Ein Dübendorfer Werkraum mit hoher radioaktiver Strahlung
Radon kommt in fast allen Gebäuden vor. Das radioaktive Gas sammelt sich besonders in den unteren Geschossen und im Keller. Mit gesundheitlichen Folgen für den Menschen (siehe Box). Nun hat der Kanton in einem Werkraum des Schulhaus Dorfs in Dübendorf eine Radonkonzentration festgestellt, die das Siebenfache des Referenzwertes übersteigt. In Zahlen ausgedrückt beträgt dieser Referenzwert 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³). Die Konzentration im Werkraum, der sich im Trakt B der Schulanlage befindet, liegt sogar bei 2183 Bq/m³. Dies ist bisher der höchste ausgewiesene Wert im Kanton Zürich bei öffentlichen und privaten Schulen, Kindergärten und weiteren Kinderbetreuungseinrichtungen. Die Messungen des Kantons sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Weil der Wert im betreffenden Zimmer überschritten wird, muss es gemäss Vorgaben des Bundes innert drei Jahren saniert werden.
Trotz der hohen Belastung wird im Werkraum vorerst weiter unterrichtet, wie Susanne Hänni (GLP/GEU), Präsidentin der Primarschule Dübendorf bestätigt, denn: «Der betroffene Raum wird nur für Unterricht mit kurzer Aufenthaltsdauer benutzt.» Mit den vorgenommenen Sofortmassnahmen sei eine Weiternutzung auch von Seiten des Bundesamts für Gesundheit möglich.
Lüften hilft doppelt
Eine solche Massnahme sei vermehrtes und regelmässiges Lüften. «Damit wurde ein erster Schritt zur Verminderung der Radonkonzentration eingeleitet», sagt Hänni. Gelüftet werde in der Zeit von Covid-19 sowieso in allen Räumen der Primarschule Dübendorf.
«Je nach Messresultat könnte eine Sanierung wegen der Bauphysik anspruchsvoll sein.»
Susanne Hänni (GLP/GEU), Präsidentin Primarschule Dübendorf
Gemäss Hänni hänge die hohe Radonkonzentration mit den damaligen Baustandards zusammen.Das Schulhaus Dorf wurde 1926 erstellt. Die Schulanlage sei auf einer einfachen Fundamentplatte errichtet worden, die entsprechend durchlässig für ein Gas wie Radon sei, sagt Hänni . «Zu diesem Zeitpunkt war Radoneinstrahlung noch unbekannt.»
Radon: Aus dem Boden in die Lunge
Jeder Boden und jedes Gestein enthält natürliches radioaktives Uran. Bei dessen Zerfall entsteht radioaktives Radon. Das Edelgas steigt je nach Durchlässigkeit des Untergrunds nach oben. Über Naturböden, aber auch Risse und Fugen in Bodenplatten kann Radon in Gebäude eindringen. Das Gas sammelt sich vor allem im Keller und den unteren Geschossen an, und zerfällt dort weiter.
Nach dem Rauchen ist Radon die zweithöchste Ursache für Lungenkrebs. Das Krebsrisiko steigt mit der Radonkonzentration und der Aufenthaltszeit. Zwischen der Belastung des Lungengewebes und dem Auftreten von Lungenkrebs können allerdings Jahre bis Jahrzehnte vergehen.
Die Messungen des Kantons werden wegen der Revision der Strahlenschutzverordnung nötig. Der Bund hat 2018 die bisher erlaubte maximale Konzentration von Radon in Wohn- und Aufenthaltsräumen von 1000 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) auf 300 gesenkt. In allen Schulen, Kindergärten und weiteren Kinderbetreuungseinrichtungen müssen nun Radonmessungen durchgeführt werden.
Nun muss noch mit weiteren Messungen ermittelt werden, wie das Radon in den Raum gelangen konnte . «Nach Erhalt der Ergebnisse können die notwendigen baulichen Massnahmen angegangen werden», sagt Hänni.
Da diese noch nicht vorlägen, stünden die Details der Sanierung noch nicht fest. «Je nach Messresultat könnte eine Sanierung wegen der Bauphysik anspruchsvoll sein.»
Gesundheitsrisiko berücksichtigt?
Auch ein Klassenzimmer des Schulhauses Wil weist eine hohe Radonkonzentration auf. Allerdings ist in dem Raum, der im Altbau der Schulanlage liegt, die Strahlenkonzentration nicht so hoch, wie im Werkzimmer des Schulhauses Dorf. Dafür halten sich die Personen im Kassenzimmer länger auf. Der Kanton rechnet damit, dass dort ein Kind oder ein Lehrer 15 bis 30 Stunden pro Woche verbringt.
Auf die Frage, ob damit ein Gesundheitsrisiko für Kinder und Lehrer besteht, antwortet der Kanton schriftlich: «Innerhalb der Frist bis zur Sanierung entsteht kein signifikantes Gesundheitsrisiko.» Diese Sanierungsfrist beträgt bei Zimmer des Schulhauses Wil ebenfalls drei Jahre.
Susanne Hänni sagt, dass bereits mit einer Fachfirma Möglichkeiten zur Sanierung wie etwa Abschottungs- und Belüftungsmassnahmen angedacht worden seien.
Geringe Sanierungskosten erwartet
Eine kleine Sanierung ist auch im Schulhaus Flugfeld nötig. Eine bauliche Anpassung ist hier erst innert zehn Jahren nötig. Grund dafür ist die geringere Radonkonzentration.
Die Resultate der Radonmessung im Schulhaus Högler habe dagegen gar ergeben, dass keine Sanierung nötig sei. «Der Primarschule Dübendorf ist es jedoch wichtig, auch diese Konzentration unter den Referenzwert von 300 Bq/m³ zu senken», sagt Hänni. Somit liegen insgesamt vier Räume der Primarschule Dübendorf über diesem Wert.
Wie teuer die Sanierung der Schulräume werden, könne zwar heute noch nicht beziffert werden. Dennoch zeigt sich Hänni zuversichtlich: «Auf Grund der Vorbesprechungen mit der Fachfirma gehen wir davon aus, dass die Kosten gering ausfallen werden.»
