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Ein Berater und kein Schattenpräsident

Gemeindeschreiber Beat Grob ist seit einem Vierteljahrhundert in Volketswil angestellt. In dieser Zeit hat der 57-Jährige viele Höhen, aber auch einige Tiefen erlebt.

Gemeindeschreiber Beat Grob arbeitet seit 25 Jahren in Volketswil., Für den gebürtigen Zuger ist die Arbeit auf der Gemeinde ein Traumberuf., Wenn möglich will er deshalb bis zur Pension im Volketswiler Gemeindehaus weiterarbeiten.

Foto: Christian Merz

Ein Berater und kein Schattenpräsident

Für Aussenstehende wirkt die Arbeit eines Gemeindeschreibers oftmals eher wie eine trockene Materie. Für den Volketswiler Gemeindeschreiber Beat Grob ist es jedoch ein Traumberuf schlechthin. Das wird auch deutlich, wenn der gebürtige Zuger über seine Arbeit spricht. Es gebe kaum einen Job, der so viel Abwechslung biete, sagt er. «Wenn ich am Morgen ins Büro komme, habe ich zwar eine gewisse Routine und einen Arbeitsplan, aber ich weiss nie genau was noch kommen wird.»

Seine Ausbildung machte Grob auf der Gemeindeverwaltung in Cham. Über Zollikon verschlug es ihn vor 25 Jahren dann nach Volketswil. Er sah ein Inserat der Gemeinde, die einen neuen stellvertretenden Gemeindeschreiber suchte. «Ich wusste damals wo Volketswil etwa liegt, kannte die Gemeinde aber nicht im Detail.» Nach einem längeren Bewerbungsprozess wurde er per 1. Oktober 1995 angestellt.

«Mein Plan war, dass ich ein paar Jahre als Stellvertreter arbeite und danach weiterschaue.»

Beat Grob, Volketswiler Gemeindeschreiber

Ursprünglich wollte Grob in Volketswil nur den nächsten Karriereschritt machen. «Mein Plan war, dass ich ein paar Jahre als Stellvertreter arbeite und danach weiterschaue.» Dabei blieb es jedoch nicht. Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt kündigte Gemeindeschreiber Conrad Gossweiler. Für Beat Grob eröffnete sich die Chance  das Amt zu übernehmen. Nach reichlicher Überlegung und «langen Diskussionen» mit seiner Frau, sagte er zu. Bereut habe er diese Entscheidung nie – jüngst feierte er sein 25-Jahre-Jubiläum auf der Volketswiler Gemeindeverwaltung.

Stadtschreiber will er nicht sein

Grob ist es wichtig, dass er das verstaubte Image des Gemeindeschreibers aufpolieren kann. Heute hätte der Job nämlich völlig andere Funktionen als früher. «Ich berate den Gemeinderat, schreibe Protokolle, bin Informationsbeauftragter sowie Personalchef und leite eine ganze Verwaltung – Es ist eine unglaublich grosse Bandbreite an Aufgaben.»

Diese Aufgaben wurden mit der Zeit immer mehr. Denn in den 25 Jahren seit Grob in Volketswil arbeitet, ist die Gemeinde stetig gewachsen. Waren es bei seinem Amtsantritt im Jahre 1995 noch gut 12‘800 Einwohner, zählt die Gemeinde mittlerweile 18‘600. Für den Gemeindeschreiber war das ein schleichender Prozess. «Das Wachstum realisierte ich im Moment jeweils kaum. Das bemerke ich erst, wenn ich zurückblicke.» Grob geht zwar davon aus, dass das Wachstum in den kommenden Jahren nicht mehr so weiter gehen wird, dennoch rechnet er damit, dass Volketswil in zehn Jahren etwa 22‘000 Einwohner zählen kann.

«Ob ich jetzt Stadt- oder Gemeindeschreiber bin – Es ist die gleiche Aufgabe.»

Beat Grob, Volketswiler Gemeindeschreiber

Gemessen an der Einwohnerzahl würde die Gemeinde bereits heute als Stadt gelten. In Volketswil wollte man sich bisher aber nicht so bezeichnen. Auch Grob äussert sich in dieser Thematik zurückhaltend. «Ob ich jetzt Stadt- oder Gemeindeschreiber bin – Es ist die gleiche Aufgabe.» Er schätze das Gemeindesystem mit Gemeinderat und Gemeindeversammlung und sieht Risiken bei einer Änderung. «Mit einem Parlament würde der politische Prozess nicht einfacher werden. Der Austausch mit der Bevölkerung ginge verloren.»

Grob gibt zwar zu, dass die Frage berechtigt ist, ob die Gemeindeversammlung bei der aktuellen Einwohnerzahl überhaupt noch repräsentativ sei. Er sieht sie aber immer noch als das passendste politische Abstimmungsorgan für Volketswil. «Jeder kann kommen und abstimmen sofern er will. Zudem gibt es verschiedene Voten. Nirgends lebt die direkte Demokratie so wie an einer Gemeindeversammlung.»

Berater, nicht Schattenpräsident

In seinen 25 Jahren in Volketswil hat Beat Grob die Entwicklung der Gemeinde durchaus selbst mitgestaltet und auch schon Einfluss auf das politische Geschehen gehabt. Als Politiker oder gar als Schattenpräsident will der 57-Jährige aber nicht bezeichnet werden. «Ich habe immer gesagt, dass ich nicht politisch bin. Meine Aufgabe ist es, den Gemeinderat fachlich und in rechtlichen Dingen zu beraten.» Entscheiden und regieren würde die Exekutive, sagt Grob vehement. «Ich will nicht im Rampenlicht stehen.»

«Er ist mein engster Mitarbeiter. Ich nehme seinen Rat stets ernst.»

Jean-Philippe Pinto (CVP), Volketswiler Gemeindepräsident

Zu einem Interessenskonflikt zwischen seiner Position als Bürger und als Gemeindeschreiber sei es noch nie gekommen, sagt Grob, der bei seinem Amtsantritt mit seiner Familie nach Volketswil zog. Zwar gebe es immer wieder mal Themen, wie beispielsweise eine Steuererhöhung, die ihn als Bürger selbst tangieren. «Doch dann muss ich meine persönliche Meinung jeweils zurückstellen.»

Volketswil «mitgeprägt»

Dass der Gemeindeschreiber diese beiden Rollen stets unterscheiden kann, hebt auch Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (CVP) hervor. Er beschreibt Grob als eine «integre Person» und einen «Problemlöser», der seine Rolle als Gemeindeschreiber kenne. «Beat entscheidet nicht für den Gemeinderat. Er denkt aber mit, schaut sich die Geschäfte im Vornherein an und gibt uns Ratschläge, wenn wir irgendwelche Punkte nochmals genauer anschauen sollten», sagt Pinto, der mit Grob «fast täglich» in Kontakt steht. «Er ist mein engster Mitarbeiter. Ich nehme seinen Rat stets ernst.» Denn in den 22 Jahren, in denen er mit Grob zusammenarbeite, sei nie etwas «wirklich Schlimmes» auf der Gemeindeverwaltung vorgefallen. «Das ist sicherlich mitunter ihm zu verdanken», so Pinto.

Auch Pintos Vorgänger, Nationalrat Bruno Walliser (SVP), bestätigt diesen Eindruck. «In den 15 Jahren unserer Zusammenarbeit hatten wir nie einen Skandal. Volketswil darf sich glücklich schätzen, dass man einen solchen Gemeindeschreiber hat.» In dieser Zeit fielen auch die meisten Investitionen, wie beispielsweise der Griespark oder der Bau des neuen Gemeindehauses an. «Er hat Volketswil massgebend mitgeprägt. Sein Know-How ist unersetzlich», sagt Walliser.  

Auch tragische Momente erlebt

Dieses Know-How spiegelt sich auch in den Projekten wieder, die Grob als Gemeindeschreiber begleitet hat. Selbst spricht Grob dabei von den «schönsten Momenten» seiner Amtszeit. Dazu gehören beispielsweise der Bau der Kultur- und Sporthalle Gries, des neuen Verwaltungsgebäude, der neuen Sportanlagen inklusive dem Griespark oder des neuen Werkhofes. «Ich glaube nur wenige Gemeindeschreiber konnten so viele Projekte umsetzen.»

«Volketswil wird unterschätzt.»

Beat Grob, Volketswiler Gemeindeschreiber

Doch Grob konnte nicht nur Erfolge geniessen. Spricht man ihn auf die schwierigsten Momente an, ist ihm ein tragischer Unfall besonders in Erinnerung geblieben. «Vor knapp 20 Jahren hatten wir einen Todesfall im Tageshort. Im Herbstlager ist damals ein Kind ertrunken.» Das Unglück sei ihm sehr nahe gegangen, zumal Grob selbst Vater zweier Töchter ist. Es sei schwierig gewesen, mit den betroffenen Eltern in Kontakt zu treten sowie das Gemeindepersonal abzufangen und zu betreuen, sagt Grob rückblickend. «Aber als Arbeitgeber mussten wir hin stehen und Unterstützung bieten.»

Spaziergänge in der Hutzlen

Für Grob ist Volketswil mittlerweile viel mehr Heimat als nur Arbeitsort. «Volketswil wird unterschätzt. Viele kennen nur die Industrie und das Volkiland. Mit dem alten Dorfteil und dem Naherholungsgebiet hat die Gemeinde aber so viel mehr zu bieten», sagt Grob. Sein Lieblingsort sei das Naturgebiet hinter der Hutzlen. «Von da aus ist man nach einem kleinen Spaziergang völlig im Grünen.»

«Ich hoffe für jeden Gemeindepräsidenten, dass er möglichst lange auf das Wissen von Beat Grob zurückgreifen kann.»

Bruno Walliser (SVP), ehemaliger Gemeindepräsident von Volketswil

Aus der einstigen Zwischenstation ist längst ein Dauerzustand geworden. Und Beat Grob möchte «wenn möglich» noch bis 65 auf der Gemeindeverwaltung Volketswil bleiben. Die hektischen Zeiten seien zwar mittlerweile vorüber, da die «grossen Würfe» abgeschlossen seien, sagt er. Die Arbeit werde ihm aber dennoch nicht ausgehen, denn es stünden bereits neue Aufgaben an. Auch Bruno Walliser wünscht sich, dass Grob Volketswil noch lange erhalten bleibt. «Ich hoffe für jeden Gemeindepräsidenten, dass er möglichst lange auf das Wissen von Beat Grob zurückgreifen kann.»

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