Auch Ersatzanlass wird ein Pandemieopfer
Erst keine Ustertagfeier und nun auch keine Gedenkzusammenkunft zum historischen Ereignis: Corona macht dem Ustertag-Komitee einen tüchtigen Strich durch die Rechnung. Bereits Mitte August sagte das Komitee die offizielle Feier im 2020 ab. Es beschloss, das ganze vorgesehene Programm auf den 21. November 2021 zu verschieben.
Immerhin sollte aber der 22. November – also der Tag, an dem vor genau 190 Jahren auf dem Ustermer Zimikerhügel die grosse Volksversammlung stattfand – nicht einfach so unbeachtet verstreichen. Werner Egli, Obmann des Komitees, das jeweils die Ustertagfeier durchführt, wollte wenigstens auf dem Zimiker eine Zusammenkunft zum Gedenken an dieses epochale Ereignis durchführen. Auf diesem Hügel gegenüber der Burg waren 1830 10‘000 bis 12‘000 Männer aus der Zürcher Landschaft zusammengekommen und hatten ihre Forderungen gegenüber der Stadt aufgestellt.
Frische Luft hilft auch nicht weiter
Das Komitee stellte sich ein kleines, rund dreiviertelstündiges Treffen ohne persönliche Einladung vor. Auf einer einfachen Holzplattform, so wie sie auf den Bildern von 1830 zu sehen ist, hätte dann ohne Mikrofon ein Historiker zum Publikum sprechen sollen. So an der frischen Luft und mit genügend Abstand wäre die Durchführung nach Ansicht des Komitees kein Problem gewesen.
Doch seit Mitte August hat sich die Corona-Lage massiv verändert. Wegen der rasant steigenden Fallzahlen hat der Bundesrat am vergangenen Sonntag weitergehende Schutzmassnahmen verordnet. Und so hat das Komitee laut Egli nun beschlossen, auch diesen Gedenkanlass ersatzlos zu streichen.
Schon einmal wegen Seuche ausgefallen
Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass die Ustertag-Feier wegen einer Epidemie gestrichen werden musste: Bereits 1938 gab es eine Absage wegen «Seuche». Und im Jahr darauf fiel die Feier gleich nochmals aus. Schuld war damals allerdings der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.
So wird es in den Annalen des Ustertages also auch für 2020 einen Strich geben. Dafür sollen dann im 2021 mit den eingeladenen Rednern gleich zwei Jubiläen nachgeholt werden: Wegen Corona hat die vor 150 Jahren gegründete ZKB ihre Jubiläumsaktivitäten aufs nächste Jahr verschoben. ZKB-Chef Martin Scholl wird deshalb ein Jahr später zu diesem Jubiläum sprechen.
Und auch der Auftritt von Christian Haltner (FDP), Gemeindepräsident von Stäfa, als Vorredner hängt mit einem Jubiläum zusammen. Vor 225 Jahren spielte sich der sogenannte Stäfner Handel ab, eine Auseinandersetzung der Landgemeinde mit der Stadt Zürich – die Konfliktlinie, die noch jahrzehntelang die Landbevölkerung beschäftigen sollte.
