Exodus aus der Kirchenpflege
Im November wird die Katholische Kirchgemeinde St. Benignus schon wieder neue Kirchenpfleger wählen müssen. Dies, nachdem im letzten Jahr Marianna Stauber, die erst ein halbes Jahr zuvor in ihr Amt gewählt wurde, ihren Rücktritt gab. Dieses Mal verlassen jedoch gleich drei Kirchenpflegemitglieder das Gremium: Gabrielle Falbriard, Claudia Staub per Ende Oktober und Kirchenpflegepräsident Josef Annen per Ende Dezember.
«Seit über einem Jahr hat sich der schwelende Konflikt im Dualen System zugespitzt und zunehmend auf alle Ressorts ausgewirkt», heisst es in der Mitteilung der Kirchenpflege. Der Beizug von externen Fachpersonen habe nicht die erhoffte Entspannung gebracht.
Das Duale System in der Katholischen Kirche
Im Kanton Zürich, wie in vielen Kantonen der Schweiz, kennt die Katholische Kirche parallel zur kirchlichen Organisation staatskirchenrechtliche Organe. Auf Ebene der Pfarrei ist es die Kirchgemeinde. Die Pfarrei ist für die Entfaltung des lokalen kirchlichen Lebens zuständig (Verkündung, Liturgie und Seelsorge), die Kirchgemeinde für die notwendigen materiellen Voraussetzungen (Finanzen, Administration und Infrastruktur).
«Die regelmässigen Treffen mit den externen Beratern haben sich über fast ein Jahr hingezogen», sagt Josef Annen. «Dies brachte auch eine gewisse Ermüdung mit sich.» Nach der Analysephase habe man im Sommer die Empfehlungen der Berater diskutiert. Dass gewisse Personen von ihren Ämter zurücktreten, war keiner der Vorschläge. «Aber wer die Empfehlungen als nicht zielführend eingeschätzt hat, dem blieb nicht mehr viel anderes übrig.»
Spannungen in der Pfäffiker Kirchgemeinde
08.09.2019

Kirchenpflegerin tritt zurück
Per Ende August ist die Pfäffikerin Marianna Stauber als Kirchenpflegerin der Katholischen Kirchg Beitrag in Merkliste speichern Für ihn hätte der Aufwand nicht gestimmt. «So viel Beziehungsarbeit für einen ungewissen Ausgang ist irgendwann auch eine Frage der Gesundheit», sagt Annen. Zwar habe er selber bisher keine Beschwerden gehabt, aber von anderen entsprechende Rückmeldungen erhalten. «Und bei mir wäre das vielleicht auch nur eine Frage der Zeit gewesen.»
«Von Anfang an schwierig»
Das duale System der Katholischen Kirche stellt er aber nicht per se in Frage. Nicht das System mache die Arbeit zwischen Kirchenpflege und Pfarrei schwierig, sondern die Leute dahinter. In seinem Fall habe das Verhältnis zum Pfarreileiter nicht gestimmt.
«Es war schon von Anfang an harzig und wurde immer schwieriger», sagt Annen, der vor bald drei Jahren das Amt des Kirchenpflegepräsidenten übernommen hat. «Wir sind sehr unterschiedliche Charaktere und haben verschiedene Einstellungen zu Geld, Ethik und der Rolle der Kirchenpflege.» Der Pfarreileiter war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
«Hätten alle am gleichen Strick gezogen, hätte dies verhindert werden können.»
Josef Annen, abtretender Kirchenpflegepräsident
Der schwelende Konflikt habe sich auch auf das Pfarreisekretariat ausgewirkt: Eine langjährige Pfarreisekretärin hat diesen Sommer die Gemeinde verlassen, die Nachfolge ist nach wie vor offen. «Eigentlich hatten wir mit ihr die Vereinbarung, dass sie in einem kleineren Pensum nur noch für die Kirchenpflege weiterarbeitet», sagt Annen.
Das Seelsorgeteam inklusive Pfarreileiter habe sich aber deutlich dagegen gewehrt, sodass die Pfarreisekretärin und die Kirchenpflege schliesslich davon abgesehen haben, um ein Seilziehen zu vermeiden. «Hätten alle am gleichen Strick gezogen, hätte dies verhindert werden können.»
Die Ersatzwahl für drei neue Kirchenpflegemitglieder soll an der Kirchgemeindeversammlung vom 25. November erfolgen. Die Kirchgemeinde umfasst neben Pfäffikon auch die Gemeinden Fehraltorf, Hittnau und Russikon. Übermässig zuversichtlich, dass sich auch drei Kandidaten finden werden, ist Josef Annen anlässlich der angespannten Situation nicht.
Herausforderung als Ansporn?
Für die Nachfolge von Marianna Stauber verblieb im letzten Herbst nur ein Kandidat. «Von allen weiteren, direkt angefragten Personen haben wir eine Absage erhalten», sagt Josef Annen. «Aber vielleicht gibt es jetzt andere Interessierte, die genau für eine solche Herausforderung gemacht sind.»
Welche Auswirkungen die Rücktritte auf den geplanten Um- beziehungsweise Neubau des Pfarrhauses haben, kann Annen nicht sagen. Dies hänge primär mit der Konstellation der neuen Kirchenpflege und den Prioritäten ab dem neuen Jahr zusammen. «Und steht damit noch in den Sternen.»
