Die Geschichtsschreibung von Uster ist veraltet, das sieht auch der Stadtrat ein. Wie die Exekutive ausführt, entspreche der Inhalt von Paul Kläuis Standardwerk zur Stadtgeschichte aus dem Jahr 1964 nicht dem neusten Forschungsstand. Weitere Werke würden lediglich einzelne historische Themen aufgreifen. Diese Ausführungen macht der Stadtrat in einer Antwort auf ein Postulat von SP-Gemeinderat Balthasar Thalmann, der mit dem Vorstoss eine aktualisierte Geschichtsschreibung Usters fordert.
Christian Zwinggi, Abteilungsleiter Präsidiales der Stadt Uster, sagt, dass im Werk von Historiker Kläui beispielsweise die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte erst ansatzweise aufgearbeitet worden seien. Es fehlten zudem Informationen zu einzelnen Ereignissen oder Personen, wie etwa der betagten Nossikerin Elsbetha Bünzli. Was man über sie gemäss Zwinggi weiss: «Die Frau wurde 1656 wegen unstetem Lebenswandel und Ehebruch nach grausamster Folter als Hexe enthauptet und danach verbrannt.»
Ustermer auf Titanic
Weiter erwähnt Zwinggi die Geschichte von Albert Wirz, der im Buchholz aufwuchs und mit 27 Jahren nach Amerika auswandern wollte. Er kaufte sich ein Drittklasseticket für die Titanic, mit welcher er am 12. April 1912 unterging. «Übriggeblieben von diesem tragischen Ereignis ist seine Taschenuhr, die wieder auftauchte und seither im Stadtarchiv lagert und unverändert zehn nach sechs anzeigt», sagt Zwinggi.

