Dübendorfer Stadtrat entmachtet Sozialvorsteherin
Zwei Wochen nachdem der Stadtrat eine Untersuchung der Vorwürfe gegen das Dübendorfer Sozialamt angekündigt hatte, kam es am Freitag zum Paukenschlag: Der Stadtrat entzieht Sozialvorsteherin Jacqueline Hofer (SVP) die Zuständigkeit für den Bereich Sozialhilfe. Stadtpräsident André Ingold (SVP), der nun für das Dossier zuständig ist, spricht von einem «pragmatischen Entscheid».
Es gehe darum, die Untersuchung der Vorfälle rund um das Sozialamt «unbelastet und unabhängig von Personen» durchführen zu können, so Ingold. Es handle sich ganz klar nicht um eine Misstrauensbekundung gegenüber Jacqueline Hofer, betont er. «Wir gehen davon aus, dass sie ihr Amt nach Abschluss der Untersuchung wieder ganz normal ausüben wird.»
Abteilungsleiter freigestellt
Weiter hat der Stadtrat entschieden, sich vom Leiter der Sozialabteilung zu trennen, dieser wurde per sofort freigestellt. «Die Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit war nicht mehr vorhanden», sagt Ingold. In der Medienmitteilung des Stadtrats heisst es, die Trennung sei im gegenseitigen Einverständnis erfolgt.
«Das bedeutet, dass Jacqueline Hofer von ihrem eigenen Personal im Regen stehen gelassen wurde.»
André Ingold (SVP), Stadtpräsident
Der Grund für den Schritt ist laut Stadtrat, dass die von der Abteilung auf der städtischen Webseite publizierten internen Unterstützungsrichtlinien der Sozialhilfe nicht mit den tatsächlich angewendeten Richtlinien übereinstimmen. Gegenüber dem Originaldokument fehlten demnach diverse Kapitel zu einzelnen Sachbereichen, und zwar komplett und ohne dies im Dokument zu deklarieren.
«Hoch problematisch»
Ob dies mit Absicht geschehen ist, kann Ingold nicht beurteilen. «Das wird nun aber abgeklärt.» Unabhängig davon hält der Stadtrat in seiner Mitteilung fest: «Diese Form der Intransparenz gegenüber der Öffentlichkeit erachtet der Stadtrat als hoch problematisch.»
Dies auch vor dem Hintergrund, dass das Dübendorfer Sozialamt seit Jahren in der Kritik steht. Unter anderem wurde von linker Seite wiederholt und vehement die Veröffentlichung ebendieser Richtlinien gefordert. Dem kam Sozialvorsteherin Jacqueline Hofer schliesslich im März 2019 überraschend nach. Ingold: «Dass diese Richtlinien dann doch nicht vollständig waren, bedeutet, dass Jacqueline Hofer von ihrem eigenen Personal im Regen stehen gelassen wurde.»
Massive Vorwürfe gegen Abteilungsleiter
Jüngst machte der «Tages-Anzeiger» publik, dass Klienten auf dem Amt schlecht behandelt und unter Druck gesetzt würden. Sozialhilfebezüger seien überwacht und hinter deren Rücken beleidigt worden. Einige Vorwürfe betreffen auch direkt den Leiter der Sozialabteilung. Dieser soll heimlich Gespräche mit einer Klientin aufgezeichnet und intern mehrfach «streitbare Onlineinhalte» geteilt haben.
Laut Ingold hätten diese Punkte nichts mit der Trennung vom Abteilungsleiter zu tun. «Er hat seine Aufsichtspflicht verletzt, deshalb haben wir uns für den Schritt entschieden.» Die anderen Vorwürfe würden nun im Rahmen der externen Untersuchung unter die Lupe genommen, so Ingold. Diese hatte der Stadtrat wenige Tage nach der Veröffentlichung der angeblichen Missstände durch den «Tages-Anzeiger» angekündigt.
