«Wir wussten nie so recht, wie gross die Opposition wirklich ist»
Nachdem die Greifenseer Stimmberechtigten den Erweiterungsplänen des Altersheims Zentrum im Hof eine Abfuhr erteilt haben, muss die Stiftung nun die Scherben aufsammeln. Deren Präsidentin Heidi Kropf hat die Stimmung an der Gemeindeversammlung hautnah miterlebt. Im Interview sagt sie, was die Chancen des Bauvorhabens erhöht hätten, und auf welchen Kosten die Stiftung sitzen bleibt.
Heidi Kropf, als Tannerin wurde Ihnen an der Greifenseer Gemeindeversammlung das Rederecht erteilt. Doch Sie haben erst auf Drängen davon Gebrauch gemacht. Wollten Sie das Erweiterungsprojekt nicht verteidigen?
Heidi Kropf: Ich habe an diesem Abend schnell gemerkt, dass die Meinungen bereits gemacht waren. Dementsprechend hatte ich das Gefühl, nichts mehr sagen zu können, das der ablehnenden Haltung entgegengewirkt hätte. Ausserdem hat sich Stiftungsrat Peter Andreas Reichart mit seiner Wortmeldung schon sehr gut für das Projekt eingesetzt.
Waren Sie überrascht, dass sich beinahe ausnahmslos nur Gegner zu Wort gemeldet haben?
Ich war nicht sonderlich überrascht. Schon an Infoveranstaltungen zum Projekt und in Leserbriefen in den «Nachrichten aus Greifensee» waren diese Stimmen zu vernehmen. Dennoch wussten wir nie so recht, wie gross die Opposition wirklich ist. Die Ablehnung war ein demokratischer Entscheid, den wir selbstverständlich akzeptieren. Enttäuscht sind wir natürlich trotzdem.
«Bei einem bestehenden Alterskonzept wäre vermutlich ein Teil der Opposition auf unserer Seite gewesen.»
Heidi Kropf, Präsidentin Stiftung Zentrum im Hof
Viele Greifenseer haben sich an der Architektur gestört. Insbesondere die Gebäudehöhe wurde beanstandet.
Ja, der Baukörper hat vielen nicht gefallen. Wir waren aber stets der Meinung, dass dieser städtebaulich verantwortet werden kann. Den Bau mussten wir sechsstöckig planen, weil wir das Raumvolumen für die Alterswohnungen benötigten. Ein kleineres Gebäude hätte diesen Ansprüchen nicht genügt. Wir wollten nichts Halbbatziges.
Der Greifenseer «Klotz» ist Altpapier
01.10.2020

Klares Nein zu Altersheimausbau
Die Greifenseer schicken die Altersheimpläne an der Gemeindeversammlung bachab. Beitrag in Merkliste speichern Mit dem beerdigten Bauvorhaben sind auch Kosten verbunden. Können Sie diese beziffern?
Der Aufwand ist enorm. Wir haben bereits 2012 mit der Planung begonnen. Der Betrag, der seither in dieses Projekt geflossen ist, beträgt knapp 300‘000 Franken .
Gibt es ein Ersatzprojekt, worauf die Stiftung zurückgreifen kann?
Nein. Aufgrund des ablehnenden Entscheides werden wir die aktuelle Erweiterungsplanung einstellen. Diese beruhte ursprünglich auf einem Auftrag der Gemeinde Greifensee an die Stiftung. Es liegt deshalb wieder am Gemeinderat, das weitere Vorgehen festzulegen. Insbesondere auch bezüglich des Alterskonzepts, das nun mit einer Initiative gefordert wird.
Sie sprechen das fehlende Alterskonzept an. Das hatten einige Votanten an der Gemeindeversammlung immer wieder beanstandet. Hätte der Bau mit einem bestehenden Konzept bessere Chancen gehabt?
Ich glaube schon. Zumindest wäre bei einem bestehenden Alterskonzept vermutlich ein Teil der Opposition auf unserer Seite gewesen.
Der Leistungsvertrag mit der Gemeinde Greifensee läuft aber weiter.
Ja, die Stiftung nimmt den bestehenden Leistungsauftrag in der stationären Langzeitversorgung weiterhin gerne und in der gewohnt hohen Qualität wahr. Die zunehmende Nachfrage der Spitex im ambulanten Bereich wird laufend angepasst. Mit der bestehenden Infrastruktur wird es uns aber nicht möglich sein, alle Bewohnerinnen und Bewohner von Greifensee, die stationäre Pflege, Betreuung und Unterstützung benötigen, bei uns aufzunehmen.
