Brille richten, Waren scannen oder Blutdruck messen
Am Dienstag war ein besonderer Tag für die beiden zweiten Klassen der Sekundarschule Zell. Anstatt ins Schulzimmer ging es an diesem Tag an den Berufswahlparcours. Jeder Schüler und jede Schülerin hatte die Möglichkeit, in drei verschiedenen Betrieben erste Eindrücke von einem möglichen Lehrberuf zu sammeln.
«Wir haben extra ein paar Brillen verbogen.»
Nadine Bernet, Geschäftsführerin Optik Barth Turbenthal
So beispielsweise bei Optik Barth in Turbenthal. Dort kamen am Morgen früh drei Schülerinnen vorbei und wurden zunächst von Geschäftsführerin Nadine Bernet über den Ausbildungsweg informiert.
Mit Fingerspitzengefühl
Nach dieser kleinen Einführung ging es dann ran an die Sache. «Wir haben extra ein paar Brillen verbogen, damit unsere Interessentinnen bereits einmal etwas in der Hand haben und üben können», erklärte Nadine Bernet.
Dass das Richten einer Brille gar nicht so einfach und Fingerspitzengefühl nötig ist, haben die drei Schülerinnen schnell herausgefunden. «Diese Arbeit hat mir aber trotzdem gut gefallen», meinte Fiona, einer der Interessentinnen, im Anschluss. Ihr gefalle der Beruf der Optikerin ohnehin. «Deshalb kann ich mir auch gut vorstellen, länger in einem Optikergeschäft zu schnuppern.»
Keine Bleistifte mehr
Eine andere Berufslehre, die die Zweitklässler an diesem Morgen kennenlernen durften, ist diejenige als Logistiker bei Kuhn Rikon. Hierfür interessierten sich gleich sechs Schüler. Eine reine Männerrunde.
Ihre Einführung erhielten sie von Gian Forrer, der diesen Sommer seine Lehre im Betrieb abgeschlossen hatte. Er begann mit einem kleinen Einführungsvideo, auf dem vor allem grosse Kisten und Ladestapler zu sehen waren. Danach erinnerte Forrer seine sechs Interessenten aber daran, wieso die Logistik mehr sei, als nur Waren herumfahren.
«Ich möchte eigentlich in die Informatik.»
Tomaso, Sekundarschüler
Zum Beruf gehört nämlich auch, diese zu bewirtschaften. «Stellt euch vor, ihr habt ein kleines Lager mit Bleistiften und braucht jede Woche einen neuen Bleistift. Irgendwann habt ihr keine mehr und seid überrascht.» Deshalb sei es wichtig, dass man immer im System erfasse, wie viele Gegenstände im Lager seien. «Damit wir auch rechtzeitig wieder neue Dinge bestellen können», erklärte Forrer.
Kann ja nicht schaden
Auch bei Kuhn Rikon durften die sechs Schüler dann selber an die Arbeit und Waren für Kundenbestellungen zusammensuchen. Nicht alle von ihnen können sich eine solche Ausbildung aber tatsächlich vorstellen.
Trotzdem sei dieser Einblick am Berufswahlparcours eine sehr gute Erfahrung, meinte beispielsweise Tomaso. «Ich möchte eigentlich in die Informatik. Aber es kann ja nicht schaden, noch etwas anderes auszuprobieren», so der Schüler der 2. Sek.
Etwas völlig anderes durften fünf Schülerinnen in der Tösstal Praxis in Kollbrunn kennenlernen. Nämlich die Aufgaben einer Medizinischen Praxisassistentin, oder kurz MPA. Keine Waren verbuchen, dafür Blutdruck messen, Verband anlegen und Blut abnehmen.
«Es ist super, dass wir sehr viel ausprobieren durften.»
Aisha, Sekundarschülerin
Dies unter der Aufsicht von Léonie Werder, die als MPA in der Tösstal Praxis arbeitet. Berührungsängste hatten die fünf Schülerinnen keine. Der «Piks» in den Finger war sogar eines der Highlights.
«Es ist super, dass wir sehr viel ausprobieren durften, vor allem die Blutabnahme», sagte beispielsweise Aisha. Die Schülerin kann sich gut vorstellen, eines Tages in einer Arztpraxis zu arbeiten. «Aber auch Kommunikationsfachfrau ist eine Möglichkeit für mich.»
Eine Frage des Geschlechts
Dass in der Logistik bei Kuhn Rikon sechs Schüler und in der Tösstal Praxis fünf Schülerinnen einen Einblick in die Berufswelt suchten, sei typisch, meint Marianne Mettler, die Klassenlehrerin der 2. Sek BC an der Sekundarschule Zell. «Oft probieren die Schüler eher ‹Männerberufe› aus und die Schülerinnen klassische ‹Frauenberufe›.» Einige Ausnahmen gebe es natürlich immer.
«Die Ausbildungsmöglichkeiten stehen heutzutage schliesslich allen offen. Männer können beispielsweise in der Pflege arbeiten und Frauen im Handwerk», sagt Mettler. Deshalb versuche man im Unterricht, diese Geschlechteraufteilung durchaus zu hinterfragen, ergänzt die Sekundarlehrerin.
