«Ich hinterlasse keinen Trümmerhaufen»
«Keiner konnte Kultsprüche und sprachliche Schnitzer so dermassen auskosten und bis zum Kultstatus wiederholen, keiner so zackig im Stechschritt über das Gelände jagen, keiner so viele Zigis rauchen am Reeds-Wochenende und so selig grinsen beim letzten Konzert des Tages wie Manu.» So die Laudatio auf der Website des Festivals an Gründer Manuel Bosshard. Dieser hat sich 16 Jahre nach der ersten Durchführung des Reggae-Openairs am Pfäffiker Seequai dazu entschieden, das Präsidium abzugeben.
«Der Entscheid ist über die Zeit gereift», sagt Bosshard. Primär habe sich das familiäre Umfeld verändert, mittlerweile ist er Familienvater. «Und es ist der richtige Zeitpunkt für neue Ideen.» Gerne hätte er dieses Jahr noch ein letztes Mal das Festival durchgeführt, doch auch ihm machte das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung.
Auf Vorarbeiten aufbauen
«Natürlich hätte ich meine Zeit als Präsident lieber mit einem Konzert als mit einem Virus beendet», so Bosshard. Gleichzeitig sei es eine gute Chance für seinen Nachfolger Tom Heldner, in die Rolle reinzuwachsen. Er ist ebenfalls seit der ersten Ausgabe des «Reeds» 2004 Teil des Teams und seit einigen Jahren im Vorstand des Vereines.
«Als wir das diesjährige Reeds absagen mussten, hatten wir den grössten Teil der Vorarbeiten schon erledigt», sagt Manuel Bosshard. «Ich hinterlasse keinen Trümmerhaufen.» Sonst hiess es immer: Nach dem Reeds ist vor dem Reeds. «Nach zwei Wochen Verschnaufpause planten wir jeweils bereits weiter.» Nun aber könne man auf der geleisteten Vorarbeit aufbauen und sich Zeit nehmen, um die Durchführung im nächsten Sommer zu planen.
Er werde zwar als beratende Stimme weiter zur Verfügung stehen, aber keine fixe Aufgabe übernehmen. «Das Ziel ist es, als normaler Gast mit der Familie ein Billett zu kaufen und das Festival aus einer anderen Perspektive erleben zu können.»
Aussergewöhnliche Erlebnisse habe es in seiner Zeit als Präsident unzählige gegeben. «Jedes Jahr gab es ein neues Highlight.» Speziell in Erinnerung bleiben jedoch auch die schwierigen Momente. «Manchmal sah es echt aussichtslos aus, egal ob finanziell oder aufgrund des Wetters.»
«Manchmal gibt es Krach, dann versöhnt man sich und macht weiter.»
Die Evakuierung des gesamten Geländes im Sommer 2017 habe ihn speziell geprägt. «Es war unglaublich, wie wir damals als Team gearbeitet haben und alles so gut geklappt hat», sagt Bosshard.
In Sachen Ratschläge für seinen Nachfolger hat er vor allem einen: Nie aufgeben. Diese Einstellung habe er in all diesen Jahren gelebt und sein Umfeld immer wieder aufs Neue motiviert. «Und die anderen manchmal damit auch hässig gemacht», gibt Bosshard zu. Aber so sei das halt in einem Team. «Manchmal gibt es Krach, dann versöhnt man sich und macht weiter.»
Das Reeds-Festival 2021 wird am Wochenende vom 23. bis 25. Juli stattfinden. Weitere Informationen unter www.reedsfestival.ch.
