Die Barrieren rücken wieder in den Fokus
Im Juli hat der Kanton Zürich gemeinsam mit der Stadt Uster bekanntgegeben, die umstrittene Kantonsstrasse «Uster West» nach Jahrzehnten der Planung nicht mehr weiterzuverfolgen. Nun will der Stadtrat bis Ende 2020 alternative Lösungen für eine bessere Verkehrsanbindung der Stadt in Richtung Westen evaluieren, wie er in einer Medienmitteilung schreibt. Im Fokus der Exekutive stehen dabei auch die Bahnübergänge.
Diese stellten mit ihren langen Barriereschliesszeiten für Fussgänger, Velofahrende und den motorisierten Verkehr eine Herausforderung dar, schreibt der Stadtrat. Und mit dem Ausbau der S-Bahn und der geplanten Doppelspur Uster – Aathal nähmen die Wartezeiten an den Bahnschranken weiter zu. Zudem herrsche auch im Stadtkern eine hohe Verkehrsbelastung, worunter die Attraktivität des Zentrums leide.
Verstaubte Pläne
Bauvorstand Stefan Feldmann (SP) sagt, dass in den letzten 40 Jahren «viele Pläne zur Lösung von Usters Verkehrssituation gewälzt wurden», einige davon kamen nicht über das Konzeptstudium hinaus, andere seien im politischen Prozess gescheitert. «Nachdem der Bund nun aber mit der Doppelspurführung zwischen Uster und Aathal vorwärts macht, bekommt das Problem der fehlenden Bahnquerungen zusätzlich Brisanz.»
40 Jahre lang geplant – und doch gescheitert
03.07.2020

Die Geschichte von «Uster West»
Der Kanton versuchte während knapp vier Jahrzehnten das Strassenprojekt in Usters Westen zu reali Beitrag in Merkliste speichern Als Sargnagel für «Uster West» kann heute der Entscheid des Baurekursgerichts im Jahr 2018 bezeichnet werden. Das Gericht gab Umweltschützern Recht und konstatierte, dass die Strasse zu nah am Flachmoor geplant war. Dass bereits mit Bekanntgabe dieses Entscheids vor rund zwei Jahren mit dem Ende von «Uster West» gerechnet werden konnte, und sich der Stadtrat mit dem Ausarbeiten alternativer Lösungen Zeit liess, weist Feldmann von sich: «Der Kanton hat richtigerweise zuerst noch geprüft, ob eine andere Linienführung möglich ist, die dem Urteil Rechnung trägt.»
Unterführung Winterthurerstrasse
Für die Stadt wird nun die Unterführung Winterthurerstrasse erneut Thema. 2012 haben sich die Ustermer Stimmbürger mit rund 60 Prozent Ja-Stimmen dafür ausgesprochen, dass sich der Stadtrat beim Kanton für den Bau einer solchen Unterführung stark macht. Das Projekt wurde aber vom Kanton, der für diese Strasse zuständig ist, gestoppt.
«Wir wollen keine Lösung, die Verkehrsprobleme an andere Orte der Stadt verschiebt.»
Stefan Feldmann (SP), Stadtrat Uster
Stefan Feldmann sagt, dass bei einer möglichen Unterführung der Winterthurerstrasse auch die Folgen für die Fussgängerverbindung zwischen Zeughausareal und Zentrum untersucht werden müssen. «Wir wollen keine Lösung, die Verkehrsprobleme an andere Orte der Stadt verschiebt.» Vielmehr solle es eine sein, die der gesamten Stadt «langfristigen Nutzen» bringe. «Insbesondere sollen auch der Fuss- und Veloverkehr profitieren», sagt Feldmann.
Hoheit beim Kanton
Bei der Suche nach Lösungen sollen beispielsweise die Auswirkungen bezüglich Lärmbelastung und Verkehrsaufkommen auf den Kreiseln im Zentrum geklärt werden.
Doch die Stadt ist dabei auf den Kanton angewiesen, der planerisch und finanziell die Hoheit beim Ausbau einer Hauptverkehrsstrasse innehat. Stefan Feldmann sagt, er wolle mit einer klaren Vorstellung an den Kanton gelangen, welche Lösung für Uster anzustreben sei. «So wollen wir den Kanton animieren, seinerseits vorwärts zu machen.» Ein solch konkreter Plan könne zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht genannt werden.
Die Verkehrsplanung auf städtischer Ebene soll im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts (STEK) erfolgen, dabei soll der Gemeinderat miteinbezogen werden, wie der Stadtrat weiter schreibt. Laut diesem konnten bisher die drängenden Probleme der Bahnquerungen bei der Erarbeitung des STEK aufgrund des damals blockierten Projekts «Uster West» nicht beleuchtet werden.
Jetzt will der Stadtrat dazu bis Ende dieses Jahres das ergänzende Konzept «Bahnquerungen» erarbeiten, in dessen Rahmen «verschiedene Optionen bewertet werden sollen». Es ist dies ein erneuter Anlauf, eines der drängendsten Probleme in Uster zu lösen.
