-Saal in Wila eingefunden. Dort begrüsste Gemeindepräsident Hans-Peter Meier (SVP) die Anwesenden zum dritten Wilemer Gewerbetreff.

Wie in diesen Zeiten üblich erinnerte er die Gäste zuerst an die Corona-Regeln. So galt im Saal eine Maskenpflicht. Sein Motto sei: «Wir sagen nicht ab, wir schützen uns.»

An der Front

Der diesjährige Gewerbetreff stand unter dem Leitthema «Sorgenbarometer der KMU». Die Gemeinde hatte verschiedene Redner eingeladen. Neben Christian Deppeler Janz, Mitinhaber der Konditorei Café Janz in Wila, waren dies Thomas Hess, Geschäftsleiter des kantonalen KMU- und Gewerbeverbands, sowie Ronald Kundert, Leiter Marktgebiet Firmenkunden bei der Zürcher Kantonalbank.

«Normalerweise hatten wir rund 15 Anträge in einem Monat, auf einmal waren es 30’000 Gesuche.»

Carmen Walker Späh (FDP), Volkswirtschaftsdirektorin Kanton Zürich

Ebenfalls als Gastrednerin begrüssen durfte Hans-Peter Meier die Zürcher Volkswirtschafsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP). «Es freut uns natürlich sehr, dass unsere Regierungsrätin hier im Tösstal den Puls der KMUs an der Front spüren darf.»

Kurzarbeit läuft aus

Walker Späh nahm diesen Steilpass in ihrer Rede sogleich auf: «In diesen Zeiten werden wahrlich viele Anlässe abgesagt oder nur noch digital durchgeführt, aber mir ist es immer wichtig, bei den Leuten zu sein.»

In der Corona-Krise sei ihre Direktion besonders gefordert. «Es gab eigentlich nichts, das uns nicht betrifft.» Besonders hervor hob sie dabei die vielen Kurzarbeitsgesuche. «Normalerweise hatten wir rund 15 Anträge in einem Monat, auf einmal waren es 30’000 Gesuche.»

Es sei ihr persönlich ein Anliegen gewesen, dass diese möglichst schnell bearbeitet wurden. Trotzdem müsse man sich bewusst sein, dass die Kurzarbeit auslaufen werde. «Und sie muss auch auslaufen.»

Als Liberale, betonte sie mehrmals, schmerzten sie diese ganzen Vorschriften in der Corona-Krise. «Es ist für den Regierungsrat eine grosse Herausforderung, den Spagat zwischen Gesundheit und Volkswirtschaft zu meistern», so Walker Späh.

«Deshalb müssen wir dieses böse, fiese Virus in den Griff kriegen.» Dazu könnten auch Betriebe beitragen, indem sie sich an strenge Schutzkonzepte halten.

Auf Augenhöhe

Nach Walker Spähs längerer Rede ergriff Christian Deppeler Janz das Wort. Er referierte über seine Erfahrungen mit dem Neubauprojekt seiner Bäckerei. Mit diesem Bau fand er sich mit der Frage der Finanzierung konfrontiert. Vor den ersten Gesprächen mit Vertretern seiner Bank sei er deshalb sehr nervös gewesen.

Völlig unbegründet. «Es waren Gespräch auf Augenhöhe, man suchte gemeinsam nach Lösungen», so Deppeler Janz. Diese Herangehensweise sei für kleinere Betriebe von grösster Wichtigkeit.

Wie ein Schwungrad

Im Anschluss betrat Thomas Hess vom KMU- und Gewerbeverband das Podium. Er informierte über eine Umfrage zu den Sorgen von Unternehmen im Kanton. Beispielsweise überhöhte Abgaben oder unnötige Bürokratie.

«Wenn man es einmal bremst, dauert es lange, bis es wieder sein Tempo hat.»

Thomas Hess, Geschäftsleiter kantonaler KMU- und Gewerbeverband

In Bezug auf die Corona-Krise warnte er vor neuen Einschränkungen. Es dürfe keine weiteren Eingriffe in die Wirtschaft geben. «Das ist wie beim Schwungrad. Wenn man es einmal bremst, dauert es lange, bis es wieder sein Tempo hat.»

Als letzter Redner trat Ronald Kundert von der ZKB auf. «Unsere Bank wurde vor 150 Jahren primär gegründet, um zu guten Bedingungen Kredite an Bauern und Handwerker zu vergeben», erklärte er. Dieser Verantwortung sei man sich auch heute noch bewusst, betonte Kundert. «Auch in der Corona-Krise.»

Etwas kürzer als geplant

Nach diesen vier Ansprachen betraten alle Teilnehmer das Podium. «Wir machen das nun etwas kürzer als geplant», meinte Hans-Peter Meier. Fragen aus dem Publikum gab es nur zwei. Beide von Jan Kasser, Mitinhaber der Drogerie Kasser in Turbenthal. Er wollte von der Volkswirtschafsdirektorin unter anderem wissen, wie man den Weg zurück in eine Normalität finden wolle.

«Wir halten uns an die Vorgaben, auch wenn es etwas mehr Aufwand bedeutet.»

Hans-Peter Meier (SVP), Gemeindepräsident Wila

«Zuerst müssen die Ansteckungszahlen sinken», antwortete Walker Späh. Erst dann könne man wieder über Lockerungen sprechen. «Und viele Massnahmen sind national geregelt, da können wir als Kanton zwar Einfluss nehmen, aber nicht bestimmen.»

Nach 90 Minuten Vorträgen und Diskussion begaben sich die Gäste zum Apéro riche im Saal nebenan. Vorschriftskonform sassen die Teilnehmer an Vierertischen, für jeden gab es einen eigenen Teller mit Apérogebäck. «So ist es halt nun. Wir halten uns an die Vorgaben, auch wenn es etwas mehr Aufwand bedeutet», meinte Hans-Peter Meier dazu.

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