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Politik

Ustermer Wochenmarkt auf der Poststrasse in der Kritik

Da der Wochenmarkt neu im Ustermer Zentrum stattfindet, werden drei Bushaltestellen nicht mehr bedient. Gewerbe und Anwohner sind genervt.

Seit August findet der Ustermer Wochenmarkt entlang der Post- und Gerichtsstrasse statt., Die Stadt begründet die Verlegung vom Stadthausplatz mit den Covid-19-Schutzmassnahmen., Mit dem neuen Standort sind aber nicht alle zufrieden.

Seraina Boner

Ustermer Wochenmarkt auf der Poststrasse in der Kritik

Seit August findet der traditionelle Ustermer Wochenmarkt am Freitagmorgen nicht mehr auf dem Stadthausplatz statt. Neu verläuft er entlang der Post- und Gerichtsstrasse. Die Stadt Uster begründete die Verlegung in einer Medienmitteilung mit den Covid-19-Schutzmassnahmen.

Gemeinderat Paul Stopper (BPU) kritisiert das in einer aktuellen Anfrage. Darin wirft er der Stadtregierung vor: «Der Stadtrat macht leider stets das Gegenteil von ‹vernünftig›.»

Längere Fusswege durch Umleitung

Ihn stört, dass wegen der Verlegung die Velofahrer während des Marktes nicht durch die Poststrasse fahren können. Ausserdem könne der Bus 813 zwischen Bahnhof und Nossikon drei Haltestellen nicht mehr bedienen: Poststrasse, Stadtpark und Apothekerstrasse.

Der Bus fährt stattdessen in beide Richtungen über die Haltestelle Zentralstrasse. Gemäss den Verkehrsbetrieben Zürichsee und Oberland (VZO) ist nur diese Umleitung möglich, um 1‘500 Pendler vor knappen oder verpassten Anschlüssen am Bahnhof zu bewahren.

«Wenn die Poststrasse in Uster gesperrt ist, fahren die Leute einfach ins Volkiland.»

Margrit Heidelberger, Geschäftsführerin «Topaz»

Die Umleitung betreffe auch die Bewohner des Alterszentrums Kreuz, wie Stopper kritisiert. Dieses liegt direkt an der betroffenen Haltestelle «Apothekerstrasse». Der Präsident des Alterszentrums war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Gemäss den VZO sind indes während der Umleitungen am Freitagmorgen an den drei nicht bedienten Haltestellen rund 40 Personen betroffen. Diese müssten die rund 300 Meter entfernte Haltestelle Zentralstrasse benutzen.

Weniger Kundschaft

Eine 81-jährige Anwohnerin der Poststrasse beklagt sich, dass sie nun zu Fuss in die Kirche gehen müsse. «Das stört mich schon», sagt sie. Auch als sie ihren verstorbenen Partner an dessen Geburtstag auf dem Friedhof besuchen wollte, musste sie zu Fuss gehen. Für mehrere andere Anwohner scheint die Busumleitung kein Problem zu sein, da sie sowieso zu Fuss unterwegs sind.

«Der Markt ist seit der Verlegung besser erreichbar.»

Usha Andres, Geschäftsführerin «Madal Bal»

Bei den in der Post- und Gerichtsstrasse ansässigen Geschäften sind die Meinungen gespalten. Kritik wird mehr am Samstags- als am Wochenmarkt geübt. So beim Schmuckgeschäft «Topaz»: Geschäftsführerin Margrit Heidelberger sagt, vor allem der Samstagsmarkt schlage sich in der Kundenfrequenz negativ nieder. «Ich kann meinen Laden eigentlich genauso gut geschlossen lassen», sagt sie. Der Imbiss «Tasty» beklagt dasselbe: «An Markttagen kommen in der Mittagszeit weniger Leute zu uns», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Hasan Imren.

Zu wenig Abstand und keine Autozufahrt

Anderen Geschäften, wie «McOptic», sind zwar keine Kundeneinbussen aufgefallen, dafür der fehlende Abstand zwischen Ständen und Geschäft: «Ein Meter mehr wäre super», sagt Filialleiter Fabian Friedrich. Momentan stünden die Marktstände an der Poststrasse so dicht, dass der Laden nicht immer gut ersichtlich sei.

Hasan Imren stört dagegen, dass wegen der Verkehrssperrung seine Kunden nicht mehr mit dem Auto zu seinem Imbiss fahren können. Margrit Heidelberger sagt: «Wenn die Poststrasse in Uster gesperrt ist, fahren die Leute einfach ins Volkiland.» Und eine Anwohnerin sagt, ihr Sohn könne mit dem Auto nicht zufahren und ausladen, um ihr Lebensmittel zu bringen.

«Gegenüber der Stadtpolizei haben bisher weder Anwohner noch Gewerbetreibende Kritik geäussert.»

Andreas Baumgartner, Kommandant Stadtpolizei Uster

Beim Coiffeur «Cousin‘s Barber» hat man mit den Märkten dagegen kein Problem. Geschäftsführer Eyyup Kanliel sagt: «Die Leute sehen unser Geschäft im Vorbeigehen, das ist gute Werbung für uns.» Und die Geschäftsführerin des Einrichtungs- und Geschenkladens «Madal Bal», Usha Andres, findet: «Das Quartierfeeling wird dadurch gestärkt.» Der Markt sei seit der Verlegung ausserdem besser erreichbar.

Alternative Standorte

Marktveranstalterin ist die Stadtpolizei Uster. Auf die verschiedenen Vorwürfe angesprochen sagt Kommandant Andreas Baumgartner, gegenüber der Stadtpolizei hätten bisher weder Vertreter der Anwohnerschaft noch Gewerbetreibende Kritik geäussert. «Wäre dem so gewesen, wäre mit den betroffenen Personen umgehend der Austausch vor Ort gesucht worden», sagt er. Ziel sei es nun, den Betroffenen im Rahmen des aktuell Möglichen entgegenzukommen und für beide Seiten stimmige Lösungen zu finden.

Gemeinderat Paul Stopper hofft indes auf eine Prüfung alternativer Wochenmarkt-Standorte. Er schlägt die Ustermer «Hinterhöfe» bei den Neuüberbauungen in den Kernen Nord und Süd sowie die Gerichtsstrasse in ihrer Verlängerung bis zum Gotthardweg vor. Diese Standorte wären seiner Meinung nach für die Märkte geeignet, «ohne den Busverkehr und die Velofahrer zu drangsalisieren», wie er schreibt.

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