Rita Famos zweiter Versuch an die Spitze der Reformierten
Es dauert nicht mehr lange, dann ist der Name der neuen Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) bekannt. Am 2. November wird die höchste Reformierte von der Synode, dem Kirchenparlament, gewählt. Bis jetzt haben sich zwei Frauen für die Wahl zur Verfügung gestellt: Die Waadtländerin Isabelle Graesslé und Rita Famos aus Uster.
Schon vor zwei Jahren hatte sich Famos zur Wahl gestellt. Damals hatte sie aber einen schweren Stand, weil sie von den meisten SEK-Regionalgruppen (heute EKS-Regionalgruppen) nicht zu Hearings eingeladen wurde. Darum konnte sie ihre Argumente bei den Synodemitgliedern nicht vortragen, die diesen Anhörungen beiwohnen.
Auch deshalb musste sie sich am Ende gegen den umstrittenen Amtsinhaber Gottfried Locher geschlagen geben. Diesem wurde von verschiedener Seite vorgeworfen, er handle eigenmächtig und habe ein sexistisches Frauenbild. Im Mai 2020 trat Locher zurück, nachdem eine Mitarbeiterin der EKS eine Beschwerde gegen ihn eingereicht hatte. Seither ist der Sitz vakant.
«Offenes Rennen»
«Vor zwei Jahren waren viele Kirchenverantwortliche von meiner Kandidatur überrascht», sagt Rita Famos heute. Einzig die Romands hätten sie angehört.
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16.06.2018

Ustermerin will höchste Reformierte werden
Rita Famos kämpft morgen als Sprengkandidatin zu Gottfried Locher um den Sitz des höchsten Schwei Beitrag in Merkliste speichern Dieses Mal sei alles gut aufgestellt für einen transparenten Auswahlprozess, sagt Famos. Sie werde bis zur Wahl an sechs Hearings teilnehmen. Auch ihre Mitkandidatin Isabelle Graesslé ist eingeladen. Sie kenne die gebürtige Französin Graesslé nicht persönlich. Bekannt sei sie ihr vor allem als Direktorin des Internationalen Museums der Reformation in Genf. «Wir sind zwei verschiedene Kandidatinnen mit unterschiedlichen Profilen. Es ist ein offenes Rennen.» Dass heute zwei Frauen für dieses Amt kandidieren, sei im Gegensatz zu den Wahlen vor zwei Jahren keine Sensation mehr.
Tipps von Cla Famos
Im Wahlkampf werde sie auch von ihrem Mann, Stadtrat Cla Famos (FDP), unterstützt. Das Ehepaar hat zusammen an der Universität in Bern Theologie studiert. «Wir spielen gemeinsam die Hearings durch. So sehe ich, ob meine Message angekommen ist», sagt Famos. Von Cla Famos als Wahlkampfhelfer könne aber nicht gesprochen werden, es sei ja keine Volks- sondern eine Parlamentswahl.
Sie werde aber von ihrem Mann mit verschiedenen Tipps «geerdet». «Er sagt etwa, ich soll die Wahl gelassen nehmen. Du bist bereit», sagt Rita Famos.
«Heute will man sich nicht mehr an Institutionen wie die Kirche binden.»
Rita Famos, Kandidatin fürs EKS-Präsidium
Als Präsidentin der EKS gäbe es für Famos einiges zu tun. Ihre Motivation für den Posten: « Als Gründungspräsidentin möchte ich mithelfen, dass die neue Verfassung mit Leben gefüllt wird und die EKS als Kirchengemeinschaft zusammenwächst.»
Podcasts für die Jugend
Der massive Mitgliederschwund den die reformierte Kirche aktuell durchlebt, ist in ihrer 100-jährigen Geschichte laut Statistik grösser als in allen anderen erfassten Religionen der Schweiz.
Famos sieht die heutige Individualisierung der Gesellschaft als einen Grund für die schrumpfende Mitgliederzahl. «Heute will man sich nicht mehr an Institutionen wie die Kirche binden.» Die Jugend sei aber immer noch an Fragen rund um Spiritualität und Religion interessiert.
Zur Person
Rita Famos arbeitete unter anderem als Gemeindepfarrerin und Dekanin in Uster. Während zwei Jahren war die gebürtige Bernerin Sprecherin des «Wort zum Sonntag» beim Schweizer Fernsehen. Seit 2013 ist sie Abteilungsleiterin Spezialseelsorge der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Die 54-Jährige ist mit Stadtrat Cla Famos (FDP) verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.
In neuen Kommunikationswegen gebe es eine Möglichkeit die Jugendlichen abzuholen, sagt Famos. Vorbildlich sei etwa der Podcast Reflab, den die Zürcher Kirche produziere. «Die ersten Erfahrungen mit dem Reflab sind gut.» Titel der Mediendateien sind etwa «Gendersternchen, Vaginas und Schriftsteller», «Moria brennt!» oder «R.I.P Mike Shiva».
Dabei müsse sich die Kirche nicht verbiegen. Auf deren Agenda stünden mit der Klimaerwärmung oder der Gleichberechtigung schon seit den 90er-Jahren Themen, die bei den Jungen gerade aktuell sind, sagt Famos.
Röstigraben der Kirche
Als Präsidentin aller kantonalen Landeskirchen wolle sie auch «sorgfältig erarbeiten», welche Probleme national angepackt werden können und welche kantonal gelöst werden sollen. «Dabei muss, wie auch in der Politik, immer wieder der Röstigraben überwunden werden.»
Die 82 Synodenmitglieder wählen die neue Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche am 2. November an der Bernexpo. Es gilt das absolute Mehr.
