Auf dem «Digitalen Dorfplatz» gerät die Entenjagd ins Visier
Der Mönchaltorfer Gemeinderat setzt seit Juli auf den «Digitalen Dorfplatz». Auf der Online Plattform des Unternehmens Crossiety sollen sich Einwohner, Vereine, Unternehmen und Gemeindeverwaltung vernetzen und miteinander kommunizieren. Nun hat der Gemeinderat beschlossen, diese Möglichkeit die nächsten zwei Jahre weiterzuführen. Das Engagement kostet jährlich pro Einwohner einen Franken und einen Pauschalbetrag von 5000 Franken. Damit lässt sich die Gemeinde ihre digitale Vernetzung 9000 Franken pro Jahr kosten.
Für Gemeinderätin Andrea Larry (SP) lohnen sich diese Ausgaben. «Wir sind vom Interesse der Bevölkerung positiv überrascht.» Seit der Einführung von Crossiety in Mönchaltorf hätten sich schon 465 Personen auf der Plattform angemeldet. «Das sind rund 14 Prozent der erwachsenen Einwohner», sagt Larry.
Entenumfrage
Die Einträge auf der Plattform sind vielseitig. Vor etwa einem Monat postete beispielsweise ein Mann seine Umfrage «Alli mini Äntli…». In dieser wollte er wissen, ob die Jagd auf Stockenten auf Gemeindegebiet verboten sein soll. Dreiviertel der 36 Teilnehmer waren für das Jagdverbot.
«Für Jugendliche ist das Medium eher nicht attraktiv.»
Andrea Larry (SP), Gemeinderätin Mönchaltorf
Ein anderer wollte wissen, ob jemand ein Restaurant oder eine Besenbeiz kenne, die am 25. Dezember einen Weihnachtsbrunch für Familien anbiete. Im einzigen Kommentar wurde ihm die Jucker Farm in Seegräben empfohlen.
Und ein Paar wollte «Dog» – eine Art Eile mit Weile mit Pokerkarten – spielen: «Wir, 57 und 59-jährig, suchen ein bis zwei Menschen, die Freude und Zeit haben mit uns dieses spannende und abwechslungsreiche Spiel zu spielen.» Darauf meldete sich Gemeinderat Rolf Möckli (SVP) und verabredete sich zum Spiel, das meist zu viert oder zu sechst gespielt wird.
Mönchaltorfer Jugend nicht an Bord
Andrea Larry sieht in den ersten paar Monaten aber auch Grenzen des neuen Tools. «Für Jugendliche ist das Medium eher nicht attraktiv.» Zu gross seien für die jüngeren die Anziehungskraft der Giganten Instagram, Tiktok und co.
Für Larry kommt beispielsweise Facebook trotz Gratisnutzung als Alternative zu Crossietey nicht in Frage. «Uns ist es wichtig, dass wir unserer Bevölkerung eine vertrauenswürdige Plattform anbieten. Der Datenschutz steht zum Beispiel an oberster Stelle.»
Gemäss Joel Singh, Geschäftsführer von Crossiety, können die Nutzer selber bestimmen, ob ihre Beiträge nur für alle Mönchaltorfer einsehbar seien oder ebenfalls für Einwohnerinnen aus der erweiterten Region . Wer auf der Plattform mitwirken will, muss aber seinen richtigen Namen angeben. «Wir setzen auf eine Registrierung per E-Mail und SMS. Weil heute alle Handynummern eindeutig Personen zugeordnet sind, ist niemand anonym auf der Plattform. »
«Viele Schweizer Gemeinden stehen bei der Digitalisierung noch in den Kinderschuhen.»
Joel Singh, Geschäftsführer Crossiety,
Singh versichert aber, dass die Daten nicht an Dritte weitergegeben werden. Mit der Registrierung der richtigen Namen steige die Hemmschwelle für beleidigende Kommentare. Solche würden zudem «rasch» gelöscht. «Ein Shitstorm ist bei uns nahezu ausgeschlossen.»
Bei Crossiety sind aktuell insgesamt 70 Gemeinden und Städte dabei. Im Oberland ist neben Mönchaltorf noch Wila auf dieser Onlineplattform. Eine weitere grosse Gemeinde aus der Region werde die App anfangs 2021 einführen, sagt Singh. Welche das ist, will er noch nicht bekanntgeben.
«Viele Schweizer Gemeinden stehen bei der Digitalisierung noch in den Kinderschuhen», so Singh. Das Unternehmen biete auch deshalb Workshops in den Gemeinden an.
Ein solcher fand auch kürzlich im Mönchhof statt. Etwa 40 Personen haben laut Andrea Larry, die selber auch dabei war, teilgenommen. Der Gemeinderat hatte im Vorfeld wegen Corona den registrierten Crossiety-Gruppen, von denen es im Dorf mittlerweile 36 gibt, nahegelegt, mit nur wenigen Vertretern teilzunehmen. An dem Abend seien diesen von einem Crossiety-Mitarbeiter Möglichkeiten aufgezeigt worden, wie beispielsweise Veranstaltungen oder Umfragen auf dem Online-Portal platziert werden.
Stromausfall – ein Fall für Crossiety?
Auch für die Gemeinde sei der «Digitale Dorfplatz» noch neu, sagt Larry. In der Gemeindeverwaltung müsse deshalb noch genauer bestimmt werden, was über Crossiety publiziert wird und was über andere Kommunikationskanäle. Als beispielsweise am 30. Juli in Teilen des Bezirks Uster der Strom ausfiel, kommunizierte dies die Verwaltung per Newsletter. «Ob solche Fälle künftig per Crossiety-Pushnachricht bekanntgegeben werden, müssen wir noch schauen.»
Das Problem bei Nachrichten über Newsletter oder der Bekanntgabe über die Gemeindewebseite sei die «Einweg-Kommunikation», sagt Larry. «Wir streben eine bessere Interaktion mit der Bevölkerung an.» Dafür sei Crossiety bestens geeignet. Weil der Zugang der Gemeinde zu dieser Plattform noch neu sei, sei diese Interaktion im Dorf aber noch nicht sonderlich ausgeprägt.
Als nächstes will Larry das Gewerbe für die Teilnahme gewinnen. Nur wenige Unternehmer hätten bisher das Potential für die Plattform entdeckt, sagt Larry. «Dabei könnte beispielsweise ein Metzger gut Werbung machen für den Schüblig-Zischtig».
