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Nun regieren die Näniker über ihre Bibliothek

Die Stadt Uster gibt dem Gemeindeverein Nänikon bei der Führung der Dorfbibliothek mehr Macht. Deren Rettung ist nicht zuletzt dem Lobbying des Vereinspräsidenten zu verdanken.

In Nänikon kann künftig der Gemeindeverein selbständig über die Finanzen der Stadt Uster bestimmen.

Christian Merz

Nun regieren die Näniker über ihre Bibliothek

Noch vor knapp einem Jahr stand die Dorfbibliothek der Aussenwacht Nänikon wegen des Sparkurses der Stadt Uster kurz vor dem Aus. Der Stadtrat wollte deren Unterstützungsbeitrag  von 35‘000 Franken aus dem Globalbudget streichen. Die Stadt argumentierte damals unter anderem, dass die Bibliothek zu klein sei.

Doch der Gemeindeverein Nänikon kämpfte etwa mit einer Petition für die Bibliothek – mit Erfolg. Das Parlament setze an der Gemeinderatssitzung im Dezember 2019 den Betrag wieder ein, und das mit deutlicher Zustimmung. Ein bisschen «geweibelt» bei den Parlamentariern habe er damals, sagt rückblickend Thomas Altenburger, Präsident des Gemeindevereins Nänikon.

«Wir haben jetzt einen besseren Gestaltungspielraum.»

Thomas Altenburger, Präsident Gemeindeverein Nänikon

Nun hat der Stadtrat einen Leistungsvertrag aufgesetzt, um «das Quartierleben in Nänikon zu fördern», wie er in einer Medienmitteilung schreibt. Damit fliessen die gesprochenen 35‘000 Franken nun direkt zum Gemeindeverein Nänikon. Für Altenburger ist das eine gute Lösung. «Wir können jetzt  unabhängiger entscheiden.»

Neue Pflichten für den Verein

Auf der anderen Seite würden dem Verein aber auch zusätzliche Verpflichtungen und Mehraufwände auferlegt, sagt Altenburger. «Die Buchhaltung muss die neue Trägerschaft nun selber machen.» Diese sei bisher über die Stadtbibliothek Uster erledigt worden. A ngestrebt werde nun, diese Arbeit bei der Oberstufe Nänikon-Greifensee anzusiedeln.

Ein Kritikpunkt an der Gemeinderatssitzung waren die eingeschränkten Öffnungszeiten. Gerade mal sieben Stunden die Woche ist der Näniker Leihbücherei geöffnet, trotzdem bezeichnete Altenburger diesen stets als Dorftreffpunkt.

Vorschlag Quartierbudget

Auch Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) sieht die Bibliothek hauptsächlich als Dorftreffpunkt. Die Stadt habe deswegen die Idee eines Quartierbudgets vorgeschlagen. Damit hätte der Gemeindeverein den gesamten Kredit für die Näniker Gemeinwesenarbeit in der Höhe von 44’000 Franken zur eigenständigen Verwaltung erhalten, sagt sie. Doch der Gemeindeverein habe sich gegen diesen Vorschlag gestellt. Zur heutigen Lösung sagt Thalmann: «Die Näniker wissen am besten, welche Projekte und Angebote in ihrer Aussenwacht gefördert werden sollen und welche sie auch fördern wollen.»

Für Altenburg er überwiegen die Chancen in der neuen Lösung: «Wir haben jetzt einen besseren Gestaltungspielraum.» Allenfalls könnte ab jetzt ein Teil der 35‘000 Franken ins folgende Jahr übernommen werden, wenn der jährliche Betrag nicht ausgeschöpft werde. Mit dem Geld könnten beispielsweise auf «neue Trends eingegangen oder Mobiliar ergänzt werden» .

Für Räbelichtliumzug

Allerdings wäre ein allfälliger Restbetrag nicht sonderlich hoch, denn mit diesem Geld müsse der Gemeindeverein auch die Fixkosten der drei Teilzeitangestellten der Bibliothek bezahlen.

Zusätzlich zu den 35‘000 Franken erhält der Verein 2000 Franken pro Jahr von der Stadt für seine Anlässe wie der Höck am längsten Tag, den Räbelichtliumzug oder die Fackelwanderung.

Dieser Treffpunkt in der Bibliothek soll nun «gepusht» werden, wie Thomas Altenburger sagt. Er wolle vermehrt mit anderen Vereinen Anlässe ausserhalb der Öffnungszeiten auf die Beine stellen, beispielsweise einen Kinoabend oder einen Spielnachmittag.

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