Flyer soll Senioren in Ustermer Altersheime locken
Personen, die ihre älteren Angehörigen zuhause pflegen, brauchen hin und wieder eine Entlastung von dieser Arbeit. Auch für Senioren, die Betreuung benötigen, aber noch nicht in ein Heim eintreten müssen oder wollen, gibt es das Angebot. Eine Möglichkeit dafür bieten Tagesstrukturen und Ferienplätze in Altersheimen. Dort können pflegebedürftige Menschen temporär untergebracht werden.
In Uster reichten zu dem Thema jüngst Parlamentsmitglieder eine Anfrage beim Stadtrat ein. Gemeinderätin Andrea Grob, Kollege Jürg Krauer (beide FDP) sowie die grünliberale Gemeinderätin Beatrice Caviezel bemängelten, dass es in Uster weder verfügbare Ferienbetten habe noch ein Angebot für Tagesstrukturen unterhalten werde.
«Ja, um Himmels willen, weiss die Zielgruppe überhaupt, dass es ein solches Angebot gibt?»
Andrea Grob (FDP), Gemeinderätin Uster
Nun liegt die Antwort des Stadtrats vor. Wie dieser zu entnehmen ist, hat die Stadt in den letzten Jahren zwar selber keine Tagestrukturen angeboten, dafür eine Privatinstitution dabei unterstützt. Es handelte sich um die «attrAktiv Tageswohnen GmbH», die 2010 ihre Tore geöffnet hatte.
Nur Privatangebot
Ab 2018 unterstützte die Stadt Uster einen Aufenthalt im «attrAktiv Tageswohnen» finanziell mit einem Beitrag von 30 Franken pro Tag. Ein Tagesaufenthalt kostete damals pauschal 108 Franken, ohne Extraleistungen, die noch hinzukommen konnten.
«Wenn man das Angebot sucht, findet man es auch.»
Karin Fehr (Grüne), Stadträtin Uster
In den Heimen Uster, die der Stadt gehören, habe man gemäss der Altersstrategie zwar bereits 2014 ein Konzept für ein Tages- und Nachtwohnen entwickelt, dieses aber «nicht aktiv weiterverfolgt». Grund dafür sei, dass die Stadt während dieser Zeit «attrAktiv Tageswohnen» nicht mit eigenen Angeboten habe konkurrenzieren wollen.
Stadt muss Konkurs auffangen
Trotz ausbleibender Konkurrenz seitens der Stadt wurde «attrAktiv Tageswohnen» Ende 2019 geschlossen – «mangels Nachfrage», wie der Stadtrat in der Antwort nun schreibt. Nach der Schliessung hätten die Heime Uster die Konzeptarbeit für eigene Angebote wieder aufgenommen. Per 1. Januar 2021 sollen vier bis fünf Betreuungsplätze zur Verfügung stehen.
Schon heute gibt es vier Ferienbetten in den Heimen Uster, die im Bedarfsfall ausgebaut werden könnten. Für den Stadtrat besteht aber auch bei diesem temporären Angebot ein Problem: «Die Nachfrage nach Ferienaufenthalten in den Heimen Uster ist klein, so dass mit den Ferienzimmern für sich abgegrenzt keine adäquate Auslastung erreichbar ist.» Die Temporär-Abteilung weise in der Regel eine durchschnittliche Auslastung von 80 bis 85 Prozent aus.
Bürgerliche Kritik
Gemeinderätin Andrea Grob (FDP) hat sich in der Ratssitzung vom 21. September zur Antwort des Stadtrats geäussert. Dass die Stadt per Anfang 2021 plane, ein eigenes Angebot für Tagesstrukturen aufzubauen, zeige, dass das Anliegen, betreuende und pflegende Angehörige zu entlasten, erkannt und aufgenommen worden sei. Doch sie sei «sehr enttäuscht», dass immer wieder auf die zu tiefe Auslastung hingewiesen werde. «Ja, um Himmels willen, weiss die Zielgruppe überhaupt, dass es ein solches Angebot gibt?», fragte Grob.
Kein einziges Unternehmen könne überleben, indem man «tolle» Angebote zusammenstelle, ohne diese überhaupt möglichen Interessenten vorzustellen. Dies könne mit einem Flyer rasch geändert werden, sagte Grob damals im Parlament, und hob zur Demonstration einen Flyer des Pfäffiker Pflegezentrums Geratrium in die Luft. Ein solcher könne beispielsweise auch in Uster einer Spitexrechnung beigelegt werden.
«Den betroffenen Personen, hauptsächlich Seniorinnen und Senioren, muss diese Dienstleistung vorgestellt werden», monierte Grob.
Werbetrommel ab kommendem Jahr
Dieser Meinung pflichtet auch Stadträtin Karin Fehr (Grüne) bei. «Das Angebot der Tagesstrukturen werden wir im neuen Jahr sicherlich bewerben.» Einen Flyer könne sie sich dabei vorstellen. Eine weitere Möglichkeit seien Inserate.
Doch Fehr erinnert daran, dass über das Angebot der Ferienbetten der Heime Uster beispielsweise in der städtischen Broschüre «Älter werden in Uster – Nützliche Adressen für Seniorinnen und Senioren» aufmerksam gemacht werde. Diese werde alle paar Jahre aktualisiert und in die Haushalte der älteren Bevölkerung geschickt.
Ob solche Printprodukte eine höhere Nachfrage erzeugen sei fraglich. Senioren oder Angehörige informieren sich ja nur, wenn sie das Angebot wirklich benötigen. Deshalb sagt Fehr auf die aktuelle Situation bezogen: «Wenn man das Angebot sucht, findet man es auch.»
